Abzas Media

Abzas Media
Gründung 2016 in Baku
Gründer Ulvi Hasanli
Sitz Baku
Zweck Berichterstattung zur Aufdeckung von Korruption
Geschäftsführung Ulvi Hasanli
Stellvertreter
Mahammad Kekalov
Personen Chefredakteurin
Leyla Mustafaeva
Eigentümer Ulvi Hasanli
Website https://abzas.org/en/

Abzas Media ist ein aserbaidschanisches Online-Medienunternehmen für Politik, Wirtschaft und Menschenrechte. Es wird betrieben von einem Redaktions-Kollektiv. Für seine investigative Berichterstattung zur Aufdeckung von Korruptionsfällen wurde es 2024 mit dem Homo-Homini-Preis ausgezeichnet.

Geschichte

Die Organisation wurde im Jahr 2016 in von einer Gruppe von Bürgerrechtsaktivisten und zivilgesellschaftlichen Vertretern gegründet, an der Spitze der Journalist Ulvi Hasanli, der das Unternehmen seit seiner Gründung leitet. Die Organisation ist von Beginn an für den aserbaidschanischen Markt konzipiert und produziert ihre Inhalte ausschließlich in aserbaidschanischer Sprache. Die Gründung von Abzas Media erfolgte als Reaktion auf eine Welle von Angriffen auf die Zivilgesellschaft im Jahr 2014.[1]

Abzas Medias Hauptziel war die Aufklärung von Korruption auf höchster Ebene. Kurz nach seiner Gründung veröffentlichte das Medium Artikel über Korruptionsfälle in Regierungsinstitutionen, darunter auch über die persönlichen Angelegenheiten der Familie von Präsident İlham Əliyev, der seit 2003 das Land diktatorisch regiert.

Repressalien, Verhaftungen, Prozess

In der Folge wurde die Website von Abzas Media wiederholt Opfer von Cyberangriffen und Schikanen gegen Journalisten. Die Repressalien gegen die Redakteure steigerten sich, bis schließlich im November 2023 Ulvi Hasanli, sein Stellvertreter Mahammad Kekalov und Chefredakteurin Sevinj Vagifqizi verhaftet wurden.[1]

Auch die Redaktionsmitglieder Nargiz Absalamova und Elnara Gasimova wurden im Dezember 2023 und Januar 2024 verhaftet und unter dem Vorwurf „Verschwörung zur illegalen Geldeinfuhr“ angeklagt. Nach Verlautbarungen der Polizei seien mehr als 40.000 Euro aus dem Büro von Abzas Media beschlagnahmt worden. Am 24. Februar wurde die Untersuchungshaft von Nargizy Absalamova um weitere drei Monate bis zum 29. Mai 2024 verlängert.[1]

Abzas Media erklärte über Facebook, dass Hasanlis Verhaftung und die Razzien die Reaktion der Staatsführung auf journalistische „Ermittlungen wegen Korruptionsvorwürfen gegen den Präsidenten und seine ernannten Beamten“ seien.[1]

Zusätzlich zu den genannten fünf Personen wurde der bekannte Investigativjournalist Hafiz Babali am 13. Dezember 2024 von der Polizei festgenommen und in Gewahrsam genommen. Babali hat für Abzaz mehrere investigative Berichte über Korruption auf höchster Ebene bei Bau- und Entwicklungsprojekten in neu kontrollierten Gebieten nach dem Sieg in und der Eroberung von Bergkarabach verfasst. Er verbrachte drei Monate in Untersuchungshaft. Die Maßnahmen betrafen nicht nur die verhafteten Journalisten, auch ihre Familienangehörigen wurden Repressalien ausgesetzt.

Die Behörden froren die Bankkonten und Vermögenswerte von Ulvi Hasanli, Sevinje Vagifqizi, Nargiza Absalam und Hafiz Babali ein, ebenso die von deren Angehörigen, die im Rahmen des Strafverfahrens von der Polizei vernommen wurden. Den verhafteten Journalisten wurde der Kontakt zu ihren Familienangehörigen untersagt und ihnen allen wurde die Ausreise aus Aserbaidschan untersagt. Obwohl das Verbot der Kommunikation mit Familienangehörigen nach einiger Zeit aufgehoben wurde, galten weiterhin restriktive Maßnahmen.[1]

