Abu Bakr Shawky

Abu Bakr „A.B.“ Shawky (arabisch أبو بكر شوقي; * 6. November 1985 in Kairo, Ägypten[1]) ist ein ägyptisch-österreichischer Drehbuchautor und Regisseur.[2]

Leben und Werk

Jugend und Studienzeit

A.B. Shawky wurde 1985 in Kairo als Sohn eines Ägypters und einer Villacherin geboren.[3][4] Er studierte Politikwissenschaften an der American University in Cairo, und Filmregie an der Hochschule für Filmkunst (المعهد العالي للسينما) in Kairo.

2008/09 produzierte er seinen ersten Kurzfilm, „El Mosta’mara“ („Die Kolonie“), eine fünfzehnminütige Dokumentation über die Leprakolonie Abu Zabaal zwei Stunden nördlich von Kairo. Shawky bezeichnete dieses Projekt als Interviewfilm bestehend aus Fragen und Antworten.[5][6] Im Folgejahr wurde er von der IOM beauftragt, den Kurzfilm „The Road to Atalia“ zu produzieren, der die fiktionalisierte Geschichte einer ägyptischen Familie zeigt, die versucht, auf irregulärem Wege über das Mittelmeer nach Italien zu migrieren bzw. geschmuggelt zu werden.[7]

Shawky begann ein Masterstudium an der New York University und befand sich gerade während den Winterferien 2010/11 in Ägypten, als der Arabische Frühling ausbrach. Als sein Rückflug nach New York ausfiel, begann er, die Geschehnisse am Tahrirplatz zu filmen und festzuhalten. Daraus entstand der dokumentarische Kurzfilm „Martyr Friday“, der u. a. als Finalist am Manhattan Short Festival vertreten war.[8]

Sein nächster Kurzfilm, „Things I Heard on Wednesdays“, wurde in die offizielle Selektion des New York Film Festival (2012) und jene des Pariser ÉCU (2013) aufgenommen.[9] Sein Werbespot „Water From Another World“ wurde bei den Porsche Awards Stuttgart 2013 als bester internationaler Werbespot ausgezeichnet.[3]

Er schloss die Tisch School of the Arts der New York University 2016 mit einem Master of Fine Arts in Film- und TV-Produktion ab.[10]

Durchbruch mit „Yomeddine“

Basierend auf Geschichten, die er bei der Arbeit an „El Mosta’mara“ 2008 gehört hatte, arbeitete Shawky ein Drehbuch für einen Roadmovie aus. In seinem letzten Jahr an der NYU begann er mit dem Schreibprozess, zog anschließend nach Ägypten zurück und versuchte, eine Finanzierung für einen Spielfilm aufzustellen. Shawkys Lebensgefährtin Dina Emam fungierte als Produzentin; doch selbst nach Abschluss der Dreharbeiten war nicht genug Geld für die Postproduktion vorhanden. Emam akquirierte schließlich zusätzliche Gelder vom El Gouna Film Festival sowie von dem Filmproduzent Mohamed Hefzy, um die Postproduktion fertigzustellen. Hefzy ermöglichte dem Projekt „Yomeddine“ (سه چهره) zudem den Zugang zu Wild Bunch und in weiterer Folge zum Cannes Film Festival.[5] „Yomeddine“ wurde für die Teilnahme an den Filmfestspielen von Cannes 2018 ausgewählt, lief im Hauptwettbewerb und konkurrierte um die Goldene Palme.[11] Der Film gewann schließlich den Prix François Chalais in Cannes, den Reflet d’Or für den besten Spielfilm beim Filmfestival in Genf und den Silbernen Tanit-Preis für den besten Spielfilm beim Internationalen Filmfestival von Karthago.[12] Beim El Gouna Film Festival 2018 wurde der Film mit dem Stern für den Besten Arabischen Narrativen Film sowie mit dem Publikumspreis „Kino für die Menschlichkeit“ ausgezeichnet.[13] Er war Abschlussfilm des K3 Film Festival in Villach 2018.[4] „Yomeddine“ war Ägyptens Beitrag für den besten fremdsprachigen Film bei der 91. Oscar-Verleihung.[14]

Shawky gründete die Filmproduktionsfirma Desert Highway Pictures LLC mit Sitz in Kairo und war zu dieser Zeit unter anderem als Drehbuchassistent und Arabisch-Berater für die Hulu-Fernsehserie „The Looming Tower“ bei Legendary Entertainment tätig.

Variety verlieh Shawky 2018 den MENA Talent of the Year Award.[15] Im Juli 2018 listete das Forbes Magazine Shawky unter den fünf erfolgreichsten arabischen Regisseure auf der internationalen Bühne.[16]

„Hajjan“

Im Jahr 2023 feierte sein Film „Hajjan“ (هجان) auf dem Toronto International Film Festival Premiere[17] und gewann im folgenden Jahr mehrere Preise, darunter den Preis für den besten Regisseur beim Hollywood Arab Film Festival und den Preis für den besten Film beim Gulf Cinema Festival.[18] Der Film war eine internationale Koproduktion; neben Mohamed Hefzys Film Clinic fungierten die saudische Ithra (Teil des saudischen Staatskonzern Saudi Aramco) sowie die jordanische The Imaginarium Films von Rula Nasser als Produktionsfirmen. Ithra war an Hefzy mit der Idee herangetreten, einen Spielfilm über ein Kamel zu drehen, der daraufhin Shawky davon überzeugte, Regie zu führen.[19] Die Idee, einen Film über Kamelrennen zu drehen, einen Sport, der außerhalb der arabischen Region nicht bekannt ist, hat Shawky gereizt: „Ich hatte noch keine Filme darüber gesehen und war begeistert“ von der Herausforderung, einen Spielfilm darüber zu drehen, sagte er der Asharq al-Awsat.[20] Shawky betonte in seiner Herangehensweise zudem die Rolle von Frauen bei der Weitergabe oraler Traditionen in der Beduinengesellschaft.[21]

