(887) Alinda

Asteroid
(887) Alinda
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Eigenschaften des Orbits Animation
Epoche: 21. November 2025 (JD 2.461.000,5)
Orbittyp Erdnaher Asteroid, Amor-Typ
Asteroidenfamilie
Große Halbachse 2,474 AE
Exzentrizität 0,571
Perihel – Aphel 1,061 AE – 3,886 AE
Perihel – Aphel  AE –  AE
Neigung der Bahnebene 9,400°
Länge des aufsteigenden Knotens 110,4°
Argument der Periapsis 350,5°
Zeitpunkt des Periheldurchgangs 3. Januar 2025
Siderische Umlaufperiode 3 a 325 d
Siderische Umlaufzeit {{{Umlaufdauer}}}
Mittlere Orbital­geschwin­digkeit {{{Umlaufgeschwindigkeit}}} km/s
Mittlere Orbital­geschwin­digkeit 17,28 km/s
Physikalische Eigenschaften
Mittlerer Durchmesser 4,2 km ± 0,2 km
Abmessungen {{{Abmessungen}}}
Masse Vorlage:Infobox Asteroid/Wartung/Masse kg
Albedo 0,31
Mittlere Dichte g/cm³
Rotationsperiode 3 d 2 h
Absolute Helligkeit 13,8 mag
Spektralklasse {{{Spektralklasse}}}
Spektralklasse
(nach Tholen)
S
Spektralklasse
(nach SMASSII)
Geschichte
Entdecker Max Wolf
Datum der Entdeckung 3. Januar 1918
Andere Bezeichnung 1918 AA
Quelle: Wenn nicht einzeln anders angegeben, stammen die Daten vom JPL Small-Body Database. Die Zugehörigkeit zu einer Asteroidenfamilie wird automatisch aus der AstDyS-2 Datenbank ermittelt. Bitte auch den Hinweis zu Asteroidenartikeln beachten.

(887) Alinda ist ein Asteroid vom Amor-III-Typ, der am 3. Januar 1918 vom deutschen Astronomen Max Wolf an der Großherzoglichen Bergsternwarte in Heidelberg bei einer Helligkeit von 11 mag entdeckt wurde. Zum Zeitpunkt der Entdeckung war der Asteroid nur etwa 32 Mio. km von der Erde entfernt und erschien daher trotz seiner geringen Größe relativ hell.

Für den Ursprung des Asteroidennamens gibt es mehrere Erklärungen: Der Mythologie der australischen Aborigines zufolge ist Alinda der Mann im Mond. Er ertränkte seine beiden Söhne, nachdem diese vom Fischen zurückgekehrt waren und gelogen hatten, sie hätten nichts gefangen. Daraufhin verbrannten ihn seine beiden Frauen. Alinda verkündete, dass fortan alle anderen dem Tod geweiht seien, er aber – bis auf drei Tage im Monat – ewig leben würde. Eine alternative Erklärung weist auf den Namen der antiken Stadt Alinda in Karien hin, einer archäologischen Stätte in Kleinasien. Die Benennung erfolgte auf Vorschlag von Hermann Kobold, dem Herausgeber der Astronomischen Nachrichten.[1]

(887) Alinda befindet sich in einer 3:1-Bahnresonanz mit dem Planeten Jupiter, denn die Große Halbachse ihrer Umlaufbahn oskuliert mit einer Periode von etwa 380 Jahren um einen Mittelwert von 2,5005 AE. Sie bewegt sich damit genau in der Hestia-Lücke des Asteroidengürtels und bildet damit den Prototyp der Untergruppe der sogenannten Alinda-Asteroiden innerhalb der Amor-Gruppe. Die 3:1-Resonanz ist eine störende Resonanz, bei der die Anziehungskraft des Jupiter die Exzentrizität der Umlaufbahnen dieser Objekte beständig erhöht, bis die Resonanz bei einer Annäherung an einen der inneren Planeten (durch massive Bahnstörungen oder durch Kollision mit diesem) aufgelöst wird.