Das repressive Umfeld in Aserbaidschan machte es unmöglich, vor Ort umfassend zu arbeiten, weshalb einige Abzas-Mitarbeiter ihre Arbeit vom Ausland aus fortsetzten. Am 1. Februar 2024 ernannte Abzas Media die aserbaidschanische Investigativjournalistin Leyla Mustafaeva, die derzeit in Deutschland lebt, zur neuen Chefredakteurin. Bekannt wurde sie durch ihre journalistische Arbeit rund um die Entführung und Inhaftierung ihres Mannes, des Journalisten Əfqan Muxtarlı 2017.[1] Am 20. Juni 2025 wurde Ulvi Hasanli vom Bakuer Gericht für Schwerverbrechen ebenso wie Sevinj Abbasova Vagifgizi und Hafiz Babali wegen „bandenmäßigem Devisenschmuggels und Geldwäsche“ zu neun Jahren Gefängnis verurteilt. Nargiz Absalamova und Elnara Gasimova erhielten je acht Jahren Haft, Mahammad Kekalov, Koordinator von Abzas, siebeneinhalb Jahre. Der bereits im Juni 2024 festgenommene Journalist bei RFE/RL Farid Mehralizada wurde ebenfalls zu neun Jahren Haft verurteilt.[2][3]

In einer Mitteilung aus der Haft schrieb Sevinj Abbasova Vagifgizi, dass es in der Haftanstalt in Baku, in der sie untergebracht seien, kein Belüftungssystem gebe, weil es beim Bau Korruption gegeben habe. Es gebe auch keine Möglichkeit für die Gefangenen, mit Angehörigen zu kommunizieren. Die Korruption schaffe für die gesamte Gesellschaft eine Situation, die der eines Gefängnisses ähnelte.[4]

Das Online-Magazin wird seit der Ausschaltung der bisherigen Führung von der im deutschen Exil lebenden Chefredakteurin Leyla Mustafajeva weiterbetrieben.[5]

Reaktionen und internationale Solidarität

Im August 2025 veröffentlichten neun Organisationen für Pressefreiheit und Journalismus (Justice for Journalists Foundation, Europäische Journalisten-Föderation (EFJ), International Press Institute (IPI), European Centre for Press and Media Freedom (ECPMF), Index on Censorship, Committee to Protect Journalists (CPJ), International Partnership for Human Rights (IPHR), Reporter ohne Grenzen (RSF), Rory Peck Trust (RPT)) eine gemeinsame Erklärung, in der sie ihre tiefe Besorgnis über die Misshandlungen der inhaftierten Journalisten von Abzas Media äußerten.

Nach ihren Angaben haben die aserbaidschanischen Behörden seit November 2023 mindestens 25 Journalisten wegen missliebiger Berichterstattung festgenommen. Viele der Inhaftierten seien harten Haftbedingungen ausgesetzt, ihnen würde einfachste Hygienestandards versagt und sie seien körperlicher Gewalt ausgesetzt. Ulvi Hasanli werde entgegen dem Gerichtsbeschluss von 2023 nicht im Gefängnis in Baku, sondern in einem auswärtigen Gefängnis untergebracht. Die unterzeichnenden Organisationen forderten die aserbaidschanischen Behörden auf, ihren internationalen Menschenrechtsverpflichtungen nachzukommen, einschließlich der UN-Antifolterkonvention und des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte. Sie müssten humane und würdige Haftbedingungen gewährleisten, sofortigen Zugang zu medizinischer Versorgung und Rechtsbeistand gewähren.[2]

Aserbaidschan liegt auf der Rangliste der Pressefreiheit, die jedes Jahr von Reporter ohne Grenzen veröffentlicht wird, auf Platz 167 von 180.[2]

Auszeichnungen

  • 2024: Homo-Homini-Preis stellvertretend an die amtierende Chefredakteurin Leyla Mustafajeva[1]
  • 2024: Free Media Award ebenfalls stellvertretend an Leyla Mustafajeva[5]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g Ondřej Lukáš: The winner of this year's Homo Homini Award is Azerbaijani anti-corruption media outlet, Abzas Media. peopleinneed.net, 6. März 2024, abgerufen am 22. August 2025 (englisch).
  2. a b c Solidarität mit inhaftierten Journalisten. Reporter ohne Grenzen, 21. August 2025, abgerufen am 22. August 2025.
  3. Aytan Farhadova: Azerbaijan hands down lengthy sentences to Abzas Media team. 20. Juni 2025, abgerufen am 23. August 2025 (englisch).
  4. Aytan Farhadova: Frei schreiben, um nicht mehr unfrei zu leben. 11. Juli 2025;.
  5. a b Free Media Awards 2024 für unabhängigen Journalismus verliehen. ZEIT-Stiftung, September 2024;.