ABC-Schutz
Als ABC-Schutz oder heutzutage CBRN-Schutz bezeichnet man den Schutz vor Atomaren, Biologischen und Chemischen-Gefahren bzw. Agenten oder Agenzien, einschließlich der Risiken die von Massenvernichtungswaffen oder Gefahrgutunfällen ausgehen. Dabei bedeuten die drei Buchstaben:
- A = Gefahren durch Atomwaffen, bzw. der Auswirkungen einer Kernwaffenexplosion und der Auswirkungen eines hypothetischen Kriegs mit nuklearen Kampfmitteln (viz. Atomkrieg); generell handelt es sich hierbei um den Schutz vor ionisierender Strahlung und Wärmestrahlung (vgl. Strahlenschutz) sowie dem Schutz vor radioaktiver Kontamination, nebst den anderen Effekte einer Kernwaffenexplosion (siehe dort);
- B = Gefahren durch Biowaffen, prinzipiell spezielle Viren, Bakterien oder Toxine
- C = Gefahren durch Chemiewaffen, eine Vielzahl von chemischen Verbindungen oder Moleküle (vgl. auch Giftstoffe) in verschiedenen Aggregatzuständen (Flüssig, Gas, Fest)
Diese Waffentypen sind dadurch gekennzeichnet, dass sie beispielsweise sofortigen Tod oder die Vernichtung einer großen Anzahl von Menschen (Massen) oder anderen Lebewesen mit teilweise irreparablen Schäden verursachen können. Sie stellen seit dem 20. Jahrhundert eine Bedrohung für die internationale Sicherheit dar. Die Produktion, der Test und die Verbreitung von ABC-Waffen werden daher seitdem durch eine Vielzahl von Rüstungskontroll- und Abrüstungsabkommen eingeschränkt und die ABC-Schutzmaßnahmen seither weiterentwickelt.
ABC-Schutz wird generell durch verschiedene präventive oder kurative Maßnahmen gewährleistet: Beispielsweise direkt durch eine spezielle Kontaminationsschutzkleidung, Atemschutz (Vollmaske), Schutzräume und Bunkeranlagen oder indirekt durch das Abspüren gefährdeter und Abgrenzen kontaminierter oder Bereiche. Für B und C-Agenzien muss eine Inkorporation vermieden werden.
Ein weiterer Bereich ist die Forschung und Entwicklung zu dem Thema.[2]
Begriffe und Definitionen
Im deutschsprachigen und internationalen Raum gebräuchliche Bezeichnungen bzw. Abkürzungen zu „ABC“ sind:[3]
- CBRN für Chemisch, Biologisch, Radiologisch und Nuklear, wobei das Atomar aus dem ABC präzisiert wird als Gefahr durch radiologische (radioaktive, strahlende Stoffe bzw. ionisierende Strahlung) und nukleare Mittel (Atomwaffen, große kerntechnische Unfälle). Die Abkürzung CBRN ist heute in Verwendung anstatt ABC.
- CBRNE mit einer Ergänzung für Gefahren im Zusammenhang Explosionsgefährdete Stoffe bzw. Explosivstoffen oder andere Substanzen die detonieren (vgl. auch Deflagration) oder ähnliche Effekte zeigen.
- GSG für Gefährliche Stoffe und Güter, wobei letztere Bezeichnung atomare und biologische Schadstoffe, die nicht als Güter gelagert oder transportiert werden, nicht mit umfasst.
Dementsprechend spricht man bei einem Einsatzszenario mit derartigen Gefahren von einem ABC-Einsatz, CBRN- bzw. CBRNE-Einsatz, GSG-Einsatz (Einsatz mit gefährlichen Stoffen und Gütern) oder auch Gefahrstoffeinsatz. In Österreich ist zudem die Bezeichnung Schadstoffeinsatz gebräuchlich.
Zuständigkeiten
Deutschland
In Deutschland obliegt der ABC-Schutz für militärisches Personal der Bundeswehr (siehe ABC-Abwehr oder die ABC-Abwehrtruppe); der ABC-Schutz für die Zivilbevölkerung ist in der Zuständigkeit des Bundesinnenministeriums im Rahmen des Zivilschutzes bzw. der Länder im Rahmen des Katastrophenschutzes (vgl. auch ABC-Dienst). Hierbei wird meistens auf Spezialeinheiten der Feuerwehr und anderer Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben zurückgegriffen.
Vereinigte Staaten
In den USA sind eine Vielzahl von Organisationen am ABC-Schutz beteiligt, z. B. das Departments of Homeland Security (DHS).[4][5] Die Environmental Protection Agency (EPA) informiert auch zu dem Thema ionisierende Strahlung.[6]
Im Falle von akuten Unfällen oder Schäden durch Strahlung, beispielsweise im Umfeld der Kerntechnik oder medizinischer Nutzung der Strahlung (vgl. Radiologie u. a.) berät die Radiation Emergency Medical Management (REMM) des Department of Health & Human Services (HHS).[7] Weitere Informationen hat auch das Centers for Disease Control and Prevention (CDC).[8]
Schweiz
In der Schweiz das Bundesamt für Bevölkerungsschutz.[9] Das Labor Spiez ist außerdem eine Fachstelle für ABC-Schutz.
