Achim Kühn
Achim Kühn (* 5. April 1942 in Berlin) ist ein deutscher Metallbildhauer und Kunstschmied.
Leben
Kühn ist der Sohn des Kunstschmieds Fritz Kühn. Er absolvierte von 1956 bis 1959 bei seinem Vater eine Lehre als Metallgestalter und arbeitete bis 1961 in der Werkstatt des Vaters. Von 1961 bis 1963 leistete er Wehrdienst bei der NVA.
1963 legte er die Meisterprüfung als Bauschlosser und Kunstschmied ab. Von 1963 bis 1964 studierte er ohne Abschluss Architektur an der Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar. 1972 schloss er das Studium extern als Diplom-Architekt ab. Außerdem machte er eine Zusatzausbildung zum Metallrestaurator. 1967 übernahm er das Unternehmen seines Vaters, die Kunstschmiede Arthur Kühn Co. in Berlin-Bohnsdorf und führte es bis 1972 als künstlerischer Leiter mit seiner Frau Helgard, einer gelernten Goldschmiedin. 1968 wurde Kühn als Kunstschaffender im Handwerk anerkannt. Seit 1972 arbeitet er freischaffend als Stahl- und Metallgestalter.
Der Sohn Tobias lernte ebenfalls Kunstschmied,[1] die Tochter Coco Kühn ist Installationskünstlerin und Kuratorin.[2] Seit 1967 haben sie keine Werke vom Vater Fritz Kühn verkauft, weil sie konsequent danach streben, das vom Land Berlin beschlossene Fritz-Kühn-Museum in Bohnsdorf errichten zu können.
Kühn war von 1971 bis 1990 Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR. Er hatte in der Zeit der DDR im In- und Ausland eine große Zahl von Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, u. a. von 1977 bis 1982 an der VIII. bis X. Kunstausstellung der DDR in Dresden. Mehrfach war er auf internationalen Kongressen als Referent zu Gast, so 1980 auf einer Tagung der Kunstschmiede Englands (BABA, British Artists Blacksmith Association) in Hereford, 1982 anlässlich des nationalen Kongresses der Kunstschmiede Nordamerikas (Artist-Blacksmith’s Association of North America) in Ripley (West Virginia), 1985 bei der Konferenz für Schmiede und Designer „Von der Idee zur Form“ im Schmiedemuseum Gislöv (Schweden) und 1986 auf dem 1. Weltkongress der Kunstschmiede in Aachen. 1988 leitete er den nationalen Kongress der Kunstschmiede in Skara (Schweden).[3] Kühn ist ein international geschätzter Juror. Einer seiner langjährigen Mitarbeiter war Peter Trappen, der in Kühns Werkstatt das Kupferschmieden für sich entdeckte.[4]
Rezeption
„Was die Arbeiten von Achim Kühn auszeichnet, ist ihre Vielschichtigkeit und Mehrdeutigkeit, aus der heraus sich ein Dialog zwischen dem Raum, als immateriellen Gegenspieler, und der Form spannungsreich entfaltet. Nicht zuletzt ist die Rolle des Betrachters angesprochen, der aktiv in das plastische Geschehen eingebunden wird, sind es doch seine Aktionen, die ein vollständiges Erleben der dreidmensionalen Gebilde erst ermöglichen.“
Werk
Kühns Werk als Metallbildhauer umfasst Kunst im öffentlichen Raum, unikate Kunstwerke, baugebundene Arbeiten, und Kleinserien. Seine baugebundenen Arbeiten sind an über 80 Orten in Deutschland zu finden. Allein in Berlin sind es über 30 eigene- und Restaurierungsarbeiten.[3]
Durch nach der deutschen Wiedervereinigung erfolgte städtebauliche Veränderungen in Berlin, Leipzig, Frankfurt/Oder und an anderen Orten gingen insgesamt 56 Werke oder Werkgruppen aus seinem Schaffen und dem seines Vaters Fritz Kühn verlustig, wie der Kunstwissenschaftler Peter Michel feststellt.[6]
Werkbeispiele
Arbeiten nach eigene Entwürfen
- 1968 Eingangsportal zum Krneliner Tor in Rostock, Stahl, Kupfer, Glas
- 1970 Portal der Berliner Marienkirche, Kupfer, getrieben, geschmiedet
- 1970 Eingangstür zu dem Studentenclub Kasseturm in Weimar
- 1973 Festivalblume im Treptower Park in Berlin, Stahl
- 1973 Brunnen Wasserglocke[7] im Volkspark Friedrichshain, Edelstahl
