Adolf Behrmann

Adolf Behrmann (* 13. März 1874 in Roman, Rumänien; † 28. April 1934 in Bukarest, beerdigt in Hamburg-Ohlsdorf) war ein rumänisch-deutscher Kunstmaler, Werbegrafiker und Produktdesigner.[1][2]

Leben und Werk

Adolf Behrmann wird häufig mit dem polnischen Maler Adolf Behrman verwechselt. Trotz zahlreicher bekannt gewordener Details, die überwiegend auf den Forschungen des Keramikexperten Rolf Hinderk Peters basieren, sind Leben und Werk von Adolf Behrmann nur teilweise bekannt. Seine Schulbildung hat Behrmann wohl in Roman und Bukarest erhalten. Er soll in München, Paris und Bukarest studiert haben. In den Berliner Adressbüchern ist Behrmann von 1903 bis 1933 verzeichnet.[1] Er übersiedelte demnach um 1902 mit seiner Familie dorthin. Sein Sohn Hans (* 1903; † 1958) wurde in Berlin geboren.

Als Berufsbezeichnung findet sich in den Berliner Adressbüchern meist Kunstmaler, aber er war auf vielen Gebieten aktiv und entwarf Werbung, Druckschriften, Bucheinbände wie z. B. die Werbung für die Carosseriewerke AG Schebera, die Deutsche Tachometerwerke GmbH DEUTA sowie die Automobilhersteller Horch und Stoewer. Zudem entwarf er Designs für Produkte verschiedener Firmen wie Bestecke für WMF und für Gebrauchsgegenstände aus Porzellan und Steingut im Stil des Art déco für die Fabriken von Fraureuth und Max Roesler. Zudem fertigte die Sächsische Metallwarenfabrik August Wellner in Aue Bestecke, die seinen Entwürfen ähneln, seine Urheberschaft ist bisher aber nicht belegt.[1]

Ab etwa 1905 war Behrmann Mitarbeiter der Feinsteingutfabrik Max Roesler in Rodach bei Coburg und ab 1913 offiziell künstlerischer Beirat der Firma. Seit 1914 war er Mitglied des Deutschen Werkbundes. Ab 1916 gestaltete er regelmäßig ganzseitige Anzeigen für verschiedene Firmen u. a. in der Leipziger Illustrierten, der Sportillustrierten Sport im Bild, der Modezeitschrift Elegante Welt und der Zeitschrift Motor aus dem Braunbeck Verlag.[1] Von ihm gestaltete Anzeigen erschienen auch in verschiedenen überregionalen Tageszeitungen. In zwei Inseraten der renommierten Fachzeitschrift Deutsche Kunst und Dekoration bewarb er sich selbst wie folgt:

„Fertigt Entwürfe für Kunstgewerbe und Reklame jeder Art – künstlerischer Beirat vieler bedeutender Werke bzw. Kataloge. Anzeigen. Plakate. Prospekte. Packungen. Eigenartige Entwürfe für Werbekunst und Kunstgewerbe. Künstlerischer Leiter der Rotophot AG Berlin und anderer bedeutender Werke.“ [Mit „Werke“ sind hier Fabriken gemeint.][3]

1922 gründete Behrmann zusammen mit seinem Schwiegersohn Theodor Otto Jander in Berlin die Firma Qualitas-Werkstätten für kunstgewerbliche Edelerzeugnisse, in der er bis 1926 als Gesellschafter verblieb. Laut Inseraten in der Zeitschrift Innendekoration von 1924 und 1925 stellte diese „Zeitgemäße Leuchter nach eigenen und gegebenen Entwürfen. Kleinkunstgerät“ her.[2]

