Ad Oele

Adriaan „Ad“ Pieter Oele (* 28. November 1923 in Rotterdam; † 20. April 2017 in Houten, Provinz Utrecht) war ein niederländischer Politiker der Partij van de Arbeid (PvdA), der unter anderem von 1963 bis 1973 Mitglied der Zweiten Kammer der Generalstaaten sowie zugleich zwischen 1965 und 1973 Mitglied des Europäischen Parlamentes war. Nachdem er von 1973 und 1978 Bürgermeister von Delft war, fungierte er zwischen 1978 und 1982 als Vorsitzender der Öffentlichen Einrichtung Rijnmond. Er war ferner zwischen 1982 und 1988 Kommissar der Königin in der Provinz Drenthe sowie 1991 kurzzeitig kommissarischer Kommissar der Königin in der Provinz Gelderland.

Leben

Adriaan „Ad“ Pieter Oele wurde während des Zweiten Weltkrieges nach Polen deportiert und an der Ostfront sowie in Berlin eingesetzt. Nach Kriegsende absolvierte ein Studium im Fach Chemieingenieurwesen und schloss in diesem Fach auch seine Promotion ab, woraufhin er dreizehn Jahre als Chemiker bei den Staatlichen Bergwerken DSM (Dutch State Mines) in der Provinz Limburg arbeitete, zuletzt von 1959 bis 1963 Leiter der chemisch-technologischen Abteilung des Bauunternehmens „Chemiebouw“ der staatlichen Bergwerke.

Am 5. Juni 1963 wurde Oele für die Partei der Arbeit PvdA (Partij van de Arbeid) Mitglied der Zweite Kammer der Generalstaaten (Tweede Kamer der Staten-Generaal), des Unterhauses des Parlaments der Niederlande (Staten-Generaal), und gehörte dieser bis zum bis zum 1. Februar 1973. In der Zweiten Kammer spezialisierte er sich auf Energie, Bergbau, Umwelt sowie Verkehr und stand 1971 sowie 1972 auf Platz zwei der Kandidatenliste der PvdA im Wahlkreis „Maastricht“. 1964 war er das einzige Mitglied seiner Partei, das für einen letztlich abgelehnten Änderungsantrag von Jacques Aarden[1] stimmte, der der öffentlichen Körperschaft Rijnmond eine stärkere überkommunale Stellung verleihen sollte. 1966 war er zusammen mit Ies Baart[2] Sprecher seiner Partei während der Debatte über die Schließung von Bergwerken in Südlimburg und befragte am 28. Januar 1969 befragte er den Minister für Verkehr und Wasserwirtschaft Joop Bakker[3] zur Portoerhöhung sowie am 10. Juni 1969 Wirtschaftsminister Leo de Block[4] zur Krisensituation bei der Europäischen Atomgemeinschaft (EURATOM). 1970 brachte er einen Gesetzesentwurf zur Übertragung der Mineralgewinnung auf dem Festlandsockel an den Wirtschaftsminister ein, wobei dieser Vorschlag später zurückgezogen wurde. 1972 war er eines der acht Mitglieder seiner Partei, die gegen den Antrag von Joop Voogd[5] zur Nichtfreilassung der „Drei von Breda“ stimmten.[6] Am 31. Mai 1972 befragte er Wirtschaftsminister Harrie Langman[7] zur festgefahrenen Situation in der Politik der Bergwerksschließungen. Im November 1972 galt er als Kandidat für die Funktion des Umweltministers im „Schattenkabinett“ (Alternatieve kabinet) Den Uyl/Van Mierlo.[8][9][10] Zum Ende seiner Mitgliedschaft in der Zweiten Kammer war er zwischen August 1972 und dem 1. Februar 1973 Vorsitzender des Ständigen Ausschusses für Wirtschaft sowie zugleich vom 17. November 1972 bis zum 1. Februar 1973 stellvertretender Vorsitzender des Sonderausschusses für den Entwurf des Gesetzes über selektive Investitionsregelungen (Wet selectieve investeringsregeling).

Als Vertreter der Generalstaaten war Ad Oele zwischen dem 21. Oktober 1965 und dem 16. Januar 1973 Mitglied des Europäischen Parlamentes und war dort zeitweilig stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Forschung und Atomfragen sowie Vorsitzender des Verkehrsausschusses. Nach seinem Ausscheiden aus der Zweiten Kammer und dem Europäischen Parlament wurde er am 1. Februar 1973 als Nachfolger von Jan Marie Ravesloot Bürgermeister von Delft und bekleidete dieses Amt bis zum 1. November 1978, woraufhin Robert Gallas ihn ablöste. Im Anschluss war er als Nachfolger von Willem Fibbe zwischen dem 1. November 1978 und seiner Ablösung durch André van der Louw[11] am 16. November 1982 Vorsitzender der Öffentlichen Einrichtung Rijnmond (Openbaar Lichaam Rijnmond), ein von 1964 bis 1986 bestehendes, direkt gewähltes Verwaltungsorgan der Gemeinden und der Provinz, das spezifische Probleme auf regionaler Ebene in der Region Rijnmond koordinieren sollte.

