Abd ar-Rahman Sanchuelo

Abd ar-Rahman Sanchuelo (arabisch عبد الرحمن شنجول, DMG ʿAbd ar-Raḥmān Šanǧūl; * um 983 in Córdoba; † 3. März 1009[1] ebenda) entstammte als Sohn Almansors der Dynastie der Amiriden und war als Hajib (Erster Minister) von Oktober 1008 bis zu seinem gewaltsamen Tod vier Monate faktischer Alleinherrscher für den Umayyaden-Kalifen Hischam II. im Kalifat von Córdoba. Als er sich von Hischam II. zu dessen Nachfolger proklamieren ließ und anschließend einen Feldzug gegen König Alfons V. von León unternahm, kam es in Córdoba unter der Führung des Umayyaden Muhammad II. al-Mahdi zu einem Aufstand. Beim Rückmarsch wurde Abd ar-Rahman von seinem Heer verlassen und von Emissären al-Mahdis getötet.

Leben

Abstammung und frühes Leben

Abd ar-Rahman war der Sohn des bedeutenden Amiriden Almansor und dessen christlicher Gattin, der Tochter des Königs Sancho II. von Navarra, die ihren Taufnamen Urraca nach ihrem Übertritt zum Islam in Abda änderte. Nach seinem Großvater erhielt Abd ar-Rahman seinen Beinamen Sanchol (d. h. der kleine Sancho), weil er diesem sehr ähnlich gesehen haben soll.[2] Spätere Autoren änderten diesen Beinamen in Sanchuelo ab, unter dem Abd ar-Rahman seither bekannt ist. Sein Vater Almansor übte faktisch allein die Regierung aus, erkannte aber formell die Oberhoheit des Kalifen Hischam II. an. Über Sanchuelos Kindheit ist fast nichts bekannt, doch dürfte er sie in der von seinem Vater neu errichteten Residenz az-Zahira („die Blühende“) am Stadtrand Córdobas verbracht haben.[3] Damals verschlechterten sich Almansors Beziehungen zu Sancho II., woraufhin er 989, 991 und 992 Einfälle in das Reich des navarresischen Königs unternahm. Sancho musste sich im September 992 nach Córdoba begeben und Almansor öffentlich huldigen. Nach dem Bericht des im 14. Jahrhundert lebenden arabisch-andalusischen Historikers Ibn al-Chaṭīb ritt der etwa neunjährige Sanchuelo seinem Großvater mit großem militärischem Pomp entgegen. Sancho soll bei dieser Gelegenheit die Hände und Füße seines kleinen Enkels geküsst haben.[4]

Almansor förderte die kriegerische Ausbildung Sanchuelos und dessen älteren Bruders Abd al-Malik al-Muzaffar. Um 995 griffen christliche navarresische Truppen das in muslimischem Besitz befindliche Calatayud an und erschlugen zahlreiche Einwohner sowie den Bruder des dortigen Statthalters Hakam ibn ‘Abd al-Aziz al-Tuyibí. Der darüber empörte Almansor befahl als Vergeltung die Tötung von etwa 50 von ihm auf einem früheren Feldzug gegen Sancho II. in Uncastillo gefangen genommenen Kriegern und Verwandten des navarresischen Königs, die er in Córdoba in Geiselhaft hielt. Laut einem versifizierten Bericht von Almansors Hofdichter Ibn Darraj al-Qastalli schnitt Sanchuelo eigenhändig einem der Gefangenen, der sein Onkel war, die Kehle durch.[5]

Im Sommer 997 nahm Abd ar-Rahman als etwa 14-Jähriger am Feldzug seines Vaters gegen Santiago de Compostela teil. Ibn Darraj beteiligte sich ebenfalls an dieser Militäraktion und feierte in einem Gedicht Sanchuelos dabei vollbrachten Taten. Auch in einem zweiten Gedicht referierte er Sanchuelos Taten, daneben ebenso jene von dessen Bruder Abd al-Malik. Darin erwähnt er die von den Brüdern angerichteten Verwüstungen zwischen der Stadt Lamego und dem Küstengebiet, das vom Rio Vouga und der Bucht Ría de Arousa begrenzt ist. Im Juli 1000 sah sich Almansor in der Schlacht bei Cervera einer starken Armee einer Koalition christlicher iberischer Herrscher gegenüber. Seine eigenen Streitkräfte gerieten in Bedrängnis, woraufhin er eine Umgruppierung vornahm. Auf seine Weisung begaben sich auch seine Söhne Abd al-Malik und Abd ar-Rahman, die bisher nicht aktiv am Kampfgeschehen teilgenommen hatten, als Kommandanten zu ihren Fronttruppen. Dies berichtet der arabisch-andalusische Historiker Ibn Hayyan, dessen Vater in der Schlacht mitgekämpft hatte. Letztlich errang Almansor einen deutlichen Sieg.[6]