„The Stories“

Shawkys dritter Langfilm feiert am 16. November 2025 am Tallinn Black Nights Film Festival Premiere. Die Tragikomödie, die den Titel „The Stories“ (Jutud; Arbeitstitel: صيف 67) trägt, zeigt fünf fragmentarische Geschichten einer Brieffreundschaft zwischen dem Pianisten Ahmed aus Kairo und der Österreicherin Liz aus den Jahren 1967 bis 1984. Archivaufnahmen werden mit politischen Reden, Fußballspielen, Filmausschnitten und ägyptischen Liedern der Periode gemischt.[22][23]

Commons: Abu Bakr Shawky – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. CRFIC: Abu Bakr Shawky. 10. März 2019, abgerufen am 28. September 2025 (spanisch).
  2. DesHighPics. In: home | Desert Highway Pictures. Archiviert vom Original am 25. Mai 2019; abgerufen am 20. April 2018 (englisch).
  3. a b Porsche Awards 2013 Winners: Abu Bakr Shawky. Abgerufen am 28. September 2025 (englisch).
  4. a b K3 Film Festival: K3 Film Festival 2018 - Abschlussfilm: Yomeddine, von A.B. Shawky. 10. Dezember 2018, abgerufen am 28. September 2025.
  5. a b Nick Vivarelli: A.B. Shawky on Casting Egypt’s Foreign Oscar Contender ‘Yomeddine’ In a Leper Colony. In: Variety. 4. Dezember 2018, abgerufen am 28. September 2025 (amerikanisches Englisch).
  6. Tambay Obenson: ‘Yomeddine’ Trailer: Outcasts Hit the Road in Search of Family in Cannes-Selected Egyptian Dramedy. In: IndieWire. 3. Mai 2019, abgerufen am 28. September 2025 (amerikanisches Englisch).
  7. IOM Film Highlights Dangers of Irregular Migration from Egypt to Italy for Unaccompanied Minors. Abgerufen am 28. September 2025 (englisch).
  8. The Manhattan Short - One World - One Week - One Festival. Abgerufen am 28. September 2025.
  9. ÉCU Official Selection 2013 – ÉCU – The European Independent Film Festival. Abgerufen am 28. September 2025 (amerikanisches Englisch).
  10. Tiffany Pritchard: From NYU to Cannes: Egyptian Filmmakers A.B. Shawky and Dina Emam on Their Debut Feature, the Competition Title Yomeddine - Filmmaker Magazine. In: Filmmaker Magazine. 12. Mai 2018, abgerufen am 19. Dezember 2024 (amerikanisches Englisch).
  11. The 2018 Official Selection In: Festival de Cannes 2018, 12. April 2018. Abgerufen am 20. April 2018 (englisch). 
  12. 'Yomeddine' wins the Silver Tanit Award at CIFF. In: EgyptToday. 16. November 2018, abgerufen am 9. Juni 2024.
  13. GFF Awards 2018. El Gouna Film Festival, 29. September 2018, archiviert vom Original am 12. Oktober 2018; abgerufen am 29. Oktober 2025 (englisch).
  14. Nick Vivarelli: A.B. Shawky on Casting Egypt’s Foreign Oscar Contender ‘Yomeddine’ In a Leper Colony. In: Variety. 4. Dezember 2018, abgerufen am 19. Dezember 2024 (amerikanisches Englisch).
  15. Nick Vivarelli: ‘Yomeddine’ Director A.B. Shawky to Receive Variety MENA Talent of the Year Award. In: Variety. 19. September 2018, abgerufen am 19. Dezember 2024 (amerikanisches Englisch).
  16. Forbes Releases Top Arab Stars On The Global Stage. In: Forbes ME. Abgerufen am 19. Dezember 2024 (amerikanisches Englisch).
  17. Abu Bakr Shawky's new film 'Hajjan' wows crowds at Toronto International Film Festival | Esquire Middle East – The Region’s Best Men’s Magazine. 14. September 2023, abgerufen am 19. Dezember 2024 (amerikanisches Englisch).
  18. Year in review: Looking back on a great year for Arab cinema. In: Arab News. 22. Dezember 2023, abgerufen am 19. Dezember 2024 (englisch).
  19. فيلم «هجّان» إلى «تورنتو السينمائي» بتعاون سعودي - مصري. Abgerufen am 29. Oktober 2025 (arabisch).
  20. المخرج أبو بكر شوقي: «هجَان» قصيدة حب للصحراء. Abgerufen am 29. Oktober 2025 (arabisch).
  21. Nick Vivarelli: ‘Yomeddine’ Director Abu Bakr Shawky on His Camel Racing Epic ‘Hajjan’: ‘We’re Trying to Make a Desert Story From Our Perspective’. In: Variety. 6. Dezember 2023, abgerufen am 29. Oktober 2025 (amerikanisches Englisch).
  22. The Stories. Abgerufen am 29. Oktober 2025 (englisch).
  23. The Stories. In: austrianfilms.com. Abgerufen am 29. Oktober 2025.