Ad Oele wurde durch Königlichen Erlass vom 1. Oktober 1982 zum Kommissarin der König in der Provinz Drenthe ernannt und trat dieses Amt als Nachfolger von Tineke Schilthuis[12] offiziell am 10. November 1982 an.[13] verblieb auf dem Posten der Kommissarin der Königin bis zum 1. Oktober 1982, woraufhin Wim Meijer[14] seine Nachfolge antrat. Er war zeitweise auch Zweiter Vorsitzender des Aufsichtsrats der „De Nederlandsche Bank“ N.V., Vorstandsmitglied der Europäischen Kulturstiftung mit Sitz in Amsterdam sowie ab Dezember 1990 gemeinsam mit dem früheren Ministerpräsidenten Barend Biesheuvel[15] Informateur für den Standort des Telematik-Forschungszentrums TOC (Telematica-Onderzoekscentrum ), das letztlich der Universität Twente angegliedert wurde.[16]

Am 1. Juni 1991 wurde Oele für den am 29. Mai 1991 verstorbenen Matty de Bruijne[17] kommissarischer Kommissar der Königin in der Provinz Gelderland, nachdem Nicoline van den Broek-Laman Trip[18] von November 1990 bis April 1991 bereits kommissarische Kommissarin der Königin für den erkrankten Matty de Bruijne war.[19] Im Anschluss war von November 1991 bis 1995 Sonderprofessor und Inhaber des „Joop den Uyl“-Lehrstuhls für Entwicklungen im demokratischen Sozialismus in Bezug auf Wissenschaft und Gesellschaft an der Universiteit van Amsterdam sowie zwischen dem 23. Januar 1995 und dem 1. Mai 1998 Mitglied des Kapitels für Zivilorden (Kapittel voor de Civiele Orden), das die Vorschläge für eine königliche Auszeichnung anhand der Statuten des Ordens vom Niederländischen Löwen und des Ordens von Oranien-Nassau prüft, Empfehlung an den zuständigen Minister richtet und außerdem Vorschläge für die Ehrenmedaille für wohltätige Verdienste (Erepenning voor menslievend hulpbetoon) berät. Er war aufgrund seiner Erfahrung in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zudem ein gefragter Berater.

Veröffentlichung

  • Het rekverband van de samenleving en andere essays over kernthema’s van politiek en cultuur, Kok Agora, Kampen 1990, ISBN 9024-2-7686-1
Commons: Ad Oele – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Drs. J.M. (Jacques) Aarden. parlement.com; (niederländisch).
  2. I. (Ies) Baart. parlement.com; (niederländisch).
  3. Drs. J.A. (Joop) Bakker. parlement.com; (niederländisch).
  4. Mr. L. (Leo) de Block. parlement.com; (niederländisch).
  5. Drs. J.J. (Joop) Voogd. parlement.com; (niederländisch).
  6. Die Vier von Breda (nach 1966 Drei von Breda und nach 1979 Zwei von Breda) waren wegen nationalsozialistischer Gewaltverbrechen in den Niederlanden zum Tode verurteilte Straftäter, die infolge Umwandlung der Urteile lebenslange Gefängnisstrafen in Breda verbüßten. Mehrere westdeutsche Regierungen stuften sie als Kriegsgefangene ein, obwohl sie als aktive Mittäter des Holocaust in den Niederlanden aus völker- und menschenrechtlicher Sicht wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit (englisch crimes against humanity bzw. niederländisch misdaden tegen de menselijkheid) verurteilt worden waren.
  7. Mr.Drs. H. (Harrie) Langman. parlement.com; (niederländisch).
  8. „Schaduwkabinetten“ als mislukte opmaat naar een Progressieve Volkspartij. parlement.com; (niederländisch).
  9. Dr. J.M. (Joop) den Uyl. parlement.com; (niederländisch).
  10. Mr. H.A.F.M.O. (Hans) van Mierlo. parlement.com; (niederländisch).
  11. A.A. (André) van der Louw. parlement.com; (niederländisch).
  12. Mr. A.P. (Tineke) Schilthuis. parlement.com; (niederländisch).
  13. The Netherlands Provinces: Drenthe Governors/ Commissioners. rulers.org; (englisch).
  14. W. (Wim) Meijer. parlement.com; (niederländisch).
  15. Mr. B.W. (Barend) Biesheuvel. parlement.com; (niederländisch).
  16. Adviseurs geven Limburgse kandidatuur de laagste waardering. Vwente wint, Maastricht verliest slag om Telematica-centrum. Observant, 7. März 1991; (niederländisch).
  17. Ing. M. (Matty) de Bruijne. parlement.com; (niederländisch).
  18. N.H. (Nicoline) van den Broek-Laman Trip. parlement.com; (niederländisch).
  19. The Netherlands Provinces: Gelderland Governors/ Commissioners. rulers.org; (englisch).