Bei Almansors Tod im August 1002 in Medinaceli waren seine Söhne Abd al-Malik und Abd ar-Rahman anwesend. Almansor bestimmte Abd al-Malik zu seinem Nachfolger und riet ihm, Sanchuelo als Kommandanten der lokalen Truppen zurückzulassen und nach Córdoba zu eilen, um sich vom Kalifen Hischam II. die unumschränkten Machtbefugnisse als Hajib (Erster Minister) übertragen zu lassen, bevor sich Widerstand gegen ihn regen konnte. Abd al-Malik folgte diesem Rat und fand den regierungsunwilligen Kalifen auch bereit, ihn zum Hajib zu ernennen. Nach Unterdrückung anfänglicher Proteste konsolidierte er seine Autorität. Während seiner sechsjährigen Herrschaft unternahm er sieben oder acht Feldzüge gegen christliche Reiche. Aus den erhaltenen Quellen geht hervor, dass Sanchuelo an der von Ende Oktober bis Mitte Dezember 1007 dauernden Militärexpedition seines Bruders teilnahm. Dabei eroberte Abd Al-Malik die Festung San Martin nach hartnäckiger Belagerung und befahl Sanchuelo und seinem Offizier Safi, die im Innenhof des Forts versammelten gefangenen Verteidiger töten sowie Frauen und Kinder als Sklaven unter seine Soldaten verteilen zu lassen. Während eines Feldzugs im Sommer 1008 gegen den kastilischen Grafen Sancho García erkrankte Abd al-Malik schwer und starb am 20. Oktober 1008. Nach bald darauf in Córdoba kursierenden Gerüchten soll er von Sanchuelo vergiftet worden sein.[7]

Machtübernahme

Nach Abd al-Maliks frühem Tod am 20. Oktober 1008 versammelte der etwa 25-jährige Abd ar-Rahman die höchsten Würdenträger des Hofs im Palast von az-Zahira und erreichte von ihnen die Anerkennung seiner Autorität als Nachfolger seines verstorbenen Bruders. Der Kalif Hischam II. übertrug ihm offiziell das Amt des Hajib und Ehrennamen, sodass Abd ar-Rahman sofort nach der Machtübernahme den Titel Al-Hajib al-Ma’mun al-Nasir ad-Dawla („Treuer Kanzler und Verteidiger der Dynastie“) trug. Von seinen Untertanen wurde er aber Sanchol (Sanchuelo) genannt. Am 21. Oktober 1008 gab er einen offiziellen Empfang und erhielt dabei den Treueeid der verschiedenen Klassen der Einwohner Córdobas. Seine Herrschaft war indessen äußerst unpopulär. Viele alteingesessene arabische Adelige und andere Bevölkerungsteile waren den Umayyaden treu ergeben und ertrugen die Herrschaft der Amiriden höchst ungern, insbesondere da Almansor zahlreiche Berber als Söldner zur Absicherung seiner Macht angeheuert hatte. Arabische Autoren charakterisierten Abd-ar-Rahman mit negativen Eigenschaften wie Trunksucht, Dummheit und ausschweifendem Leben. Gleich nach seiner Machtübernahme habe er sich betrunken mit Sängern herumgetrieben und ständigen Vergnügungen hingegeben. Der Chronist Ibn ʿIdhārī al-Marrākuschī zeiht ihn sogar der Gotteslästerung; denn Abd ar-Rahman habe einmal beim Aufruf des Muezzins zum Gebet geäußert, dieser hätte lieber zum Gang in die Taverne auffordern sollen.[8][2]

In seinem Ehrgeiz ging Abd ar-Rahman über die Ansprüche seines Vaters und Bruders hinaus, indem er beabsichtigte, sich vom schwachen Kalifen Hischam II. zu dessen Nachfolger ernennen zu lassen. Zur Erreichung dieses Ziels soll er dem Kalifen für den Weigerungsfall gedroht haben. Vor allem aber sicherte er sich die Unterstützung zweier hoher Staatsbeamter und Anhänger der Amiriden, nämlich des Kadis von Córdoba, Ahmad ibn ‘Abd Allah ibn Dhakwan, und des Staatssekretärs Ahmad ibn Burd. Nach anfänglichem Widerstand seitens des Kalifen konnten ausgewählte Rechtsgelehrte dessen Zweifel, die Thronrechte der Umayyaden einem Emporkömmling abzutreten, zerstreuen. Die von Ahmad ibn Burd verfasste Urkunde der Investitur, die im November 1008 erfolgte, wurde von mehreren Autoren wie Ibn Chaldūn überliefert.[9]