Einteilung der Maßnahmen
Die Einteilung der Maßnahmen kann nach Ausmaß des Einsatzfeldes, Methode oder dem verwendeten Gefahrstoff bzw. Waffentyp erfolgen.
Ausmaß
Abhängig vom Ausmaß des Einsatzfeldes variieren die im Zivil- und Katastrophenschutz angeforderten Spür- und Messmittel analog zu den Versorgungsstufen im Bevölkerungsschutz. Dies entspricht dem CBRN-Ausstattungskonzept für die ergänzende Ausstattung des Bundes für den Katastrophenschutz:
- Stufe 1: reguläre (im Zivilbereich: kommunale) Messtechnik
- Stufe 2: CBRN-Erkundungswagen (CBRN ErkW, vormals ABC-Erkundungskraftwagen ABC-ErkKW)[10]
- Stufe 3: zusätzliche CBRN ErkW an Gefährdungsschwerpunkten
- Stufe 4: Analytische Task Force (ATF)
Methodische Aufteilung
- Medizinischer ABC-Schutz: Prophylaxe, Diagnostik, Triage, Therapie usw.
- Militärischer ABC-Schutz: ABC-Abwehr-Trupp (vgl. Spürtrupp), Truppen Entseuchungs Platz (TEP), Dekontaminationsanlage/-platz, Kampfstoffspüren
- Technischer ABC-Schutz: Dieser gliedert sich auf in:
- Dekontamination (Entstrahlung, Entwesung, Entseuchung, Entgiftung) zur Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft (militärisch) bzw. zur Rückkehr zu normalen Lebensumständen
- Detektion (Erkundung) und Warnung vor der Gefahr
- Schutz des Lebens und der Gesundheit
- Individueller oder Einzelschutz (Schutzbekleidung, Schutzmaske)
- Kollektiver oder Sammelschutz
Nach Waffen
Im Kalten Krieg spielten Atom- bzw. Kernwaffen eine zentrale Rolle zwischen den Supermächten USA und der ehemaligen Sowjetunion. Diese Waffen besitzen ein enormes Zerstörungspotenzial mit überlebensbedrohlichen Konsequenzen für die Menschheit im Falle eins Atomkriegs. Mit dem Zerfall der Sowjetunion wurden die großen Atomwaffenbestände der Atomstreitkräfte zwar reduziert, aber nicht vollständig abgerüstet. Seit den 1990er Jahren sind mögliche nukleare Terroranschläge (vgl. auch radiologische Waffen, umgangssprachlich auch „schmutzige Bomben“) die größte Sorge der Länder USA und Russland, verschärft durch die nichtnuklearen Terroranschläge auf die USA. Infolge einer sich verändernden weltweiten Sicherheitslage seit den 2020er Jahren stellen Atomwaffen nach wie vor eine Bedrohung dar.
Ein Schutz vor B- und C-Waffen kann bei einem erkannten Angriff in begrenztem Umfang durch geeignete Schutzvorkehrungen erreicht werden; bei einem unerkannten oder verdeckten Angriff ist ein solcher Schutz jedoch äußerst schwierig, wenn nicht unmöglich.
Für militärisches Personal ist zumindest für Teileinheiten ein fast vollständiger Schutz gegen B- und C-Waffen möglich, sofern ein solcher Einsatz frühzeitig erkannt werden kann. Der wirksame Schutz der Zivilbevölkerung ist im Verteidigungsfall zwar schwerer als der der Militärangehörigen möglich, aber dennoch eingeschränkt umsetzbar, da hier eher mit der Anwendung solcher Waffen gerechnet werden kann. Bei einem unerwarteten militärischen Angriff und besonders bei Zwischenfällen im Frieden, wie z. B. bei Terroranschlägen, ist aufgrund des Nichterkennens eines Angriffes durch arglose Personen, des verzögerten Eintritts der Waffenwirkung, die es naturgemäß besonders bei vielen B-Kampfstoffen gibt, und der an Zahl und Qualität ungenügenden Ausstattung mit Schutzmitteln fast unmöglich, einen wirksamen Schutz herzustellen.
Sammelschutz
Der Begriff Sammelschutz bezeichnet den gemeinsamen Schutz einer Gruppe von Menschen vor ABC-Kampfmitteln. Der Begriff umfasst den Schutz sowohl von Soldaten wie auch von Zivilisten, die gemeinsam in einem definierten Raum vor den meisten ABC-Kampfstoffen geschützt sind. Im Gegensatz zum individuellen Schutz, z. B. durch eine Maske, werden die betroffenen Personen gemeinsam durch eine ABC-Schutzanlage z. B. mit Frischluft versorgt.
