21-cm-Versuchsmörser L/10
| 21-cm-Versuchsmörser L/10 | |
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| Allgemeine Angaben | |
| Entwickler/Hersteller | Friedrich Krupp AG |
| Waffenkategorie | Mörser |
| Technische Daten | |
| Kaliber | 21 cm |
| Kaliberlänge | L/10 |
| Drall | 5° – 12° (Vers. Mrs. Nr. 1) |
| Seitenrichtbereich | 2° (je Seite) |
Der 21-cm-Versuchsmörser L/10 (kurz 21-cm-Vers. Mrs. L/10), später auch als 21-cm-Versuchsmörser 06 bezeichnet, waren mehrere schwere Mörser des Deutschen Kaiserreiches, welche ab 1903 getestet wurden.
Entwicklung
Die Abteilung der Fußartillerie hatte die Entwicklung des Rohrrücklaufs seit 1897 verfolgt. Am 29. Juli 1899 gab die Abteilung an das preußische Kriegsministerium einen Bericht ab, dass die Friedrich Krupp AG mit der Abteilung in Verbindung getreten sei, um verbesserte Mörserlafetten vorzustellen. Zwei Entwürfe eines Mörser mit Rohrrücklauf wurden vorgestellt, bei denen aber noch nicht die Erfahrung vorhanden war, dass der Rohrrücklauf und der Aufbau der Lafette eng miteinander zusammenhängen. So wurde aus Ersparnisgründen das alte Mörserrohr des 21-cm-Mörser 99 weiter genutzt und erst zu einem späteren Zeitraum durch ein neueres ersetzt.[1]
Auf Grund der durchgeführten Versuche wurde bei Krupp wurde ein neuer Mörser bestellt, dessen Konstruktion sich an der in Erprobung befindlichen 15-cm-schwere Feldhaubitze 02 orientieren sollte. Als weitere Bedingung wurde die Benutzung des vorhandenen Geschützrohres aus Stahl und der vorhandenen Bettungswagen verlangt. Bei den maximalen Gewichten der Fahrzeuge wurde 4 t als Höchstgrenze gesetzt. Krupp konnte im November 1903 den ersten Versuchsmörser vorstellen.[1] Trotz der komplizierten und schwierigen Konstruktion eines Rücklaufmörsers und der unzureichenden Lafette, sah man dennoch Potential und verfolgte das Projekt weiter. Man musste allerdings die Anforderungen an die ballistischen Leistungen heruntersetzten und hielt eine Feuerreichweite von 7 km als ausreichend. Der Generalstab verlangte zudem nur eine Feuerreichweite von 6 km.[2]
Auf Anfrage der Artillerieprüfungskommission (kurz A.P.K.) beim preußischen Kriegsministerium, ob man eine Erleichterung der Konstruktion durch eine maximalen Rohrerhöhung bei maximal +45 Winkelgrad erreichen könnte, wurde dies abgelehnt. Daraufhin beantragte man am 11. Oktober 1904 einen neuen und leichteren Mörser. Bereits am 28. Oktober 1904 wurde der Antrag genehmigt. Am 31. Januar 1905 berichtete die A.P.K., dass Krupp einen leichteren Mörser ohne Bettung bauen könnte. Am 24. Januar bestellte man den neuen Mörser und Krupp führte 1905 mehrere Versuche durch, um die gestellte Aufgabe zu lösen. Die produzierten Mörser stellte Krupp auf eigenen Rechnung her und am 31. Januar 1906 konnte Krupp dann den zweiten Versuchsmörser präsentieren.[2]
Eine weitere Erprobung fand durch die A.P.K. statt, dennoch genügte dieser zweite Versuchsmörser den Anforderungen immer noch nicht. 1906 stellte Krupp deshalb zwei neue Mörser vor. Den 21-cm-Versuchsmörser L/10 mit veränderlichem Rücklauf und den 21-cm-Versuchsmörser L/10 mit ständigem Rücklauf mit Luftvorholer oder Federvorholer. Nach eingehenden Tests entschied man sich für den 21-cm-Versuchsmörser L/10 mit ständigem Rücklauf und Federvorholer.[3]
