Abd al-Qādir Haidara

Abd al-Qādir Haidara ist ein malischer Bibliothekar und Bewahrer der Timbuktu-Handschriften, der durch die Rettung eines großen Teils dieser Bestände während der Besatzung der Stadt durch islamistische Milizen 2012–2013 internationale Bekanntheit erlangte.[1] Er leitet die Mamma-Haidara-Gedenkbibliothek in Timbuktu und steht der malischen Nichtregierungsorganisation SAVAMA-DCI (Sauvegarde et Valorisation des Manuscrits pour la Défense de la Culture Islamique) vor, welche die Bewahrung privater Handschriftenbibliotheken koordiniert.[2] Im August 2025 begann die malische Regierung mit der Rückführung erster Kisten aus Bamako nach Timbuktu, nachdem die Manuskripte dort über ein Jahrzehnt lang gelagert worden waren.[3]

Leben

Haidara stammt aus einer Gelehrtenfamilie in Timbuktu; sein Vater Mohammed „Mamma“ Haidara (1897–1981) war ein anerkannter Gelehrter und Sammler, der eine große Familienbibliothek begründete.[1] Nach dem Tod des Vaters wurde der 17-jährige Haidara 1981 vom staatlichen Ahmed-Baba-Institut als Hauptsammler berufen und vergrößerte den Bestand des Instituts durch ausgedehnte Reisen erheblich.[1] 1993 verließ er das Institut, professionalisierte die Mamma-Haidara-Bibliothek und warb zum Aufbau weiterer Privatbibliotheken internationale Unterstützung ein.[1]

Im Frühjahr 2012 besetzten Milizen aus dem Umfeld von Ansar Dine und AQMI Timbuktu; Haidara organisierte daraufhin das heimliche Verpacken der Manuskripte in Metallkisten und ihre Verlagerung in sichere Häuser innerhalb der Stadt, um sie der drohenden Zerstörung zu entziehen.[1] Anschließend ließ er die Bestände in Etappen – etwa über den Niger – nach Bamako bringen.[1] Kurz vor ihrem Rückzug verbrannten die Milizen im Ahmed-Baba-Institut etwa 4.200 Manuskripte; dennoch blieb der Großteil der Bestände erhalten.[1] Zeitgenössische Berichte sprachen davon, dass mehr als 95 % der Manuskripte unversehrt geborgen werden konnten.[4] Für seine Verdienste verlieh ihm die École normale supérieure de Lyon am 11. Oktober 2012 die Würde eines Doctor honoris causa.[2] Er ist zudem Träger des Deutschen Afrika-Preises (2014).

Wirken

Als Präsident von SAVAMA-DCI koordiniert Haidara die Unterstützung dutzender privater Bibliotheken, die Ausbildung lokaler Fachkräfte und die konservatorische Betreuung der Bestände.[2] Seit Dezember 2013 arbeitet seine Organisation mit der Hill Museum & Manuscript Library (HMML) in Bamako an einer großangelegten Digitalisierung; das Vorhaben schuf lokale Arbeitsplätze und professionalisierte die Sicherung der Bestände.[5] Der heimliche Evakuierungseinsatz wie auch die spätere Digitalisierung wurden u. a. durch den niederländischen Prince-Claus-Fonds und weitere Partner finanziell unterstützt.[5] Reportagen zeichneten Haidaras diskrete Führungsrolle nach – von der Beschaffung der Metallkisten bis zu Boots- und Geländewagenkonvois, mit denen die Handschriften in Sicherheit gebracht wurden.[6] Kommentatoren würdigten seine Arbeit als Symbol des intellektuellen Erbes Timbuktus und als Gegenentwurf zu kulturzerstörerischem Extremismus.[7] Mit der seit August 2025 begonnenen Rückführung einzelner Kisten nach Timbuktu rücken Fragen der klimaangepassten Lagerung und der öffentlichen Zugänglichkeit vor Ort erneut in den Vordergrund.[3]

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g The Brave Sage of Timbuktu: Abdel Kader Haidara. In: National Geographic. 21. April 2014, abgerufen am 20. September 2025 (englisch).
  2. a b c Abdel Kader Haidara, directeur de la Bibliothèque de Tombouctou. In: École normale supérieure de Lyon. 9. Dezember 2014, abgerufen am 20. September 2025 (französisch).
  3. a b Saved from militants, Timbuktu’s famed manuscripts return home after 13 years in Mali’s capital. In: Associated Press. 11. August 2025, abgerufen am 20. September 2025 (englisch).
  4. Inside the Secret Operation to Rescue Timbuktu’s Manuscripts. In: TIME. 21. Februar 2013, abgerufen am 20. September 2025 (englisch).
  5. a b HMML Digitizes Timbuktu’s Historic Manuscript Collections. In: Hill Museum & Manuscript Library (HMML). 31. März 2015, abgerufen am 20. September 2025 (englisch).
  6. How Timbuktu Saved Its Books. In: Harper’s Magazine. 4. Februar 2013, abgerufen am 20. September 2025 (englisch).
  7. L’homme qui a sauvé les trésors de Tombouctou. In: Le Monde Afrique. 22. April 2016, abgerufen am 20. September 2025 (französisch).