Der geschützte Raum kann ein Fahrzeug, Zelt, Container oder Gebäude sein, das nahezu luftdicht von der Umgebungsluft getrennt ist. Im geschützten Bereich wird mit Hilfe der ABC-Schutzanlage ein Überdruck erzeugt, der verhindert, dass Kampfstoffe in den Innenraum gelangen. Auf Schiffen und Booten der Marine ist dieser Schutz in Form der sogenannten Zitadelle umgesetzt, die bei entsprechenden Lagen komplett schutzbelüftet ist.
Forschungseinrichtungen
Deutschland
- Der Laborverbund Nationales Labornetzwerk für die Diagnostik von BT-Agenzien (NaLaDiBA)[11]
- Wehrwissenschaftliches Institut für Schutztechnologien – ABC-Schutz – ABC-Schutz der Bundeswehr
- Institut für Radiobiologie der Bundeswehr – medizinischer A-Schutz
- Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr – medizinischer B-Schutz
- Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Bundeswehr – medizinischer C-Schutz
Siehe auch
- Internationale Strahlenschutzkommission (ICRP)
- Kernstrahlungsmesstechnik
- Radiologie
- Radiotoxikologie
- Strahlenphysik
Literatur
- Hans-Peter-Plattner: Die Roten Hefte, Heft 36a – Gefahrgut-Einsatz. 4. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 2000, ISBN 978-3-17-013520-8.
- Andreas Kühar, Klaus Ehrmann: CBRN-Schutz in der Gefahrenabwehr. 1. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 2020, ISBN 978-3-17-030975-3.
- Andre Richardt, Birgit Hülseweh, Bernd Niemeyer, Frank Sabath (Hrsg.): CBRN Protection: Managing the Threat of Chemical, Biological, Radioactive and Nuclear Weapons. Wiley-VCH Verlag GmbH, Weinheim 2013, ISBN 3-527-32413-5, doi:10.1002/9783527650163 (englisch).
- Peter D.E. Biggins, Deeph Chana (Hrsg.): CBRNE: Challenges in the 21st Century (= Advanced Sciences and Technologies for Security Applications). Springer International Publishing, Cham 2022, ISBN 978-3-03117373-8, doi:10.1007/978-3-031-17374-5 (englisch).
Weblinks
- CBRN Schutz. CBRN Schutz versus ABC Schutz. In: www.bbk.bund.de. Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.
Einzelnachweise
- ↑ Kollektiv, BBK: Taktische Zeichen im Bevölkerungsschutz. Hrsg.: BBK. 1. Auflage. Bonn 2024, ISBN 978-3-949117-29-9 (einsatztraining.de [PDF]).
- ↑ Maurizio Martellini, Ralf Trapp (Hrsg.): 21st Century Prometheus: Managing CBRN Safety and Security Affected by Cutting-Edge Technologies. Springer International Publishing, Cham 2020, ISBN 978-3-03028284-4, doi:10.1007/978-3-030-28285-1 (englisch, springer.com [abgerufen am 9. Januar 2026]).
- ↑ Andre Richardt, Birgit Hülseweh, Bernd Niemeyer, Frank Sabath (Hrsg.): CBRN Protection: Managing the Threat of Chemical, Biological, Radioactive and Nuclear Weapons. 1. Auflage. Wiley, 2013, ISBN 978-3-527-32413-2, doi:10.1002/9783527650163 (englisch, wiley.com [abgerufen am 8. Januar 2026]).
- ↑ National Strategy for Chemical, Biological, Radiological, Nuclear, and Explosives (CBRNE) Standards | Homeland Security. In: DHS. Abgerufen am 8. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Radiation Emergencies | Ready.gov. In: Ready.gov. DHS, abgerufen am 8. Januar 2026 (englisch).
- ↑ OAR US EPA: Radiation Protection. EPA, 16. Juli 2014, abgerufen am 8. Januar 2026 (englisch).
- ↑ REMM - Radiation Emergency Medical Management. HHS, abgerufen am 8. Januar 2026 (englisch).
- ↑ CDC: Radiation Emergencies. 8. Mai 2024, abgerufen am 8. Januar 2026 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Bundesamt für Bevölkerungsschutz BABS. BABS, abgerufen am 8. Januar 2026.
- ↑ BBK (2013): Ergänzung des Katastrophenschutzes der Länder für Zwecke des Zivilschutzes; Bezeichnungen (AZ.: III.6-569-00). (Seite 4) ( vom 15. April 2016 im Internet Archive; PDF)
- ↑ Labornetzwerk & Kooperationen. BBK, abgerufen am 9. Januar 2026.