Achim Stocker

Achim Stocker (* 27. Mai 1935 in Konstanz; † 1. November 2009 in Freiburg im Breisgau[1]) war ein deutscher Fußballfunktionär. Er war 36 Jahre lang 1. Vorsitzender des SC Freiburg und führte den Verein mit geringen finanziellen Mitteln von der Amateurliga bis in die 1. Bundesliga. „Der Sportclub war Achim Stocker und Achim Stocker war der Sportclub.“[2][3][4]

Leben

Achim Stocker wuchs in Konstanz auf, studierte Jura in Freiburg und kam so als 23-jähriger, aktiver Spieler zum SC Freiburg.[5] Er musste jedoch mit 28 Jahren das Fußballspielen aufgeben, als er sich bei einem Spiel in Oberkirch eine schwere Knöchelverletzung zugezogen hatte.[4]

1972 übernahm er als 1. Vorsitzender den SC Freiburg in der Amateurliga Südbaden (heutige Verbandsliga) und führte ihn unter sehr großem persönlichen Einsatz bis in das Spitzenhaus des deutschen Fußballs.[4][3][5]

Er war Jurist und bis zu seiner Pensionierung als Regierungsdirektor bei der Oberfinanzdirektion Freiburg tätig.

Seit 1991 war er mit seiner aus Bad Krozingen stammenden Frau Hannelore verheiratet, die ebenfalls bei der Oberfinanzdirektion gearbeitet hatte, und die Mitglied des Aufsichtsrates des SC Freiburg ist (Stand 2025).[6][7]

Stocker starb im Alter von 74 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts und eines Schlaganfalls, den er am 28. Oktober 2009 erlitten hatte.[8][9] Stocker hinterließ seine Frau, eine Tochter und einen Sohn und zwei Enkel. Er wurde auf dem Friedhof Bergäcker (Feld 8) in Freiburg-Littenweiler beigesetzt.[10][2]

Funktionärstätigkeit

Allgemein

Stocker war von 1970 bis 1972 dritter Vorsitzender des SC Freiburg zuerst unter dem 1. Vorsitzenden Gundolf Fleischer und dann unter SC-Urgestein Heinz Stoll.[11] Im Jahr 1972 wurde er in Abwesenheit auf Vorschlag von Helmut Köbele zum 1. Vorsitzenden des Vereins gewählt und nahm seine Wahl im Nachhinein an. Er hatte das Amt bis zu seinem Tod 2009 inne und war damit mit 36 Amtsjahren der dienstälteste Präsident eines Vereins im deutschen Profifußball. In Personalunion zu seinem Vorsitzendenamt war er auch ehrenamtlicher Sportdirektor, Manager und Spielerscout, bis er 1998 den ersten hauptamtlichen Manager einstellte.

Achim Stocker übernahm den SC Freiburg 1972 in der 1. Amateurliga Südbaden (heutige Verbandsliga) und führte ihn unter großem persönlichen Einsatz bis 1978 zunächst in die damals zweigeteilte 2. Bundesliga-Süd, sodann 1981 in die damals neue eingleisige 2. Bundesliga und 1993 in die 1. Bundesliga.[3][4][5]

1972–1991 Amateurliga bis 2. Bundesliga

1972 machten Helmut Köbele (2. Vorsitzender) und Achim Stocker (3. Vorsitzender) den Spieler Manfred Brief zum Trainer des SC Freiburg.[12] Sechs Jahre später holte die Mannschaft 1978 unter ihm die Meisterschaft in der 1. Amateurliga Südbaden. Nach Spielen gegen den SSV Ulm 1846, den SSV Reutlingen und den FV Weinheim stieg der Sport-Club erstmals in die geteilte 2. Bundesliga Süd auf und spielte damit erstmals im Profifußball. In den folgenden 13 Jahren bis 1991 spielte der SC unter 17 verschiedenen Trainern, darunter Fritz Fuchs, Anton Rudinski und Jörg Berger.

Für die Saison 1978/79 wurde Joachim Löw als Spieler von den Sportfreunden Eintracht Freiburg verpflichtet, der bis 2020 Rekordtorschütze des Vereins blieb. 1982 qualifizierte sich der SC für die nun eingleisige 2. Bundesliga. 1987 wurde Christian Streich als Spieler von den Stuttgarter Kickers verpflichtet.[5][3][4]

1991–2007 Die Ära Volker Finke – Aufstieg in die 1. Bundesliga

1991 verpflichtete Stocker Volker Finke vom SC Norderstedt aus der Fußball-Oberliga Nord als neuen Trainer. Unter der Führung Stockers als Präsident und Finkes als Trainer stieg die Herren-Fußballmannschaft des Vereins 1993 erstmals in die 1. Bundesliga auf. In der Folge konnten mit dem dritten Erstligaplatz 1995 und mit den Teilnahmen am UEFA-Cup 1996 und 2002 die größten Erfolge der Vereinsgeschichte erreicht werden. 1997 und 2002 stieg der SC Freiburg jeweils ab, um im Folgejahr sofort wieder aufzusteigen. Ebenfalls 2002 wurde Jochen Saier als Mitarbeiter eingestellt. 2004 folgte wieder der Abstieg in die 2. Bundesliga.