- 1974 Eingangsportal der Stadthalle Karl-Marx-Stadt, Edelstahlprofile
- 1975 Verdrehung, Plastik, Stahl, geschmiedet, auf der VIII. Kunstausstellung der DDR[8]
- 1981 Kugel Transparenz, Stahl/Edelstahl
- 1982 Stahlplastik zur Grabstätte der Familie Kraatz auf dem St. Petri-Luisenstadt-Kirchhof in Berlin, geschmiedeter Stahl/Edelstahl
- 1982 Innengestaltung der katholischen Propsteikirche in Leipzig
- 1983 Brunnen Kleine Liebessäule in Berlin-Mitte, Dorothea-Schlegel-Platz, Kupfer, getrieben
- 1985 Klingende Blume im Treptower Park in Berlin, Stahl, Edelstahl
- 1985 Gebändigte Kraft Metallplastik am Zentralinstitut für Kernforschung (jetzt Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf) in Dresden
- 1986 Mühlenradbrunnen, Berlin-Neu-Hohenschönhausen, Rüdickenstraße/Matenzeile
- 1989 Lok 2000, Dampflok-Plastik, zuerst in der Haupthalle des Berliner Hauptbahnhofs, ab 2000 im „Kulturwerk Reinbekhallen“ in Berlin-Schöneweide, ab 2006 am Borsigtor in Berlin-Reinickendorf aufgestellt
- 1988 Segel im Wind, Kinetische Skulptur in Rostock, Schnickmannstraße, Höhe 11 m
- 1994 Spitze Länge, geschmiedete Metallplastik, Stahl, Höhe 16 m, Uferpromenade in Ludwigshafen am Rhein
- 1995 Brunnen Kleine Elefanten[9], Berlin-Adlershof, Arndtplatz, Stahl, geschmiedet
- 1996 Wasser-Plastik Harmonia, ein Wahrzeichen im Hafen von Turku (Finnland), Edelstahl, gefärbt[10][11]
- 2004 Stahlplastik Gebändigte Kraft in Berlin, Eingangsbereich des Berliner Werkes der Knorr-Bremse AG, Georg-Knorr-Straße, Höhe 5 m
- 2011 Stahlskulptur Bürger im Widerstand zum Andenken an die Rote Kapelle in Berlin-Lichtenberg, vor der Mildred-Harnack-Schule, Schulze-Boysen-Straße
Restaurierungen
- Apollo im Greifen-Wagen auf dem Schauspielhaus Berlin, Kupfer getrieben
- Pegasus, Schauspielhaus Berlin
- Erzengel Michael an der Friedrichswerderschen Kirche
- umfassende Restaurierung eines monumentalen Gittertores mit Nebeneingängen als Schlosszufahrt im Stil des Neobarock, Nähe Neustrelitz (Ausstellungsstück zur Weltausstellung Paris 1900)
- Giganten-Gruppe auf dem Giebel des Berliner Museums für Kommunikation
- Toreinfahrt WMF-Haus, Berlin
Publikationen
- Metallgestaltung in der Architektur. In: Bildende Kunst, Berlin, 1980, S. 22–25
- Die Rekonstruktion des Figurenschmucks des ehemaligen Schauspielhauses am Platz der Akademie in Berlin. In: Bildende Kunst, Berlin, 1980, S. 139–142
Ausstellungen seit der deutschen Wiedervereinigung (unvollständig)
- 1990 Kunsthalle Rostock
- 1992: Berlin, Galerie Passage (Metallplastik)
- 1992 Transco-Tower, Houston, USA
- 1993 Galerie Marschalek, Wien
- 2003 „Internationaler Fachverband Gestaltender Schmiede“ (IFGS), Großausstellung von Kunstschmieden u. Metallgestaltern in Eckernförde,
- 2014 Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung, Erkner
- 2022 Friedenskirche, Berlin-Grünau
Galerie
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Festivalblume, Berlin, Treptower Park (im Rosengarten), 1973
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Glockenplastik, 1975,
Berlin-Weißensee -
Luftfahrtsymbol, 1979,
Schönefeld -
Stahlplastik, Grabstätte Kraatz auf dem St. Petri-Luisenstadt-Kirchhof, Berlin, 1982
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Kinetische Skulptur „Segel im Wind“ (Stahl, Höhe 11 m) Rostock, 1988
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Kinetische Skulptur Klingende Blume (Stahl, Edelstahl), nahe S-Bhf. Treptower Park, Berlin, 1985
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Drei Nadeln, 1993,
Berlin-Johannisthal -
Kleine Elefanten, 1995,
Berlin-Adlershof -
Metallplastik Harmonia 1996, eine Wasserharfe, am Fuße des Aurajoki im Hafen von Turku, im Rahmen des „European Skulpturen City Projekt“ – unter Schirmherrschaft der UNESCO entstanden.
