ATG-Winterlauf

Der ATG-Winterlauf ist eine seit 1970 stattfindende jährliche Laufsportveranstaltung der Aachener TG (ATG) in Aachen mit bis zu maximal 2500 Teilnehmern. Der Wettbewerb ist als Einziger in der Städteregion Aachen und auch darüber hinaus als „Start-Ziel-Strecke“ konzipiert, die seit 2022 über 16,1 Kilometer von Venwegen bis zum Sportplatz der ATG auf dem Aachener Chorusberg verläuft.

Die Laufveranstaltung ist bundesweit und international ausgeschrieben und beim Leichtathletik-Verband Nordrhein (LVN) offiziell angemeldet. Es gelten die Bestimmungen der Deutschen Leichtathletik-Ordnung (DLO) des Deutschen Leichtathletik-Verbandes und die Wertungen finden statt in den Altersklassen U18, U20, Männer und Frauen-Hauptklassen sowie ab W30/M30 alle fünf Jahre.[1]

Geschichte

Seit 1958 besaß die ATG im Vichtbachtal zwischen Mulartshütte und Zweifall ein Landjugendheim mit Freizeitsportanlagen. Auf Initiative des Vereinsmitglieds Klaus Wintgens (1930–2009) wurde im Jahr 1963 als Jahresabschluss ein Orientierungslauf ins Leben gerufen, bei dem etwas mehr als ein Dutzend Vereinsmitglieder von diesem Landjugendheim aus nach eigenständiger Orientierung zum Heimplatz der ATG laufen sollten. Diese inoffizielle Veranstaltung stieß auf großen Anklang und wurde in den folgenden Jahren mit immer mehr Teilnehmern wiederholt. Schließlich entschloss sich die Vereinsführung dazu, daraus ab 1970 eine offizielle Laufveranstaltung nach DLV-Regeln über eine festgelegte Strecke zu organisieren, die zunächst über 18,2 Kilometer ging. Obwohl die Frauen anfangs nur vereinzelt und außer Konkurrenz mitliefen, wurden sie erst ab 1975 offiziell in die Statistik mit aufgenommen und separat gewertet. Mit dem Aufschwung der Laufbewegung in den 1970er-Jahren stieg die Teilnehmerzahl von anfangs rund 300 Teilnehmern von Jahr zu Jahr auf weit über tausend an und auch bekannte Spitzenathleten nahmen nun vermehrt teil, darunter Wolf-Dieter Poschmann, Günter Mielke, Detlef Uhlemann, Michael Spöttel, Herbert Steffny, Karl Fleschen und Martin Grüning bei den Männern sowie Birgit Lennartz-Lohrengel, Petra Maak und Kristina Ziemons, die teilweise mehrmals als Sieger ins Ziel einliefen.

In den Jahren 1993 und 1994 wurde die Strecke versuchsweise auf die Halbmarathondistanz verlängert, aber schon 1995 kehrten die Ausrichter mangels Interesse und rückläufigen Anmeldungen wieder auf die Traditionsstrecke zurück. Nachdem in den 2000er-Jahren die Teilnehmerzahlen abermals massiv angestiegen waren, wurde gemäß behördlichen Auflagen das Starterfeld auf 2500 Läufer beschränkt.

Die COVID-19-Pandemie führte in den Jahren 2020 und 2021 zu einer Zwangspause, wobei die ausgefallene 2021er Veranstaltung im März 2022 nachgeholt werden durfte, sodass in jenem Jahr zwei ATG-Läufe durchgeführt wurden. Darüber hinaus sorgte die Flutkatastrophe 2021 dazu, dass Streckenabschnitte im Vichtbachtal nicht mehr begehbar waren und der Startplatz daraufhin zum Bürgerhaus Venwegen verlegt werden musste, wo sich unter anderen auch Sportplätze und Umkleidungsmöglichkeiten sowie sanitäre Anlagen befinden.[2] Dies wurde außerdem als organisatorische und funktionale Verbesserung angesehen, weil bereits Jahre zuvor das Jugendheim von der ATG aufgegeben worden war und es am alten Startplatz somit keine Funktionsräume mehr gab. Dies hatte zur Folge, dass sich die Streckenlänge auf 16,1 Kilometer verkürzte und den Teilnehmern auch ein „giftiger“ Anstieg aus dem Vichtbachtal nach Venwegen hinauf erspart blieb.

Organisation

Organisatorisch werden die Teilnehmer vom ATG-Sportplatz Chorusberg aus mit ausreichend vorhandenen Shuttle-Bussen rechtzeitig zum Startplatz gebracht, wo sie sich aufwärmen können. Die vor dem Start abgelegte Überbekleidung wird in markierten Beuteln mittels LKW-Transport zurück zum Zielplatz gefahren. Dort und im benachbarten Aachener Waldstadion stehen zahlreiche Umkleidekabinen und sanitäre Räume zur Verfügung, um sich entsprechend der herbstlichen und manchmal auch winterlichen Verhältnisse im Dezember schnell wieder umziehen und für die Siegerehrung auf dem ATG-Sportplatz vorbereiten zu können.

