Abdel Gadir Salim

Abdel Gadir Salim (* 1946 in Dilling, Sudan; † 16. Dezember 2025[1]) war ein sudanesischer Musiker.

Leben

Biografische Angaben zu Abdel Gadir Salim sind nur spärlich vorhanden. Er wurde in der Kleinstadt Dilling in den Nuba-Bergen (etwa 130 Kilometer südlich von El-Obeid) in der sudanesischen Provinz Kordofan geboren. Obwohl es in seiner Familie nie einen Musiker gegeben hatte, brachte er sich schon in jungen Jahren das Spiel auf der arabischen Kurzhalslaute Oud bei. Später studierte er klassische europäische und arabische Musik am Institut für Musik und Theater in Khartum, wo der Künstler lebte.

Abdel Gadir Salim war auch Direktor einer Grundschule in Tschad.

Werk

Abdel Gadir Salim galt neben Abdel Aziz El Mubarak als einer der führenden Komponisten und Altmeister der nubischen Oud-Musik. Zusammen mit seiner Band Merdoum All Stars spielte er überall im arabischen Raum, seit Mitte der 1980er Jahre auch in Europa. Merdoum bezeichnet einen traditionellen Musik- und Tanzstil aus Kordofan, den Salim mit seinem Werk auch in anderen Teilen der Welt bekannt gemacht hat.

Salim wird in seinem frühen Schaffen als Vertreter einer musikalischen Stilrichtung gesehen, die als „Khartoum city song“, als populäre städtische Musik bezeichnet wird. Es handelt sich dabei um eine Mischung aus traditioneller Folklore mit neuen musikalischen Elementen, so etwa mit starken Einflüssen aus dem Jazz. In den frühen 1970er Jahren konzentrierte er sich auf die traditionelle Musik von Kordofan und Darfur. Für den städtischen populären Stil ist die Hinzunahme von westlichen Musikinstrumenten wie Akkordeon oder Saxophon in seiner All-Star-Besetzung charakteristisch. Gleichzeitig betrieb Salim einen musikalischen Brückenschlag zwischen arabischer und afrikanischer Musik, indem er aus ersterer Tonleitern und Motive und aus letzterer typische Perkussionsstile in seinen Stücken verwendete.[2]

Salim nahm als Nordsudanese und Muslim im Jahr 2005 mit seiner All-Stars-Band gemeinsam mit dem Rapper Emmanuel Jal, einem Südsudanesen und Christen, sowie mit dessen Hip-Hop-Crew The Reborn Warriors das Album Ceasefire (englisch „Waffenstillstand“) auf.[3] Dieses gilt als musikalischer Aufruf zum Frieden im Sudan. Dennoch wurde Salim als unpolitischer Musiker gesehen, der mit seinen gelegentlich polemischen Texten nicht das Missfallen der islamischen Regierung des Sudan wecken wollte.

Im November 1994 wurde er bei einem Messerüberfall eines fanatischen islamistischen Grundschullehrers verletzt. Bei diesem Angriff wurde der populäre sudanesische Sänger Khogali Osman getötet. Hintergrund war eine von den staatlichen Medien angefeuerte Kampagne gegen säkulare Musik.[4]

Diskografie

Einzelnachweise

  1. Todesnachricht. In: Al Jazeera. 16. Dezember 2025, abgerufen am 17. Dezember 2025 (arabisch).
  2. Abdel Gadir Salim. In: Biography. Allmusic, Netaktion LLC, abgerufen am 14. Mai 2020 (amerikanisches Englisch).
  3. Emmanuel Jal & Abdel Gadir Salim - Ceasefire. In: WOMEX. Abgerufen am 14. Mai 2020 (englisch).
  4. Angel Romero: Artist Profiles: Abdel Gadir Salim. World Music Central.org, abgerufen am 14. Mai 2020 (amerikanisches Englisch).