Marsbahnkreuzer und NEA

(887) Alinda bewegt sich auf einer Umlaufbahn mit hoher Exzentrizität, im sonnennächsten Punkt (Perihel) ihrer Bahn ist sie derzeit nur etwa 4,3 % weiter von der Sonne entfernt wie die Erde in ihrem sonnenfernsten Punkt (Aphel), während sie in ihrem Aphel einen fast viermal so großen Abstand von der Sonne wie die Erde aufweist und sich damit der Bahn des Jupiter bis auf 1,3 AE annähern kann. Aufgrund der Bahnresonanz kommt der Asteroid dem Jupiter selbst in den 1000 Jahren um die aktuelle Epoche herum aber nicht näher als etwa 318 Mio. km (2,23 AE). Dies geschieht jeweils nach drei Umläufen im Abstand von etwa 11,9 Jahren.

Aus dem Asteroidengürtel kommend, überquert (887) Alinda die Umlaufbahn des Mars weit nach innen, somit gilt sie auch als Marsbahnkreuzer. Durch die Schrägstellung ihrer Umlaufbahn gegen die Ekliptik kann sie dem Mars derzeit aber nur bis auf etwa 32 Mio. km (0,21 AE) nahekommen. Eine solch nahe Begegnung fand am 11. März 1982 statt, die nächste Annäherung auf unter 35 Mio. km erst wieder am 26. Januar 2095.

Wesentlich geringere Abstände sind zur Erde möglich, da sowohl der aufsteigende Knoten als auch das Perihel der Asteroidenbahn fast zusammenfallen und nahe zur Erdbahn liegen. Der geringste Abstand zwischen den beiden Bahnen (Minimum orbit intersection distance, MOID) beträgt derzeit etwa 11,9 Mio. km (0,080 AE). (887) Alinda gilt daher als erdnaher Asteroid (NEA) und war nach (433) Eros und (719) Albert das dritte entdeckte Objekt dieser Art. Die Umlaufdauer von (887) Alinda ist deutlich kürzer als vier Erdjahre, so dass sich kein festes Schema der Begegnungen der beiden Himmelskörper herausbildet. Die letzten Begegnungen mit der Erde bis auf weniger als 25 Mio. km ereigneten sich am 4. Januar 1974 (bis auf 20,5 Mio. km) und am 8. Januar 2025 (bis auf 12,3 Mio. km), die nächste erfolgt am 25. Januar 2087 (bis auf 24,9 Mio. km).

Vor 10.000 Jahren lag die Periheldistanz der Umlaufbahn von (887) Alinda noch bei etwa 1,4 AE und die Apheldistanz bei etwa 3,6 AE. Seither hat sich die Bahnexzentrizität durch die Resonanz mit Jupiter (siehe oben) stetig erhöht und der Abstand zur Umlaufbahn der Erde verringert. Dieser Trend wird auch in Zukunft anhalten, etwa ab dem Jahr 2735 wird die Umlaufbahn von (887) Alinda für einen Zeitraum von etwa 80 Jahren einen Abstand von <0,05 AE von der Erdbahn haben, sie müsste dann als ein potentiell gefährlicher Asteroid (PHA) eingestuft werden. Etwa ab dem Jahr 3110 wird sie immer wieder für einige Jahrzehnte zum Erdbahnstreifer werden und um 3820 sinkt der gegenseitige Abstand der Umlaufbahnen erstmals kurzzeitig unter 1 Mio. km. Um 4155 wird (887) Alinda zunächst intermittierend und dann ab etwa 5470 dauerhaft zum Erdbahnkreuzer. Mit den größeren Annäherungen an die Erde geht eine zunehmende Verringerung der Bahnneigung des Asteroiden einher, so dass dann auch wieder größere Annäherungen an den Mars möglich werden, bis um das Jahr 8000 auch der MOID-Wert von Asteroid und Mars nahe bei Null liegt.[2] Alle diese Angaben gelten ohne Berücksichtigung möglicher nicht-gravitativer Kräfte, wie dem Jarkowski-Effekt, der allerdings für (887) Alinda zu nahezu Null ausgewertet wurde.[3][4]