Durch seinen Griff nach dem Kalifentitel löste Abd ar-Rahman bei vielen seiner Untertanen großen Unmut aus. Ihnen missfiel, dass die Kalifenwürde von der nordarabischen Umayyaden-Dynastie auf einen Vertreter der südarabischen (jemenitischen) Familie Almansors übergehen sollte, der noch dazu der Enkel eines christlichen navarresischen Königs war. Dazu kam seine mangelnde Regierungsfähigkeit und die ihm unterstellte Irreligiosität. Die hauptsächlich aus Berbern und Slaven zusammengesetzte, gut bezahlte Armee stand jedoch zunächst loyal zum neuen Machthaber.[10]

Feldzug gegen Alfons V. von León

Die kurze Regierungszeit Abd ar-Rahmans wurde vor allem vom zeitgenössischen andalusisch-arabischen Historiker Ibn Hayyan beschrieben. Seine auf diese Periode bezüglichen Werke sind zwar verloren, wurden aber von späteren erhaltenen Autoren wie an-Nuwairi, Ibn al-Athīr, Ibn ʿIdhārī, Ibn al-Chaṭīb und al-Maqqarī für ihre Berichte über Abd ar-Rahman herangezogen. Besonders prägnante und akkurate moderne Darstellungen der Herrschaft des Kalifenanwärters wurden von zwei Experten des klassischen Arabisch, dem niederländischen Orientalisten Reinhart Dozy in seinem Werk Histoire des Musulmans d’Espagne jusqu’à la conquête de l’Andalousie par les Almoravides (4 Bände, Leiden 1861) und vom französischen Mediävisten Évariste Lévi-Provençal in seiner Histoire de l'Espagne musulmane (3 Bände, 1950) verfasst.[11]

Am Tag nach seiner Proklamation zum Thronfolger ließ Abd ar-Rahman sich in seinem Palast von den Notabeln Córdobas huldigen. Er übertrug seinem jungen Sohn Abd al-Aziz das Amt des Hajib und verlieh ihm den Titel Sayf ad-Dawla („Schwert der Dynastie“).[2] Dann beging er den Fehler, trotz in Córdoba umlaufender Gerüchte von einem bevorstehenden Putsch bereits am 14. Januar 1009 – mitten im Winter – zu einem Feldzug gegen König Alfons V. von León aufzubrechen. Er verschärfte noch die Unzufriedenheit durch seine Anordnung, dass alle Würdenträger und Staatsbeamten unmittelbar vor seinem Abmarsch zu einer Audienz bei ihm erscheinen und dabei berberische Turbane anstelle der sonst üblichen hohen und bunten andalusischen Mützen tragen sollten. Viele Muslime nahmen daran Anstoß, da das Tragen von Turbanen Geistlichen und Rechtsgelehrten vorbehalten war. Inzwischen planten Nachfahren von Abd ar-Rahman III. einen Umsturzversuch. Sie wurden dabei von der reichen al-Dalfa, der Mutter des verstorbenen Hajib Abd al-Malik, finanziell unterstützt, die Abd ar-Rahman hasste, da sie ihn der Vergiftung ihres Sohns verdächtigte. Der einer Seitenlinie der Umayyaden, den Marwaniden, entstammende Muhammad II. al-Mahdi trat als Prätendent auf den Kalifentitel an die Spitze der Aufrührer.[12]

Wahrscheinlich wollte sich Abd ar-Rahman durch den von ihm unternommenen Feldzug, mit dem sein Niedergang begann, ebenso wie sein Vater und Bruder militärischen Ruhm verschaffen und seine Herrschaftsansprüche rechtfertigen.[13] Nachdem er mit seinem Heer in der zweiten Hälfte des Januars 1009 in das Königreich León eingefallen war, machten seinen Soldaten große Kälte, über die Ufer tretende Flüsse und dadurch sich bildender Schlamm schwer zu schaffen. Vergeblich versuchte er Alfons V., der sich in die Berge zurückgezogen hatte, zu einer Schlacht in der Ebene zu verleiten. So musste er den Rückzug nach Toledo antreten, wo er am 15. Februar 1009 von der inzwischen in Córdoba angezettelten Revolte Muhammads II. al-Mahdi erfuhr.[14][2]