2007–2009 Wiederaufstieg, Nachfolge und Vermächtnis

Im dritten Jahr in der 2. Bundesliga gaben Stocker und Finke nach einer weniger erfolgreichen Hinrunde am 14. Dezember 2006 bekannt, dass Finke den Verein nach am Saisonende verlassen werde. Mit den 16 Jahren (5843 Tage), während der er ununterbrochen denselben Verein trainierte, war Finke Rekordhalter als Trainer mit der längsten Amtszeit im deutschen Profifußball.[13]

2007 verpflichtete Achim Stocker in einem geheim gehaltenen Alleingang Robin Dutt als Finkes Nachfolger.[3] 2008 wurde Julian Schuster als Spieler vom VfB Stuttgart verpflichtet. 2009 gelang daraufhin der Herren-Fußballmannschaft der Wiederaufstieg in die 1. Bundesliga.

Stocker verstarb überraschend Ende des Jahres 2009. Daraufhin übernahm Fritz Keller zuerst kommissarisch seine Aufgaben, bevor er dann auch zum 1. Vorsitzender gewählt wurde. Keller übte als Nachfolger Stockers das Amt fast zehn Jahre aus, bis er 2019 zum DFB-Präsidenten gewählt wurde.

Gemeinsam mit Volker Finke baute Stocker die Freiburger Fußballschule auf. 2004 wurde zu deren weiterer Finanzierung die nach ihm benannte Achim-Stocker-Stiftung Freiburger Fußballschule vom Verein und der Stadt Freiburg gegründet.[14] Seine Witwe Hannelore Stocker ist Ehrenmitglied und Vorstandsmitglied der Achim-Stocker-Stiftung.

Ehrung

  • Die Straße, an dem das Europa-Park-Stadion gebaut wurde, trägt ihm zu Ehren den Namen Achim-Stocker-Straße. Dort ist mittlerweile auch der offizielle Sitz des SC Freiburg.[15]
  • Achim Stocker, der 36 Jahre Vorsitzender des SC Freiburg war, wurde bei der Mitgliederversammlung 2025 posthum zum Ehrenvorsitzenden des Sport-Club gewählt. Um dies möglich zu machen, wurde die Vereinssatzung geändert.[16]

Vermächtnis

Achim Stocker entwickelte den Verein während seiner Funktionärskarriere auf mehreren Ebenen erfolgreich. Zum Zeitpunkt seines Ablebens befand sich der SC Freiburg in der Ersten Bundesliga und somit sportlich erstklassig. Im finanziellen Bereich hinterließ er den Verein schuldenfrei und die acht Jahre zuvor von ihm gegründete Freiburger Fußballschule konnte zu diesem Zeitpunkt bereits zahlreiche ausgebildete Nachwuchsprofis vorzeigen. Somit begründete er die Freiburger Vereinsphilosophie als Ausbildungsverein, der über den wichtigen Baustein der Nachwuchsarbeit und die enge Verzahnung der Fußballschule mit der Profiabteilung eine hohe Durchlässigkeit für die nachrückenden Talente bis in die Bundesliga herstellte. Die strukturellen Wettbewerbsnachteile der Region konnten auf diesem Wege ausgeglichen werden und der SC Freiburg langfristig in der Bundesliga etabliert werden. Die notwendige Geduld, die es für diesen Freiburger Weg benötigte, brachte Achim Stocker auf genauso wie die Eigenschaften wie Bodenständigkeit, Verlässlichkeit, Pragmatismus, Glaubwürdigkeit, ehrenamtliches Engagement und eine starke Verwurzelung in der Region. Der SC Freiburg genoss auf dieser Basis eine überwiegend positive Wahrnehmung und Außenwirkung des Vereins.[17][18][19][20][21][22][23][24][25]

Der Sport-Club Freiburg hinterließ einen Nachruf auf seiner Homepage. Die Trauerrede auf seiner Trauerfeier hielt Oberbürgermeister Dieter Salomon und zahlreiche Trauergäste sowie Weggefährten ergriffen öffentlich das Wort, um seine Verdienste zu würdigen. Diese Zitate siehe in Wikiquote: Achim Stocker.[2][26][27][28]