Foto: 2010 -
Ruhe im Sturm 2003, zur Ausstellung des Internationalen Fachverbandes Gestalter Schmiede (IFGS) in Eckernförde
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Literatur (chronologisch)
- Fritz Kämpfer, Klaus G. Beyer: Kunsthandwerk im Wandel. Aus dem Schaffen dreier Jahrzehnte in der Deutschen Demokratischen Republik. Verlag der Nation, Berlin, 1984
- Gretl Hoffmann: Kunst aus dem Feuer = Art from the fire. (Untertitel: 16 Kunstschmiede aus 7 Ländern), Bildband, 143 S., Hoffmann Verlag, Stuttgart, 1987, (deutsch/englisch). ISBN 978-3-87346-083-6.
- 1989 Eisen und Stahl. Werkstattbuch der Schmiedekunst Augustus Verlag. ISBN 3-8043-2715-X.
- 1993 Achim Kühn: Metallgestaltung: vom Werkzeug zur Form Coleman Verlag, Lübeck. ISBN 3-87128-037-2.
- Fritz Kühn und Achim Kühn: 60 Jahre Metallkunst. Achim Kühn, Atelier für Stahl- und Metallgestaltung. Eigenverlag 1997.
- Antje Soléau: Ein Leben für den Stahl. Achim Kühn zum 65sten. In: Kunsthandwerk & Design. 4/2007, Seite 38–43
- Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 491/492
- Michael Günther: Die Lok 2000 am Borsig-Tor. In: Verkehrsgeschichtliche Blätter. 48. Jahrgang, Nr. 4, 2021 (verkehrsgeschichtliche-blaetter.de – Leseprobe).
Weblinks
- Homepage der Schmiede Achim Kühn
- Fritz-Kühn-Stiftung
- Die Berliner Kunstschmiedefamilie Kühn
- Stahl ist ein Material mit unendlichen Möglichkeiten, Interview mit Achim und Helgard Kühn in der taz vom 17. September 2012 (PDF; 249 kB)
- Ein Leben mit Stahl Achim Kühn – Dokumentarfilm mit Auszügen zu seinem Leben (mit Fotos vom international bekannten Vaters Fritz Kühn) und seinem Schaffen als Kunstschmied und Restaurators in einem Film, 2018 auf youtube.com
Einzelnachweise
- ↑ Homepage von Tobias Kühn
- ↑ Stefan Strauss: Wohin mit der Kunst? In: Berliner Zeitung. 24. Januar 2014, abgerufen am 6. Juli 2025.
- ↑ a b Katalog Berliner Metallgestaltung Fritz und Achim Kühn. Metallkunst aus der DDR. Ausstellung in der Stadtzentrale der Sparkasse der Stadt Berlin-West, 1989.
- ↑ Berliner Werkstattleiter Peter Trappen im Unruhestand online (Aufgerufen am 12. März 2023.)
- ↑ Katalog zur Ausstellung im Constanze-Pressehaus Berlin Achim Kühn. Metallbildhauer. 1994.
- ↑ Peter Michel: Ankunft in der Freiheit. Essays gegen den Werteverlust der Zeit. Berlin 2011, S. 190.
- ↑ Brunnen Wasserglocke auf stadtentwicklung.de
- ↑ Kühn, Achim (Kunstschmied): Verdrehung. 1975, abgerufen am 7. Dezember 2025.
- ↑ Brunnen Kleine Elefanten auf stadtentwicklung.de ( vom 23. Oktober 2016 im Internet Archive)
- ↑ Brunnenskulptur soll am Hafen von Turku stehen. Walfischflosse schwimmt nach Finnland. In: Berliner Zeitung.
- ↑ Museum Centre of Turku ( vom 18. April 2008 im Internet Archive)