Aufstand gegen Abd ar-Rahman

Abd ar-Rahman hatte den Statthalter Córdobas, Ibn Asqaleya, als seinen Stellvertreter zur Beaufsichtigung der Stadt und des Kalifen zurückgelassen. Die Überwachung der außerhalb Córdobas gelegenen Residenz der Amiriden, al-Madina az-Zahira („die blühende Stadt“), hatte er dem Wesir Ahmad ibn Sa’id ibn Hazm, dem Staatssekretär Ahmad ibn Burd, und dem Präfekten des Anwesens, Abd Allah ibn Maslama, anvertraut. Muhammad II. al-Mahdi sammelte unterdessen etwa 400 Männer um sich, die er mit dem von al-Dalfa zur Verfügung gestellten Geld anwarb. Mit 30 seiner entschlossensten Anhänger begann er am 15. Februar 1009 seine Rebellion. Er wies sie an, sich nachmittags mit unter den Kleidern versteckten Waffen in die Nähe des Alcázars zu begeben, in dem sich der Kalif und Ibn Asqaleya mit seiner Garnison aufhielten. Eine Stunde vor Sonnenuntergang forderte er seine anderen Männer auf, sich bereitzuhalten, begab sich ebenfalls zum Alcázar und stürmte ihn mit den 30 auf ihn wartenden Gefolgsleuten. Ibn Asqaleya, der in seinem Gemach mit zwei Mädchen des Harems plauderte, wurde getötet. Die übrigen Männer Muhammads riefen nun die Einwohner Córdobas zu den Waffen und hatten damit Erfolg. Auch Bauern aus der Umgebung schlossen sich ihnen an. Die Rebellen eilten zum Alcázar, schlugen zwei Breschen in die Mauer und drangen auf das Gelände der Festung vor. Die Wachen, die Abd ar-Rahmans Residenz az-Zahira beschützten, wagten nicht einzugreifen.[15]

Hischam sah sich schutzlos dem Führer der Revolte ausgeliefert und ließ ihn durch einen Gesandten seine Abdankung anbieten und um die Schonung seines Lebens ersuchen. Muhammad stimmte zu, und Hischam ließ Notare und Geistliche kommen, um die Abdankungsurkunde aufzusetzen. Dann wurden Würdenträger, Beamte und Islamgelehrte in den Palast geladen, um Muhammad als neuem Souverän den Eid zu schwören. Muhammad gelang es auch, die in den Alcázar eingedrungene Menschenmenge von Plünderungen abzuhalten. Am nächsten Morgen ernannte er einen seinen Cousin Abd al-Jabbar ibn al-Muguira zum Ersten Minister (Hajib) und einen anderen Umayyaden zum Statthalter Córdobas.[16]

Abd Allah ibn Maslama war es inzwischen vorläufig geglückt, durch Ausfälle seiner Garnison die vor der Festung az-Zahira angekommenen Aufständischen zurückzuschlagen. Muhammad al-Mahdi musste jedoch zahlreiche einfache Leute, die sich ihm angeschlossen hatten, belohnen und ließ sie unter Führung des neu ernannten Hajib gegen az-Zahira ziehen, um die Residenz Abd ar-Rahmans zu plündern. Gegen Zusicherung einer Amnestie übergaben die Verteidiger den Palast der Amiriden widerstandslos. Die in az-Zahira gehorteten Gold- und Silbermünzen, Edelsteine, Schmuck und Wandteppiche wurden von den Rebellen geraubt, auch Marmor, Säulen und anderes abgetragen. Frauen höheren Stands wurden verschont, doch die Konkubinen Abd ar-Rahmans gingen in den Harem des neuen Kalifen über. Al-Dalfa hatte ihr persönliches Vermögen schon in Sicherheit gebracht, erhielt eine rücksichtsvolle Behandlung und durfte in einem ihr gehörigen Haus in Córdoba wohnen. Die Residenz der Amiriden ging in Flammen auf.[17]