Trotzdem kam es nicht zu einer offiziellen und flächendeckenden Einführung des 21-cm-Versuchsmörser L/10. Seitdem man Brisanzgranaten eingeführt hatte, wurden nahezu alle Befestigungen wesentlich verstärkt. Da die Entwicklung des Versuchsmörser L/10 dem Generalstab zu langsam ging, hatte sich dieser ohne dem Wissen der A.P.K. oder des Kriegsministerium mit Krupp in Verbindung gesetzt und einen Belagerungsmörser mit einer Reichweite von 9 km gefordert, was zur Konstruktion des 21-cm-Versuchsmörser L/12 von Krupp und dem 21-cm-Versuchsmörser L/15 von Ehrhardt führte.[4]
Technische Beschreibung
Versuchsmörser Nr. 1
Der erste 21-cm-Versuchsmörser L/10 glich im Aufbau der 15-cm-schwere Feldhaubitze 02. Das Gewicht in der Feuerstellung lag bei 5,86 t und war damit um eine Tonne höher als bei dem bereits eingeführten Mörser 99. Unter dem Geschützrohr wurden die beiden Rohrrücklaufbremsen mit je zwei Vorholfedern verbaut. Mit beiden Bauteilen war ein Rücklauf von 65 cm möglich. Bei einer Mündungsgeschwindigkeit von 311 m/s konnten die 120 kg schweren Granaten bis zu 7,7 km weit geschossen werden.[1]
Das seitliche Richten wurde durch einen, im Wiegenträger lagernden Drehzapfen der Rohrwiege ermöglicht. Hierbei war ein seitliches Richten nach rechts und links um jeweils 2 Winkelgrad möglich, bevor die komplette Lafette gedreht werden musste. Die Visiereinrichtung war identisch zur Feldhaubitze 02 und verfügte über eine Gradeinteilung und eine Vorrichtung zum Ausschalten eines schiefen Radstandes.[1]
Als Ersatz der Bettung wurde ein Rohrmattenstapel mit dazwischenliegenden Stahlplatten ausgegeben. Dennoch sank der Mörser in der Stellung zu tief ein, auch wenn sechs Rohrmatten mit drei Stahlplatten verwendet wurden.[1] Aus diesem Grund versuchte man erfolglos Halbholzunterlagen mit je einem Gewicht von 326 kg zu nutzen. Auch die Verwendung dreiteiliger Radgürtel mit einer Breite von 41 cm, welche unter die 20 cm breiten Räder gelegt wurde, war erfolglos.[2]
Versuchsmörser Nr. 2
Der zweite 21-cm-Versuchsmörser L/10 war 700 kg leichter als der Versuchsmörser Nr. 1 und kam damit auf ein Gewicht von 5,2 t. Bei einer Mündungsgeschwindigkeit von 288 m/s lag die Feuerreichweite bei 7 km. Die Verschossenen Granaten hatten ein Gewicht von 119 kg. Der Höhenrichtbereich lag zwischen −10 und +60 Winkelgrad. Das seitliche Richten war mit 2 Winkelgrad zu jeder Seite identisch zum Versuchsmörser Nr. 1.[2]
Das Geschützrohr hatte einen Schubkurbelverschluss und einen neuen, veränderlichen Rücklauf. Lag die Rohrerhöhung bei +20 Winkelgrad, so lag der Rohrrücklauf bei 93 cm. Wurde das Rohr auf die maximal Erhöhung von +60 Winkelgrad gebracht, lag der Rohrrücklauf immer noch bei 70 cm.[2] Der verbaute Federvorholer bestand aus zwei, um den Bremszylinder gelegte, Federsäulen. Die Lafette verfügte über einen festen Eissporn und einen umlegbaren Klappsporn.[3]
Versuchsmörser Nr. 3
