Abigail May Alcott Nieriker
Abigail May Alcott Nieriker (* 27. Juli 1840 in Concord, Massachusetts; † 29. Dezember 1879 in Meudon) war eine US-amerikanische Künstlerin, Zeichenlehrerin und Autorin. Sie gilt als Vorbild für die Figur der Amy March in dem Roman Little Women ihrer Schwester Louisa May Alcott. In den 1870er Jahren war sie mehrmals in Europa tätig und stellte zweimal im Pariser Salon aus.[1]
Leben
Abigail Alcott wurde 1840 in Concord, Massachusetts, geboren. Ihr Vater, Amos Bronson Alcott, war Transzendentalist, ihre Mutter eine der ersten amerikanischen Sozialarbeiterinnen. Das Familienhaus „The Wayside“ diente von 1846 bis 1847 als Station der Underground Railroad. Bereits in ihrer Kindheit förderten ihre Eltern ihre künstlerischen Interessen. Im Haus „Orchard House“ durfte sie an Wänden und Möbeln zeichnen. Seit November 1863 verwendete sie ausschließlich den Namen „May“. Sie erhielt eine frühe künstlerische Ausbildung, unter anderem mit Unterstützung des Familienfreundes Ralph Waldo Emerson. In den 1860er Jahren besuchte sie in Boston den Anatomiekurs für Frauen von Dr. William Rimmer sowie das Atelier von William Morris Hunt. Parallel dazu unterrichtete sie Schülerinnen und unterstützte junge Künstler, darunter Daniel Chester French. 1869 veröffentlichte sie „Concord Sketches“, eine Serie von Zeichnungen aus ihrer Heimatstadt. Im Jahr 1870 reiste May Alcott erstmals nach Europa, zusammen mit ihrer Schwester Louisa und Alice Bartlett. Es folgten Aufenthalte in Italien, der Schweiz und London, wo sie 1872 erneut ankam. Dort lernte sie den Kunstkritiker John Ruskin kennen, der ihre Kopien nach J. M. W. Turner schätzte. 1874 kehrte sie aus familiären Gründen in die USA zurück.[1]
1876 reiste sie ein drittes Mal nach Europa. In Paris besuchte sie gemeinsam mit Rosa Peckham das Atelier von Monsieur Krug, in dem Frauen Unterricht am männlichen Aktmodell erhielten. Sie verbrachte zudem einige Zeit in Grez-sur-Loing, wo sie sich mit Mary Cassatt anfreundete. 1877 wurde ihr Stillleben Fruits and Bottles im Pariser Salon angenommen. 1879 wurde ihr Gemälde La Négresse im Salon ausgestellt. Ein weiteres Werk aus dieser Zeit, Prince of Timbuctoo, gilt als verschollen. Im selben Jahr beteiligte sie sich an der Ladies Exhibition in London und verkaufte ein Gemälde an die Dudley Gallery. 1877 lernte sie den Schweizer Kaufmann und Violinisten Ernest Nieriker kennen, der sie in ihrer künstlerischen Tätigkeit unterstützte und heiratet ihn. Am 8. November 1879 brachte Alcott ihre Tochter Louisa May Nieriker zur Welt. May Alcott Nieriker starb am 29. Dezember 1879, sieben Wochen nach der Geburt ihrer Tochter, im Alter von 39 Jahren. Auf ihren Wunsch hin wurde ihre Tochter in Concord von Louisa May Alcott aufgezogen. Ein begonnenes Romanprojekt mit dem Titel „Diana and Persis“ blieb nach ihrem Tod unvollendet. Viele ihrer Werke befinden sich im Orchard House in Concord, darunter frühe Wand- und Möbelzeichnungen sowie Kopien nach Alten Meistern. Das Original ihres 1879 im Pariser Salon gezeigten Bildes „La Négresse“ befindet sich im Besitz der Familie Nieriker.[1]
Werk
May Alcott widmete sich vor allem der Stilllebenmalerei und der Darstellung von Landschaften. Neben diesen Motiven schuf sie Buchillustrationen sowie Kopien nach Werken von J. M. W. Turner und Guido Reni. Zu ihren bekanntesten Illustrationen gehören die Bilder zu dem 1868 in Boston erschienenen Werk „Little Women or Meg, Jo, Beth and Amy“ von Louisa May Alcott; der zweite Band folgte 1869. May Alcott setzte sich für eine gleichberechtigte künstlerische Ausbildung ein. 1875 gründete sie in Concord ein Kunstzentrum. 1879 veröffentlichte sie den praxisorientierten Leitfaden Studying Art Abroad, and How to Do It Cheaply für Kunststudierende, insbesondere Frauen, die in Europa studieren wollten. Zudem verfasste sie den unveröffentlichten Roman An Artist’s Holiday.[1]
Literatur
- Edmund von Mach: American Art Review, Band 1, Boston, 1880.
- Eliot Young: American Art, New York, 1968.
- James Thomas Flexner Smith: American Artists, New York, 1930.
- Mantle Fielding / Glenn B. Wallace: Dictionary of American Painters, Sculptors & Engravers, New York, 1957.
- Susan Hamilton: Early American Book Illustrators, Princeton, 1958.
- Thieme Becker: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Band 1, Leipzig, 1907.
- Young, Eliot: American Art, New York, 1968.
Weblinks
- Louisa May Alcott's Orchard House
- Abigail May Alcott Nieriker: Feminist Trailblazer and the Real Amy March from Little Women
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Jimena Escoto: Abigail May Alcott Nieriker: Feminist Trailblazer and the Real Amy March from Little Women. In: DailyArt Magazine. 10. Juli 2025, abgerufen am 7. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).