Tod

Auf die Nachricht von der Rebellion in Córdoba machte sich Abd ar-Rahman von Toledo aus auf den Rückweg. Er hoffte, die Revolte niederschlagen zu können, da er über zahlreiche Truppen der regulären Armee sowie den Amiriden bisher treu gebliebene berberische und slawische Krieger verfügte. Mehrere enge Berater und viele seiner Soldaten hielten jedoch seine Sache für verloren; infolgedessen kam es zu ersten Desertationen. Abd ar-Rahman zog zunächst nach Calatrava, machte dort vier Tage Halt und verlangte von seinem Heer, ihm erneut den Treueeid zu schwören. Dies stieß bei seinen Kriegern auf Ablehnung. Der Kadi Ibn Dhakwan erklärte, dass ein Angriff auf die Hauptstadt gesetzeswidrig sei, da Tausende unschuldige Personen dadurch der Gefahr eines Gemetzels ausgesetzt wären. Inzwischen nützte Muhammad al-Mahdi die zögerliche Rückkehr seines Widersachers zur Festigung seiner Macht in der Hauptstadt. So versuchte er deren Einwohner durch die Abschaffung einiger von Abd ar-Rahman kurz zuvor eingeführter Steuern für sich zu gewinnen.[18]

Als seine Armee durch Abfall vieler Soldaten immer weiter schrumpfte, wandte Abd ar-Rahman sich um Rat an seinen christlichen Verbündeten, García Gómez, Graf von Carrión, einem Mitglied des Banu Gómez, der ihn auf dem Feldzug gegen León begleitet hatte. Der Graf drängte ihn, den Plan zur Rückeroberung Córdobas aufzugeben und stattdessen mit ihm zu kommen und in seiner Burg Zuflucht zu suchen. Abd ar-Rahman beharrte jedoch auf der Rückkehr nach Córdoba. Er war überzeugt, dass seine Anhänger in der Stadt, wenn er in deren Nähe gelangte, sich zu seinen Gunsten erheben und ihn wieder in seine frühere Machtposition einsetzen würden. Der Graf blieb dem Amiriden trotz dessen Ablehnung seines Vorschlags treu und begleitete ihn mit seinen Streitkräften auf dem Weitermarsch nach Córdoba. Als Abd al-Rahman aber am 28. Februar 1009 in Manzil Hani, zwei Tagereisen von Córdoba entfernt, ankam, verließen ihn auch die bis dahin loyalen Berbersoldaten.[19]

Abd ar-Rahman hatte den Kadi Ibn Dhakwan nach Córdoba vorausgeschickt, damit dieser für ihn um Begnadigung ansuchte. Er war nur noch in Begleitung der Dienerschaft seines Haushalts, darunter 70 Frauen seines Harems, und der Soldaten des Grafen, als er am 3. März 1009 in Armilat eintraf und sich ein nahes mozarabisches Kloster zurückzpg. Dort suchten ihn von Muhammad al-Mahdi entsandte Reiter auf und befahlen ihm und dem Grafen von Carrión, mit ihnen nach Córdoba zu kommen. Unterwegs trafen sie den an der Spitze einer starken Heeresabteilung ziehenden Hajib des neuen Kalifen, vor dem Abd ar-Rahman sich mehrmals auf den Boden werfen und die Hufe von dessen Pferd küssen musste. Bei der Einkehr in ein Gasthaus wurde er von den Soldaten gefesselt. Er bat, eine seiner Hände freizulassen, und zog dann ein Schwert. Soldaten entwanden ihm die Waffe, ehe er sich damit töten konnte. Der Hajib befahl indessen, Abd ar-Rahman zu erschlagen und zu enthaupten. Auch der Graf von Carrión wurde umgebracht.[20][2]

Am nächsten Tag (4. März 1009) wurde der nackte Leichnam Abd ar-Rahmans nach Córdoba gebracht und dem Kalifen präsentiert. Muhammad al-Mahdi befahl, der Leiche die Eingeweide zu entnehmen und sie zur Konservierung einzubalsamieren. Dann wurde sie mit einer Tunika und einer Hose bekleidet und an einem hohen Pfahl nahe dem Palasttor festgenagelt. Seitlich war sein Kopf auf einer Pike aufgespießt. Neben Abd ar-Rahmans sterblichen Überresten war das Haupt von García Gómez an einem niedrigeren Pfahl angebracht worden.[21][2]

Literatur

  • Laura Bariani: Almanzor, San Sebastián 2003, ISBN 978-84-89569-85-0.
  • Georg Bossong: Das maurische Spanien. C. H. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-55488-9, S. 27 f.
  • Évariste Lévi-Provençal: Histoire de l’Espagne musulmane, Bd. 2 (1950), S. 291–304; ins Spanische übertragen von E. García Gómez: España Musulmana hasta la caída del califato de Córdoba (711-1031 de J. C.) = Ramón Menéndez Pidal (Hrsg.): Historia de España, 4. Bd., 8. Auflage, Madrid 1996, S. 455–463.
  • Évariste Lévi-Provençal: Abd al-Rahman b. Muhammad b. Abi Amir Sanchuelo. In: Encyclopaedia of Islam. 2. Auflage, Bd. 1, S. 84.
  • Felipe Maíllo Salgado: Sanchuelo, in: Diccionario biográfico español, Madrid 2009–2013, Online-Version.

