100th Infantry Battalion

Das 100th Infantry Battalion war eine US-amerikanische Militäreinheit, die während des Zweiten Weltkriegs nahezu vollständig aus japanischstämmigen US-Soldaten von Hawaii bestand.[1] Die Einheit gilt als die erste, die im Zweiten Weltkrieg in den Kampfeinsatz gelangte, und spielte eine zentrale Rolle bei der Wiederzulassung japanischstämmiger Rekruten zum aktiven Militärdienst. Die überwiegende Mehrheit der Einheit bestand zwar aus japanischstämmigen Amerikanern, es gab jedoch auch einige Hapa (Hapa, ein hawaiianisches Wort für jemanden mit gemischter ethnischer Herkunft: Es bezieht sich auf jede Person mit gemischter ethnischer Herkunft, unabhängig von der spezifischen Mischung) sowie solche ohne japanische Vorfahren, die sich jedoch dafür entschieden hatten, bei ihren Freunden zu bleiben.[2]

Geschichte

Nach der Wiedereinführung der Wehrpflicht in den Vereinigten Staaten im Oktober 1940 traten mehrere tausend Männer den Regimentern 298th und 299th der Hawaii National Guard bei, darunter rund 1400 japanischstämmige Amerikaner. Diese Bevölkerungsgruppe machte damals etwa 40 Prozent der Einwohner des Territoriums Hawaii aus. Nach dem Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 wurden die Regimenter „federalisiert“ und zur Verteidigung der Inseln eingesetzt. Parallel dazu wurde die Hawaii Territorial Guard (HTG) zur Bewachung kritischer ziviler Einrichtungen gegründet. Kurz darauf wurden japanischstämmige Soldaten aus Sorge um ihre Loyalität aus der HTG ausgeschlossen. Mit der Einstufung aller japanischstämmigen Amerikaner in die Kategorie 4-C („enemy aliens“) und der Unterzeichnung von Executive Order 9066 im Februar 1942 folgten massenhafte Internierungen japanischstämmiger Zivilisten. Im Mai 1942 befanden sich rund 1400 japanischstämmige Soldaten in Schofield Barracks. Angesichts der drohenden Schlacht um Midway galten sie den Militärbehörden als mögliches Sicherheitsrisiko. Ende Mai 1942 wurden sie als „Hawaiian Provisional Infantry Battalion“ zur Verschiffung auf das US-Festland bestimmt. Nach ihrer Verlegung erreichten sie am 5. Juni 1942 San Francisco und erhielten die Bezeichnung „100th Infantry Battalion (Separate)“ – eine Einheit ohne Regiment und ohne festen organisatorischen Anschluss.[2]

Grundausbildung

Das Bataillon erreichte Camp McCoy in Wisconsin, wo es disziplinierte und leistungsstarke Ausbildungsergebnisse erzielte. Kommandeur war Lt. Col. Farrant Turner, der von Capt. James Lovell und weiteren Offizieren, darunter 16 japanischstämmige Amerikaner, unterstützt wurde. Turner setzte sich nachdrücklich für seine Männer ein und widersetzte sich rassistischen Vorurteilen. Während es in Camp McCoy zu einzelnen Spannungen mit weißen Soldaten kam, wurden die Männer in den umliegenden Gemeinden überwiegend positiv aufgenommen. Die Rettung mehrerer Personen aus einem zugefrorenen See erregte große Aufmerksamkeit. Die weitere Ausbildung erfolgte im Camp Shelby in Mississippi. Dort trat der koreanischstämmige Offizier Young Oak Kim der Einheit bei. Er lehnte eine Versetzung ab und avancierte später zu einem der bekanntesten Offiziere des Bataillons. Die Soldaten erhielten in der segregierten Südstaatengesellschaft Sonderanweisungen, etwa zur Nutzung „weißer“ Einrichtungen. Vor dem Abmarsch wählten sie das Motto „Remember Pearl Harbor“. Am 21. August 1943 verließ das Bataillon die USA in Richtung Nordafrika.[2]