Weil bei der Streckenführung mehrere Land- und Hauptverkehrsstraßen durchlaufen oder überquert werden müssen, sichern sowohl die Polizei als auch Verkehrskadetten und zahlreiche ehrenamtliche Helfer des Vereins die neuralgischen Punkte ab. Darüber hinaus sind mehrere Rettungssanitäter mit ihren KTWs entlang der Strecke verteilt.

Streckenverlauf

Mehrfach musste die Strecke aufgrund höherer Gewalt verändert werden, so beispielsweise im Jahr 2010 wegen Glatteis, im Jahr 2016 wegen einer Baustelle in Venwegen und zuletzt ab 2022 nach der Flutkatastrophe.

Die derzeitige Streckenführung ab 2022 verläuft nach dem Start in Venwegen zumeist bergab über Wirtschaftswege aus dem Ort hinaus und über eine gesperrte Straße zum Nachbarort Kornelimünster hinunter, von wo aus sie auf den Vennbahnradweg geleitet wird. Auf diesem führt der Lauf bis Brand-Niederforstbach, bevor es nun wieder über die Wirtschaftswege des Brander Felds nach Aachen-Hitfeld weitergeht. Von dort führt die Strecke in den Aachener Wald hinein und hinunter zur Brücke über dem Beverbach, dann weiter zur Pionierquelle und in Richtung Alt-Linzenshäuschen, von dort an der Stauanlage Diepenbenden vorbei zum Zieleinlauf im ATG-Stadion Chorusberg.

Siegerliste

Ergebnislisten werden bei den Männern erst seit 1970[3] bei den Frauen seit 1975[4] geführt. Weil die Strecke im Laufe der Jahre mehrfach leicht modifiziert wurde, sind nicht alle Zeiten miteinander vergleichbar.