Anmerkungen

  1. Todesdatum laut E. Lévi-Provençal (s. Lit.), S. 84.
  2. a b c d e f Felipe Maíllo Salgado: Sanchuelo, in: Diccionario biográfico español, Madrid 2009–2013, Online-Version.
  3. Alberto Cañada Juste: Abd al-Rahman ibn Muhammad, Sanchuelo, in: Príncipe de Viana, 78. Jahrgang, 2017, Nr. 269, S. 749 f.
  4. Laura Bariani: Almanzor, 2003, S. 219.
  5. Alberto Cañada Juste: Abd al-Rahman ibn Muhammad, Sanchuelo, in: Príncipe de Viana, 78. Jahrgang, 2017, Nr. 269, S. 755 f.
  6. Alberto Cañada Juste: Abd al-Rahman ibn Muhammad, Sanchuelo, in: Príncipe de Viana, 78. Jahrgang, 2017, Nr. 269, S. 756 f.
  7. Alberto Cañada Juste: Abd al-Rahman ibn Muhammad, Sanchuelo, in: Príncipe de Viana, 78. Jahrgang, 2017, Nr. 269, S. 757 ff. und 761.
  8. Alberto Cañada Juste: Abd al-Rahman ibn Muhammad, Sanchuelo, in: Príncipe de Viana, 78. Jahrgang, 2017, Nr. 269, S. 763–766.
  9. Alberto Cañada Juste: Abd al-Rahman ibn Muhammad, Sanchuelo, in: Príncipe de Viana, 78. Jahrgang, 2017, Nr. 269, S. 766 f.
  10. Alberto Cañada Juste: Abd al-Rahman ibn Muhammad, Sanchuelo, in: Príncipe de Viana, 78. Jahrgang, 2017, Nr. 269, S. 767 f.
  11. Alberto Cañada Juste: Abd al-Rahman ibn Muhammad, Sanchuelo, in: Príncipe de Viana, 78. Jahrgang, 2017, Nr. 269, S. 767.
  12. Alberto Cañada Juste: Abd al-Rahman ibn Muhammad, Sanchuelo, in: Príncipe de Viana, 78. Jahrgang, 2017, Nr. 269, S. 768 f.
  13. Laura Bariani: Almanzor, 2003, S. 208.
  14. Alberto Cañada Juste: Abd al-Rahman ibn Muhammad, Sanchuelo, in: Príncipe de Viana, 78. Jahrgang, 2017, Nr. 269, S. 769.
  15. Alberto Cañada Juste: Abd al-Rahman ibn Muhammad, Sanchuelo, in: Príncipe de Viana, 78. Jahrgang, 2017, Nr. 269, S. 769 f.
  16. Alberto Cañada Juste: Abd al-Rahman ibn Muhammad, Sanchuelo, in: Príncipe de Viana, 78. Jahrgang, 2017, Nr. 269, S. 770 f.
  17. Alberto Cañada Juste: Abd al-Rahman ibn Muhammad, Sanchuelo, in: Príncipe de Viana, 78. Jahrgang, 2017, Nr. 269, S. 771.
  18. Alberto Cañada Juste: Abd al-Rahman ibn Muhammad, Sanchuelo, in: Príncipe de Viana, 78. Jahrgang, 2017, Nr. 269, S. 772.
  19. Alberto Cañada Juste: Abd al-Rahman ibn Muhammad, Sanchuelo, in: Príncipe de Viana, 78. Jahrgang, 2017, Nr. 269, S. 772 f.
  20. Alberto Cañada Juste: Abd al-Rahman ibn Muhammad, Sanchuelo, in: Príncipe de Viana, 78. Jahrgang, 2017, Nr. 269, S. 773.
  21. Alberto Cañada Juste: Abd al-Rahman ibn Muhammad, Sanchuelo, in: Príncipe de Viana, 78. Jahrgang, 2017, Nr. 269, S. 773 f.