Der dritte 21-cm-Versuchsmörser L/10 war der letzte Versuchsmörser in der Reihe der 21-cm-Mörser mit Rohrrücklauf. Das Geschützrohr war ein Seelenrohr mit einem Mantel und einem waagerechten Schubkurbelverschluss. Die Rohrbremse und der Federvorholer lagen unter dem Geschützrohr.[5]
Eine entscheidende Verbesserung betraf den Schildzapfen des Geschützrohres. Dieser wurde nach hinten verlegt und ermöglichte damit auch bei einer großen Rohrerhöhung einen ständig langen Rohrrücklauf von 90 cm.[3] Der Höhenrichtbereich lag bei +4 bis +60 Winkelgrad. Zu den Seiten war der Mörser, wie auch seine Vorgänge, um je 2 Winkelgrad zu jeder Seite drehbar.[5]
Um das Einsinken zu verbinden und die Standfestigkeit zu verbessern, griff man erneut auf Radgürtel zurück. Durch Verbesserungen und Anpassungen wurden diese soweit angepasst, das ein tiefes Einsinken beim Fahren und Feuern verhindert werden konnte. Der Grund hierfür lag dabei auf der Anzahl der Gürtelteile. Dabei lagen immer drei Gürtelteile auf dem Boden und konnten somit den Druck auf den Boden besser verteilen. Die Nutzung von Rohrmatten oder einer Bettung wurde überflüssig.[3] Die Radgürtel hatte eine Breite von 33 cm und bestand jeweils aus 10 Holzplatten und 10 Stahlschuhen. Das Gewicht lag bei 750 kg.[5]
Das Gesamtgewicht hatte sich leicht erhöht und lag bei 5,38 t, was aber durch den neuen Radgürtel nicht von belang war.[5]
Einsatz
Die Versuche mit dem Versuchsmörser Nr. 1 führten nicht zum gewünschten Ziel. Der Rohrrücklauf von 65 cm war zu gering und mit 5,86 t war der Mörser deutlich zu schwer, zu unhandlich und auf weichem Boden nicht standfest. Bei einem Besuch des Kaisers Wilhelm II. am 18. Mai 1904 in der Heeresversuchsanstalt Kummersdorf, wurde ihm dieser Mörser dennoch vorgeführt, welcher mittelmäßig abschloss. Trotzdem war der Kaiser überzeugt und befahl, das Konzept weiter zu betrachten und zu verbessern.[2]
Am 31. Januar 1906 stellte Krupp seinen zweiten Versuchsmörser auf dem Firmeneigenen Schießplatz in Meppen vor, doch auch dieser konnte nach weiteren Tests nicht überzeugen.[2]
Der Versuchsmörser Nr. 3 überzeugte die A.P.K., weshalb im Jahr 1906 zwei Batterien zu je vier Mörsern für den Truppenversuch bestellt wurden.[3] Flächendeckend eingeführt wurde der Mörser jedoch nicht.[4]
Verbleib
Vom 21-cm-Versuchsmörser L/10 ist heute ein Exemplar erhalten geblieben. Dieser befindet sich im australischen Red Cliffs im Bundesstaat Victoria.
Weblinks
Literatur
- Wolfgang Fleischer: German artillery:1914-1918. Pen & Sword Military, Barnsley 2015, ISBN 978-1-4738-2398-3.
- Herman Schirmer: Das Gerät der schweren leichten Artillerie. Bernard & Graefe, Berlin 1937.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e Herman Schirmer: Das Gerät der schweren leichten Artillerie. 1937, S. 90.
- ↑ a b c d e f g Herman Schirmer: Das Gerät der schweren leichten Artillerie. 1937, S. 91.
- ↑ a b c d e Herman Schirmer: Das Gerät der schweren leichten Artillerie. 1937, S. 92.
- ↑ a b Herman Schirmer: Das Gerät der schweren leichten Artillerie. 1937, S. 95.
- ↑ a b c d Herman Schirmer: Das Gerät der schweren leichten Artillerie. 1937, S. 94.