Jahr Männer Verein Zeit (min) Frauen Verein Zeit (min)
2025 Frederik Ruppert -3- Absolut Teamsport Rauscheid 46:40
(SR 16,1 km)
Laura Laermann -2- Absolut Teamsport Rauscheid 1:00:06
2024 Frederik Ruppert -2- LAV Stadtwerke Tübingen 46:41 Tamara Reeves TSV Bayer 04 Leverkusen 57:15
(SR 16,1 km)
2023 Frederik Ruppert SC Myhl Leichtathletik 48:32 Lisa Geldermann USC Bochum 1:02:51
2022 Alex Paulien TV Waldstraße Wiesbaden 52:06 Laura Laermann DLC Aachen 1:03:50
2022
(Ersatz für 2021)
Henrik Hoffmann ATG 52:04 Sonja Vernikov Ski-Keller Kaulard & Schroiff 58:50
2019 Dominik Fabianowski ASV Köln 59:50 Julia Kümpers ATG 1:08:36
2018 Nikki Johnstone ASICS Frontrunner 59:07 Kristina Ziemons -4- DLC Aachen 1:07:57
2017 Martin Heuschen ATG 59:08 Kira von Ehren SC Bayer 05 Uerdingen 1:10:56
2016 Mussa Hudrog -4- ATG 58:33 Kristina Ziemons -3- DLC Aachen 1:08:00
2015 Mussa Hudrog -3- ATG 56:05
(SR 18,2 km)
Franziska Fourne ATG 1:07:39
2014 Mussa Hudrog -2- ATG 57:12 Kristina Ziemons -2- DLC Aachen 1:07:57
2013 Mussa Hudrog ATG 57:50 Kristina Ziemons DLC Aachen 1:08:05
2012 Christoph Lohse TV Wattenscheid 60:14 Veronica Pohl -4- TSV Bayer 04 Leverkusen 1:07:27
2011 Abdelhadi EL Hachimi -2- Förderkreis Schwerkranker Kinder 56:36 Veronica Pohl -3- TSV Bayer 04 Leverkusen 1:06:22
2010 Abdelhadi EL Hachimi Runner Shop Aachen 57:08 Nina Kunz LG ASV DSHS Köln 1:08:36
2009 Lars Haferkamp -2- TV Refrath 59:37 Veronica Pohl -2- LG ASV DSHS Köln 1:06:17
2008 Lars Haferkamp TV Refrath 59:50 Veronica Pohl LG ASV DSHS Köln 1:06:07
(SR 18,2 km)
2007 Philipp Nawrocki -5- ATG 58:44 Claudia Leschnik -2- ATG 1:10:15
2006 Mario Kröckert TSV Bayer Leverkusen 57:06 Petra Maak TSV Bayer Uerdingen/Dormagen 1:08:18
2005 Philipp Nawrocki -4- ATG 58:44 Claudia Leschnik ATG 1:10:15
2004 Ronald Kurui Athletes for Athletes 57:06 Florence Chepsoi Athletes for Athletes 1:08:52
2003 Holger Ahrenberg TUSEM Essen 61:13 Ira Korsten LT DSHS Köln 1:11:11
2002 Alexander Lubina TV Wattenscheid 57:47 Kerstin Meisa ATG 1:09:25
2001 Philipp Nawrocki -3- ATG 57:13 Gabi Reiners -2- DLC Aachen 1:12:55
2000 Philipp Nawrocki -2- ATG 58:04 Tanja Pesch ATG 1:11:54
1999 Martin Block TSV Bayern Leverkusen 59:13 Gabi Reiners DLC Aachen 1:12:55
1998 Michael Wolf Dürener TV 1847 58:52 Iris Kleine DLC Aachen 1:11.15
1997 Jens Wilky LG Olympia Dortmund 58:12 Angelika Dunke -5- DLC Aachen 1:10:40
1996 Philipp Nawrocki ATG 60:04 Svetlana Waack DjK Frankenberg Aachen 1:09:48
1995 Marc Verrydt Runners Service Mol 59:48 Martina Zentis ATG 1:08:04
1994
(Halbmarathon)
Daniel de Clercq Runnes Service Mol 1:10:29 Angelika Dunke -4- DLC Aachen 1:20:53
1993
(Halbmarathon)
Frank Horvath LAC Oberhausen 1:09:45 Angelika Dunke -3- DLC Aachen 1:22:41
1992 Martin Grüning LAV Bayer Leverkusen/Dormagen 57:43 Angelika Dunke -2- DLC Aachen 1:10:12
1991 Michael Reuel DjK Frankenberg Aachen 59:02 Birgit Lennartz-Lohrengel -7- ASV St. Augustin 1:08:33
1990 Dietmar Schmeide SG Düren 99 58:47 Birgit Lennartz-Lohrengel -6- ASV St. Augustin 1:09:12
1989 Cor Lambrecht Unitas Sittard 58:08 Angelika Dunke DLC Aachen 1:08:26
1988 Martin Grüning LAV Bayer Leverkusen/Dormagen 55:40 Tanja Kalinowski OSC Dortmund 1:09:04
1987 Eddy Hellebuyck ASV St. Augustin 56:27 Monika Lövenich DjK LC Vettweiß 1:05:13
1986 Eberhard Weyel LG Mengerskirchen 57:40 Sigrid Wulsch SV Menden 1:08:39
1985 Karl Fleschen -2- LG Bayer Leverkusen 52:39 Birgit Lennartz-Lohrengel -5- ASV St. Augustin 1:04:00
1984 Herbert Steffny Post Jahn Freiburg 51:30 Birgit Lennartz-Lohrengel -4- ASV St. Augustin 1:02:52
1983 Michael Spöttel LGK Verden 52:17 Birgit Lennartz-Lohrengel -3- ASV St. Augustin 1:03:37
1982 Albert von Campfort SGOLA Boechout 53:43 Birgit Lennartz-Lohrengel -2- ASV St. Augustin 1:04:32
1981 Callum Murray RAF Cross England 55:15 Birgit Lennartz-Lohrengel ASV St. Augustin 1:09:20
1980 Karl Fleschen LG Bayer Leverkusen 51:46 Petra Jander SFD Düsseldorf 1:05:25
1979 Hans-Jürgen Ortmann VfL Wehbach 54:12 Brunhilde Knopf -2- Alemannia Aachen 1:06:25
1978 Harald Eifert SV Schlafhorst Übach-Palenberg 54:12 Brunhilde Knopf Alemannia Aachen 1:12:18
1977 Marc Smeets SGOLA Boechout 53:43 Nadine Claes Diest 1:06:10
1976 Theo Geutjes -2- Fit Zeist / NL 54:37 Irene Wentzel Hellas Utrecht 1:12:22
1975 Theo Geutjes Fit Zeist / NL 55:00 Claire Spauwen Achilles Top Kerkrade 1:08:12
1974 Wolf-Dieter Poschmann TV Wattenscheid 54:41
1973 Detlef Uhlemann LC Bnn
1972 Günter Mielke -2- ASV Köln 54:22
1971 Günter Mielke ASV Köln 54:19
1970 Wolfgang Gloede ATG 56:25

Einzelnachweise

  1. 62. Winterlauf, Ausschreibung auf den Seiten des LVN
  2. Holger Richter: Die Richtung bei Winterlauf und Co. stimmt wieder, in: Aachener Zeitung vom 2. Dezember 2023
  3. Siegerliste Männer
  4. Siegerliste Frauen