Ado Schlier

Ado Schlier (* 31. Januar 1935 in Würzburg; † 12. Januar 2026[1][2][3] ebenda) war ein deutscher Moderator, Musikjournalist und künstlerischer Leiter diverser Festivals.

Leben

Schlier entstammte einer Familie des Würzburger Textileinzelhandels. Er startete sein Berufsleben in München mit einer Ausbildung im Musikalienhandel.

Ab 1954 war Ado Schlier als künstlerischer Leiter vieler Konzertveranstaltungen tätig, gestaltete beispielsweise zehn Jahre die Münchner Jazztage, von 1981[4] bis 2008 die Erdinger Jazztage und war 30 Jahre für das Jazzfestival Burghausen im Radio und Fernsehen zuständig. Zudem beriet er das Goethe-Institut für weltweite Jazzveranstaltungen deutscher Künstler.

Mitte der 1950er Jahre begann Ado Schlier seine Rundfunktätigkeit beim Sender Rot-Weiß-Rot und Anfang der 1960er Jahre moderierte er im Radio Salzburg zusammen mit Herbert Feuerstein. Mitte der 1960er Jahre begann er seine Mitarbeit beim deutschsprachigen Programm der RAI Sender Bozen.[5] Zuerst moderierte Ado Schlier dort Sendungen wie Musikreport, Gästebuch, Leise erklingt Musik und Folklore international, später eine musikalisch vielseitige Sendung Meine Radiostunde, in der auch Liedermacher einen großen Platz einnehmen.

Radio Bremen beauftragte ihn Mitte der 1960er Jahre mit der Gestaltung einer 24-teiligen Hörfunk-Serie Verliebt in eine kleine Stadt – Portraits europäischer Kleinstädte, später der 12-teiligen Serie Typisch deutsch als Versuch, die Stimmungen verschiedener Regionen zu interpretieren.

1961 begann er beim Bayerischen Rundfunk mit der Sendereihe Jazz auf Reisen. 1963 organisierte er die sich über rund eine Woche hinziehenden Münchner Jazztage, die im ausverkauften Kongresssaal des Deutschen Museums, der 2300 Personen fasste, stattfanden. Werner Götze, ebenso vom Bayerischen Rundfunk, moderierte die Veranstaltung, die internationales Aufsehen erregte und in Teilen von mehr als 30 Rundfunkstationen weltweit – unter anderem in Moskau, Johannesburg, Taipeh, Addis Abbeba, Djibouti, Tokyo und Ceylon – übertragen wurde.[6] Weiterhin war einer der Moderatoren des Club 16, einer beliebten wochentäglichen Jugendsendung auf Bayern 2.

In der Zeit von 1977 bis 1999 war Schlier zudem Redakteur im Bereich Jazz, Folk und Liedermacher im Hörfunk. Er gehörte zum Team der ersten Stunde bei Bayern 3, das damals eine der erfolgreichsten Popwellen in Europa war, gestaltete Sendungen wie Gute Nacht Freunde und Musiklokaltermin sowie Wochenend mit Bayern 3 und Morning Sky, Musik Report und BR Jazznacht.

Seine Fernsehtätigkeit begann Ende der 1970er Jahre beim Bayerischen Rundfunk. Für die ARD entwickelte er 1979 bis 1985 das Auswahlmodell des Grand Prix und für den RAI Sender Bozen eine Reihe von Portraitsendungen bekannter Liedermacher. Zudem kommentierte er von 1979 bis 1986 den Eurovision Song Contest für die deutsche Fernsehausstrahlung.[7] Für das Bayerische Fernsehen betreute er die Show-Bühne mit Alfred Biolek sowie Specials mit André Heller, Herman van Veen und anderen.

Schlier schrieb auch musikjournalistische Beiträge in vielen Zeitungen, beispielsweise in der tz, dem Münchner Merkur, der Augsburger Allgemeinen und dem Playboy und interviewte auch verschiedene Politiker seiner Zeit.[8]

Von 1987 bis 2016 gestaltete er die Programme für das Festival Songs an einem Sommerabend, das er auch konzipiert hatte.[9][10] Im Rahmen des Festivals zeichnete die Hanns-Seidel-Stiftung Nachwuchskünstler mit einem Förderpreis aus, wobei Ado Schlier als Vorsitzender der Jury fungierte.[11]

Für sein Wirken wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Würzburger Ehrenzeichen Tanzender Schäfer ausgezeichnet.[5]

Privates

Schlier war verheiratet[5] und hatte eine Tochter. Seit 2000 wohnte er mit seiner Frau wieder in Würzburg.[8] Im Januar 2026 starb er wenige Wochen vor seinem 91. Geburtstag.

Einzelnachweise

  1. Ado Schlier. Förderkreis für Liedermacher und Songpoeten e. V., abgerufen am 16. Januar 2026.
  2. Würzburger Radio-Legende Ado Schlier gestorben: Er war der Erfinder von „Songs an einem Sommerabend“. In: Mainpost. 16. Januar 2026, abgerufen am 16. Januar 2026.
  3. Traueranzeige in der Main-Post. 17. Januar 2026, abgerufen am 17. Januar 2026.
  4. In der Schulturnhalle begann die Erfolgsgeschichte. In: Merkur.de. 25. Oktober 2010, abgerufen am 2. Januar 2025.
  5. a b c Ein Würzburger mit Kultstatus: Was Moderator Ado Schlier in seinen 90 Jahren alles schon erlebt hat. In: Mainpost. 31. Januar 2025, abgerufen am 17. Januar 2026.
  6. Jimmy Jungermann: Munich’s Jazz Has Dixie Stomp, Billboard, 1. Juni 1963.
  7. Armin T. Linder: Langjähriger Eurovision-Song-Contest-Kommentator ist tot: Er schrieb deutsche TV-Geschichte. In: Frankfurter Rundschau. 15. Januar 2026, abgerufen am 15. Januar 2026.
  8. a b Meike Rost: Zeitreise mit Ado Schlier. In: Mainpost. 14. Februar 2014, archiviert vom Original am 24. Februar 2014; abgerufen am 2. Januar 2025.
  9. Ado Schlier und die „Songs an einem Sommerabend“. In: Obermain Tagblatt. 29. Juni 2016, abgerufen am 23. April 2023.
  10. Festival „Songs an einem Sommerabend“ wird eingestellt. In: nmz neue musikzeitung (Online-Ausgabe). ConBrio Verlagsgesellschaft mbH, Regensburg, 28. Juni 2016, abgerufen am 1. Februar 2025.
  11. Verleihung des Nachwuchsförderpreises für junge Liedermacher in Kloster Banz zum 30. Mal im Rahmen der „Songs“. Hanns-Seidel-Stiftung, 30. Juni 2016, abgerufen am 23. April 2023.