Kampfeinsätze

Nach der Ankunft in Algerien wurde das Bataillon der 34. Infanterie-Division (Red Bull Division) zugeteilt. Es landete am 22. September 1943 bei Salerno in Italien. Nur wenige Tage später fiel Sgt. Shigeo „Joe“ Takata, der erste Gefallene der Einheit. Anschließend kämpfte die Einheit in schweren Gefechten, insbesondere in der Schlacht um Monte Cassino, wo sie hohe Verluste erlitt. Von ursprünglich rund 1300 Soldaten waren nach Cassino weniger als 600 kampffähig. Aufgrund der hohen Zahl an Gefallenen erhielt die Einheit die Bezeichnung „Purple Heart Battalion“. Mit der Ankunft des 442nd Regimental Combat Teams in Italien wurde das 100th Infantry Battalion als erstes von drei Infanteriebataillonen dem Regiment angegliedert, durfte jedoch seine ursprüngliche Bezeichnung behalten. Anschließend kämpfte das Bataillon in Südfrankreich und später erneut in Italien, wo es an der Durchbrechung der Gothic Line beteiligt war.[2]

Nachkriegszeit

Nach dem Krieg gründeten die Veteranen in Honolulu einen bis heute bestehenden Veteranenklub. Dieser wird durch monatliche Beiträge finanziert, die die Mitglieder bereits während ihres Einsatzes zurückgelegt hatten. Der Klub gibt seit 1946 die Zeitschrift „Puka Puka Parade“ heraus. Der Titel spielt auf die Nummer des Bataillons – eins null null – an, indem er das hawaiianische Wort „puka“ verwendet, das „Loch“ bedeutet und für die Zahl Null steht.[2]

Zahlreiche ehemalige Angehörige des 100th Infantry Battalion spielten bedeutende Rollen im öffentlichen Leben Hawaiʻis, darunter Politiker wie Sakae Takahashi, Mike Tokunaga und Senator Spark Matsunaga, Juristen wie Jack Mizuha, Unternehmer wie Mitsuyoshi Fukuda sowie Autoren wie Ben Tamashiro. Im Jahr 2000 wurden nach einer Untersuchung über rassistische Benachteiligungen während des Krieges 20 Medals of Honor nachträglich an japanischstämmige Soldaten verliehen, darunter acht an Angehörige des 100th Infantry Battalion. Zuvor war bereits Sadao Munemori mit der Medal of Honor ausgezeichnet worden. Das 100th Infantry Battalion gilt heute als Ursprungseinheit des später berühmten 442nd Regimental Combat Teams und zählt zu den kampferfahrensten US-Infanterieeinheiten des Zweiten Weltkriegs.[2]

Literatur

  • Robert Asahina, Just Americans: How Japanese Americans Won a War at Home and Abroad, Gotham, New York, 2006
  • Thelma Chang, I Can Never Forget: Men of the 100th/442nd, Sigi Productions, Honolulu, 1992
  • Masayo Duus, Unlikely Liberators: The Men of the 100th and the 442nd, University of Hawaii Press, Honolulu, 1987
  • Hawaii Nikkei History Editorial Board, Japanese Eyes … American Heart: Personal Reflections of Hawaii's World War II Nisei Soldiers, Tendai Educational Foundation, Honolulu, 1998
  • James M. McCaffrey, Going for Broke: Japanese American Soldiers in the War against Nazi Germany (Campaigns and Commanders Series, Vol. 36), University of Oklahoma Press, Norman, 2013
  • Thomas D. Murphy, Ambassadors in Arms: The Story of Hawaii's 100th Battalion, University of Hawaii Press, Honolulu, 1954
  • Chester Tanaka, Go for Broke: A Pictorial History of the Japanese American 100th Infantry Battalion and the 442nd Regimental Combat Team, Go for Broke, Richmond (CA), 1981 / Presidio Press, Novato (CA), 1997
  • John Tsukano, Bridge of Love, Hawaii Hosts, Honolulu, 1985
  • Israel A. S. Yost, Combat Chaplain: The Personal Story of the World War II Chaplain of the Japanese American 100th Battalion, University of Hawaii Press, Honolulu, 2006
Commons: 100th Infantry Battalion – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 100th Infantry Battalion Veterans | Education Center. Abgerufen am 29. November 2025.
  2. a b c d e f 100th Infantry Battalion | Densho Encyclopedia. Archiviert vom Original am 16. Juni 2025; abgerufen am 29. November 2025 (englisch).