Wissenschaftliche Auswertung

Mit Daten radiometrischer Beobachtungen im Infraroten am Mauna-Kea-Observatorium auf Hawaiʻi im Januar 1974 wurden für (887) Alinda erstmals Werte für den Durchmesser und die Albedo von 6 km und 0,08 bestimmt.[5][6] Weitere Radiometrische Messungen mit der Infrared Telescope Facility (IRTF) am Mauna-Kea-Observatorium am 9. Februar 1986 führten mit verschiedenen thermischen Modellen zu Werten von 4,2 oder 5,9 km bzw. 0,23 oder 0,12.[7] Eine Auswertung von Beobachtungen durch das Projekt NEOWISE im nahen Infrarot speziell für erdnahe Objekte ergab 2012 vorläufige Werte für den mittleren Durchmesser und die Albedo im sichtbaren Bereich von 4,8 km bzw. 0,34.[8]

Photometrische Messungen des Asteroiden fanden erstmals statt vom 6. November 1969 bis 9. März 1970 sowie vom 16. November 1973 bis 28. März 1974 am Steward Observatory und der Catalina Station, beide in Arizona, und dem Blue Mesa Observatory der New Mexico State University. Aus der aufgezeichneten Lichtkurve wurde eine Rotationsperiode von 73,97 h abgeleitet. (887) Alinda ist damit ein langsamer Rotator.[9] In der Ukraine wurde in einer Untersuchung von 2002 mit archivierten Daten aus dem Zeitraum November 1969 bis Februar 1974 für (887) Alinda eine Rotationsachse mit prograder Rotation und einer Periode von 73,8257 h bestimmt. Es wurden außerdem die Achsenverhältnisse eines dreiachsig-ellipsoidischen Gestaltmodells für den Asteroiden hergeleitet.[10]