Literatur

  • Bernd Sautter: Heimspiele Baden-Württemberg. Wahre Fußball-Geschichten, die unter die Grasnarbe gehen. Silberburg-Verlag, Tübingen 2015, ISBN 978-3-8425-1409-6, S. 18 ff.
Commons: Achim Stocker – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Achim Stocker ist tot. In: n-tv.de. SID, 1. November 2009, abgerufen am 3. Juni 2021.
  2. a b c Dieter Salomon: Dokumentation: OB Salomon nimmt in bewegenden Worten Abschied von Achim Stocker. 6. November 2009, abgerufen am 16. Oktober 2025 (Hinter Paywall).
  3. a b c d e Michael Dörfler: SC Freiburg: Achim Stocker: Die Vaterfigur des SC Freiburg ist tot. Badische Zeitung, 1. November 2009, archiviert vom Original am 4. November 2009; abgerufen am 27. Dezember 2025.
  4. a b c d e Hans-Joachim Kästle: SC Freiburg: Achim Stocker – ein Mann schwimmt gegen den Strom. Badische Zeitung, 21. Mai 2004, archiviert vom Original am 4. November 2009; abgerufen am 27. Dezember 2025.
  5. a b c d Achim Stocker - eine Chronologie (Memento vom 5. November 2009 im Internet Archive)
  6. Daniela Frahm: Hannelore Stocker. In: badische-zeitung.de. 23. August 2018, abgerufen am 15. Oktober 2025 (Hinter Paywall).
  7. Daniela Frahm: "Ein positiver Pessimist". In: badische-zeitung.de. 23. August 2018, abgerufen am 15. Oktober 2025 (Hinter Paywall).
  8. Präsident Stocker verstorben. In: spiegel.de. Der Spiegel, 1. November 2009, abgerufen am 3. Juni 2021.
  9. Achim Stocker ist tot – SC Freiburg unter Schock (Memento vom 4. November 2009 im Internet Archive)
  10. Klaus Nerger: Das Grab von Achim Stocker. In: knerger.de. Abgerufen am 3. Juni 2021.
  11. ahl: Auf Heinz Stoll folgt nun Rolf Ziegelbauer. In: badische-zeitung.de. 13. April 2010, abgerufen am 16. Oktober 2025 (Hinter Paywall).
  12. Robert Kauer: Manfred Brief: Der Mann, der den SC Freiburg in die zweite Liga führte. In: badische-zeitung.de. 13. Januar 2001, abgerufen am 16. Oktober 2025 (Hinter Paywall).
  13. Trainer in der Fußball-Bundesliga mit der längsten Amtszeit im Zeitraum der Jahre 1963 bis März 2024. In: statista.com. Abgerufen am 24. Oktober 2025.
  14. Sascha Kurzrock: Fußballschule, Freiburg. In: 11km.de. 27. Dezember 2019, abgerufen am 24. April 2025.
  15. Die Suwonallee am neuen Stadion wird am Freitag für den Verkehr frei gegeben (Memento vom 5. Oktober 2020 im Internet Archive)
  16. Achim Stocker wird posthum Ehrenvorsitzender des SC. In: scfreiburg.com. Abgerufen am 15. Oktober 2025.
  17. Idee & Konzept. In: SC Freiburg. Abgerufen am 12. Januar 2026.
  18. "Weil es dem Freiburger Weg entspricht". In: SC Freiburg. Abgerufen am 10. Januar 2026.
  19. Sill: Achim Stocker – ein Mann klarer Worte. 1. November 2009, abgerufen am 15. Oktober 2025 (Hinter Paywall).
  20. Fabian Herling: Nicolas Höfler: Das macht SC Freiburg zu besonderem Verein. 9. Dezember 2024, abgerufen am 10. Januar 2026.
  21. Maximilian Lotz: Auch Hoeneß war von ihm beeindruckt. In: Sport1. 1. November 2024, abgerufen am 7. Januar 2026.
  22. Michael Horeni: Bundesliga: was den FC Bayern München und den SC Freiburg eint. 4. Oktober 2021, abgerufen am 10. Januar 2026.
  23. Freiburger Fußballschule: Doppelpass mit der Region. In: SC Freiburg. Abgerufen am 12. Januar 2026.
  24. Streich: Durch Verkäufe Personal bezahlen – „Junge Spieler elementar für die Philosophie“. In: transfermarkt.de. 9. November 2023, abgerufen am 12. Januar 2026.
  25. Ausbildungsidee und Entwicklung junger Spieler beim SC Freiburg. In: Bund Deutscher Fußball-Lehrer e. V. Abgerufen am 12. Januar 2026.
  26. Ulrich Fuchs: Im Gedenken an Achim Stocker | 27.05.1935 - 01.11.2009. In: scfreiburg.com. Abgerufen am 15. Oktober 2025.
  27. Stimmen zum Tod Achim Stockers. 1. November 2009, abgerufen am 15. Oktober 2025 (Hinter Paywall).
  28. Trauerfeier: Stimmen zu Achim Stocker. In: badische-zeitung.de. 6. November 2009, abgerufen am 15. Oktober 2025 (Hinter Paywall).