Ab 1926 war Behrmann in Bukarest als Leiter des Propaganda-Ateliers für Kunstmalerei, Grafik, Industriedesign und Reklame tätig. Zudem kam es zu einer Zusammenarbeit mit dem rumänischen Verlag Cartea Românească, mit dem er sich ab November 1926 zu einer Kommanditgesellschaft als Kommanditist auf 3 Jahre befristet zusammenschloss. Dabei übernahm er unter anderem die Funktion des künstlerischen Leiters der 5 Ausgaben der ab Oktober 1926 erschienenen Zeitschrift Saison für Mode und moderne Kunst, entwarf aber auch Cover und Illustrationen für den Verlag. Seit dieser Zeit führte Behrmann auch den Titel Professor, was möglicherweise auf eine Lehrtätigkeit in Rumänien schließen lässt.[1]

Zwischen 1905 und 1933 hinterlegte er beim Musterregister des zuständigen Berliner Amtsgerichts Charlottenburg zahlreiche Entwürfe für Schmuck, Geräte, Lampen und Bestecke. Da diese Entwürfe nach Fristablauf ungesehen vernichtet wurden, sind sie heute nicht mehr nachweisbar. Alleine an Besteckentwürfen nannte der Deutsche Reichsanzeiger für 1932 bis 1933 in Summe 52 Stück, insgesamt sind über 80 bekannt. Wie viele davon tatsächlich in Serie produziert wurden, ist unbekannt.[2]

Des Weiteren entwickelte Behrmann speziell auf Werbung zugeschnittene Schrifttypen für die Kreuzberger Berthold AG, die damals die weltweit größte Schriftgießerei war. Seine Schriftentwürfe zeichnen sich durch eine sachlich-dekorative Form aus. Zum Teil weisen sie auch eine historisierende Tendenz oder eher verspielte Grundhaltung auf.[1] 1928 veröffentlichte er für die Berthold AG Rundfunk – die Reklameschrift[4] und 1930, ebenfalls für die Berthold AG, Radio – eine neue werbewirksame Schrift.[5]

Woran Adolf Behrmann 1934 im Alter von 60 Jahren in Bukarest verstarb, ist unbekannt. Seine Ehefrau wohnte zuletzt in München und verstarb 1942 in Hamburg, wo ihre Tochter Ralou und deren Ehemann lebten. Alle fanden auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg ihre letzte Ruhestätte.[2] Er war der Onkel von Marga Noeggerath-Bauer.

Im Handbuch des Kunstmarktes von 1926 ist er als „Gebrauchsgrafiker“ in Berlin Eisenacher Straße 23 verzeichnet, ebenso in Dresslers Kunsthandbuch von 1921.

Literatur

  • Der Künstler als Entwerfer hat das Wort, Adolf Behrmann in Die Schaulade Nr. 7/1931, S. 16.
  • Rolf Hinderk Peters: Max Roesler – Keramik zwischen Jugendstil und Art Deco. (Ausstellungskatalog) Darmstadt/Hohenberg 1998, ISBN 3-9804553-4-3.
  • Die Illustrierte, Nr. 5/1914, Krefeld.
  • Kunst und Kunstgewerbe, Nr. 3/1923, S. 8.
  • Die Schaulade, Nr. 5/1929, S. 8, 10; Nr. 6/1930, S. 10.
  • Gebrauchsgraphik, Nr. 8/1931, S. 1.
  • WMF Glas, Keramik, Metall 1925–50, Katalog, J. Schwandt über A. Behrmann, Berlin 1980.
Commons: Adolf Behrmann – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. a b c d e f Adolf Behrmann, in: Allgemeines Künstlerlexikon – Internationale Künstlerdatenbank – Online, edited by Andreas Beyer, Bénédicte Savoy and Wolf Tegethoff. K. G. Saur, Berlin, New York 2021.
  2. a b c d Jörg Müller-Daehn & Falk Möller: Besteckentwürfe in Deutschland 1900–1945, Artikel von Rolf Hinderk Peters zu Adolf Behrmann, S. 43–45, Verlag Books on Demand, Norderstedt 2022.
  3. Adolf Behrmann, in: Deutsche Kunst und Dekoration, Nr. 24/1920/21.
  4. Werbeschrift Rundfunk, Bibliothek der Universität Leipzig, abger. am 25. Februar 2023.
  5. Werbeschrift Radio, Bibliothek der Universität Leipzig, abger. am 25. Februar 2023.