Ein Aufruf zur Beobachtung des Asteroiden während seiner großen Erdannäherung im Zeitraum September 2024 bis April 2025[11] wurde von mehreren Observatorien umgesetzt. Photometrische Messungen vom 6. November bis 23. Dezember 2024 während acht Nächten am Dimension Point Observatory in New Mexico wurden zu einer Rotationsperiode von 74,07 h ausgewertet, während erneute Beobachtungen vom 6. Februar bis 1. April 2025 während 22 Nächten am Dimension Point Observatory, am Organ Mesa Observatory in New Mexico und am Observatorio Nuevos Horizontes in Spanien zu einem Wert von 74,21 h führten.[12] Ebenso lieferten Messungen vom 17. November 2024 bis 28. Februar 2025 am OARU Observatory in Brasilien einen wahrscheinlichsten Wert von 73,03 h[13] und Beobachtungen vom 3. Januar bis 6. Februar 2025 am Wallace Astrophysical Observatory (WAO) in Massachusetts und am Observatorio del Teide auf Teneriffa eine Periode von 73,96 h.[14]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. G. Stracke: Die Bahn des Planeten 887 Alinda. In: Astronomische Nachrichten. Band 250, Nr. 5985, 1933, Sp. 145–154, doi:10.1002/asna.19332500902 (PDF; 426 kB).
  2. A. Vitagliano: SOLEX 12.1. Abgerufen am 9. Juli 2020 (englisch).
  3. C. R. Nugent, J. L. Margot, S. R. Chesley, D. Vokrouhlický: Detection of Semimajor Axis Drifts in 54 Near-Earth Asteroids: New Measurements of the Yarkovsky Effect. In: The Astronomical Journal. Band 144, Nr. 2, 2012, S. 1–13, doi:10.1088/0004-6256/144/2/60 (PDF; 690 kB).
  4. A. H. Greenberg, J.-L. Margot, A. K. Verma, P. A. Taylor, S. E. Hodge: Yarkovsky Drift Detections for 247 Near-Earth Asteroids. In: The Astronomical Journal. Band 159, Nr. 3, 2020, S. 1–21, doi:10.3847/1538-3881/ab62a3 (PDF; 2,23 MB).
  5. D. Morrison: Radiometric diameters and albedos of 40 asteroids. In: The Astrophysical Journal. Band 194, 1974, S. 203–212, bibcode:1974ApJ...194..203M (PDF; 997 kB).
  6. D. Morrison: Asteroid sizes and albedos. In: Icarus. Band 31, Nr. 2, 1977, S. 185–220, doi:10.1016/0019-1035(77)90034-3.
  7. G. J. Veeder, M. S. Hanner, D. L. Matson, E. F. Tedesco, L. A. Lebofsky, A. T. Tokunaga: Radiometry of Near-Earth Asteroids. In: The Astronomical Journal. Band 97, Nr. 4, 1989, S. 1211–1219, doi:10.1086/115064 (PDF; 818 kB).
  8. A. Mainzer, T. Grav, J. Bauer, J. Masiero, R. S. McMillan, R. M. Cutri, R. Walker, E. Wright, P. Eisenhardt, D. J. Tholen, T. Spahr, R. Jedicke, L. Denneau, E. DeBaun, D. Elsbury, T. Gautier, S. Gomillion, E. Hand, W. Mo, J. Watkins, A. Wilkins, G. L. Bryngelson, A. Del Pino Molina, S. Desai, M. Gómez Camus, S. L. Hidalgo, I. Konstantopoulos, J. A. Larsen, C. Maleszewski, M. A. Malkan, J.-C. Mauduit, B. L. Mullan, E. W. Olszewski, J. Pforr, A. Saro, J. V. Scotti, L. H. Wasserman: NEOWISE Observations of Near-Earth Objects: Preliminary Results. In: The Astrophysical Journal. Band 743, Nr. 2, 2011, S. 1–17, doi:10.1088/0004-637X/743/2/156 (PDF; 2,97 MB).
  9. J. L. Dunlap, R. C. Taylor: Minor planets and related objects. XXVII. Lightcurves for 887 Alinda. In: The Astronomical Journal. Band 84, Nr. 2, 1979, S. 269–273, doi:10.1086/112417 (PDF; 345 kB).
  10. N. Tungalag, V. G. Shevchenko, D. F. Lupishko: Rotation parameters and shapes of 15 asteroids. In: Kinematika i Fizika Nebesnykh Tel. Band 18, Nr. 6, 2002, S. 508–516, bibcode:2002KFNT...18..508T (PDF; 810 kB, russisch).
  11. F. Pilcher: An Appeal for Photometric Observations of 887 Alinda. In: The Minor Planet Bulletin. Bulletin of the Minor Planets Section of the Association of Lunar and Planetary Observers, Band 51, Nr. 4, 2024, S. 303, bibcode:2024MPBu...51..303P (PDF; 101 kB).
  12. F. Pilcher, J. Delgado Casal, G. Stone: Lightcurves and the Rotation Period of the Amor-Type Asteroid 887 Alinda. In: The Minor Planet Bulletin. Bulletin of the Minor Planets Section of the Association of Lunar and Planetary Observers, Band 52, Nr. 3, 2025, S. 208–209, bibcode:2025MPBu...52..208P (PDF; 458 kB).
  13. G. Nobre: Lightcurve Analysis and Rotation Period for (887) Alinda. In: The Minor Planet Bulletin. Bulletin of the Minor Planets Section of the Association of Lunar and Planetary Observers, Band 52, Nr. 3, 2025, S. 210–211, bibcode:2025MPBu...52..210N (PDF; 329 kB).
  14. T. C. Brothers, F. N. Abbasi, J. Ekelmann, M. J. Person, A. Burdanov, J. Lawrence, K. Barrera, S. Cambioni, J. de Wit, P. Rajesh, E. Albornoz, W. Hazell, E. Cusson, J. Toomlaid, M. Nunez, P. Nair, E. Sheffield, Z. Zhang, A. Marshall-De’Ath: Lightcurve and Rotation Period of Near-Earth Asteroid 887 Alinda During the 2025 Close Approach. In: The Minor Planet Bulletin. Bulletin of the Minor Planets Section of the Association of Lunar and Planetary Observers, Band 52, Nr. 3, 2025, S. 211–213, bibcode:2025MPBu...52..211B (PDF; 324 kB).