(854) Frostia

Asteroid
(854) Frostia
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Eigenschaften des Orbits Animation
Epoche: 21. November 2025 (JD 2.461.000,5)
Orbittyp Innerer Hauptgürtel
Asteroidenfamilie
Große Halbachse 2,368 AE
Exzentrizität 0,176
Perihel – Aphel 1,952 AE – 2,784 AE
Perihel – Aphel  AE –  AE
Neigung der Bahnebene 6,085°
Länge des aufsteigenden Knotens 190,5°
Argument der Periapsis 84,6°
Zeitpunkt des Periheldurchgangs 20. März 2026
Siderische Umlaufperiode 3 a 235 d
Siderische Umlaufzeit {{{Umlaufdauer}}}
Mittlere Orbital­geschwin­digkeit {{{Umlaufgeschwindigkeit}}} km/s
Mittlere Orbital­geschwin­digkeit 19,21 km/s
Physikalische Eigenschaften
Mittlerer Durchmesser 7,8 km ± 0,2 km
Abmessungen
Masse Vorlage:Infobox Asteroid/Wartung/Masse kg
Albedo 0,42
Mittlere Dichte g/cm³
Rotationsperiode 1 d 14 h
Absolute Helligkeit 12,0 mag
Spektralklasse {{{Spektralklasse}}}
Spektralklasse
(nach Tholen)
Spektralklasse
(nach SMASSII)
Geschichte
Entdecker S. I. Beljawski
Datum der Entdeckung 3. April 1916
Andere Bezeichnung 1916 GO, 1931 MB, 1935 QE, 1950 VP
Quelle: Wenn nicht einzeln anders angegeben, stammen die Daten vom JPL Small-Body Database. Die Zugehörigkeit zu einer Asteroidenfamilie wird automatisch aus der AstDyS-2 Datenbank ermittelt. Bitte auch den Hinweis zu Asteroidenartikeln beachten.

(854) Frostia ist ein Asteroid des inneren Hauptgürtels, der am 3. April 1916 vom russischen Astronomen Sergei Iwanowitsch Beljawski am Krim-Observatorium in Simejis bei einer Helligkeit von 13,5 mag entdeckt wurde. Es handelt sich um ein Doppelasteroiden aus zwei nahezu gleich großen Komponenten.

Der Asteroid ist benannt zu Ehren des US-amerikanischen Astronomen Edwin Brant Frost (1866–1935) in Dankbarkeit für seine großzügige Hilfe in den schwierigen Jahren nach dem Ersten Weltkrieg. Frost war Professor für Astrophysik an der University of Chicago und Direktor des Yerkes-Observatoriums. Er war außerdem Herausgeber der Fachzeitschrift The Astrophysical Journal.

Wissenschaftliche Auswertung

Eine Auswertung von Beobachtungen durch das Projekt NEOWISE im nahen Infrarot führte 2011 für (854) Frostia zu vorläufigen Werten für den Durchmesser und die Albedo im sichtbaren Bereich von 7,8 km bzw. 0,42.[1]

Spektroskopische Untersuchungen im sichtbaren Bereich vom 20. September 2004 am Observatório do Pico dos Dias (OPD) in Brasilien ergaben für (854) Frostia eine taxonomische Klassifizierung als V-Typ.[2] Zum gleichen Ergebnis führten auch spektroskopische Messungen im nahen Infrarot vom 13. März 2007 mit der Infrared Telescope Facility (IRTF) am Mauna-Kea-Observatorium auf Hawaiʻi. Die spektralen Eigenschaften des Objekts ähnelten denen von Basalten.[3]

Photometrische Messungen des Asteroiden fanden erstmals statt vom 16. bis 19. Juli 2004 an der Sternwarte Genf in der Schweiz, am Observatorium Les Engarouines und am Observatoire de Haute-Provence (OHP), beide in Frankreich, sowie am Shed of Science Observatory in Minnesota. Aus der aufgezeichneten Lichtkurve wurde eine Rotationsperiode von 37,56 h abgeleitet. Dabei wurden auch scharfe Lichteinbrüche bei den Minima der Lichtkurve beobachtet, wie sie für gegenseitige Bedeckungsereignisse charakteristisch sind. Diese dauerten etwa 3,7 Stunden, was stark darauf hindeutete, dass es sich bei (854) Frostia um ein binäres System handelt.[4]

Eine genauere Auswertung in einer Untersuchung von 2006 ergab eine Rotationsperiode von 37,728 h. Unter der Annahme, dass die beiden Komponenten des Systems eine länglich-ellipsoidische Gestalt besitzen, nahezu gleich groß sind und sich in einer gebundenen Rotation auf einer kreisförmigen Umlaufbahn umeinander bewegen, wurden für beide Abmessungen von etwa (6,9 × 5,0) km, ein gegenseitiger Abstand von etwa 35 km sowie eine Masse von 1,06·1015 kg ± 90 % und eine mittlere Dichte von 0,89 g/cm³ ± 15 % berechnet. Eine solch geringe Dichte weist auf eine hohe Porosität von etwa 72 % hin und einen inneren Aufbau als Trümmerhaufen (Rubble pile)-Asteroid, auf den keine anderen Kohäsionskräfte als die Schwerkraft wirken.[5][6]

Neue Beobachtungen erfolgten am 12. August 2008 im nahen und mittleren Infrarot mit dem Spitzer-Weltraumteleskop und am 25. und 28. August 2008 im sichtbaren Bereich am Lick-Observatorium in Kalifornien. Eine thermophysikalische Modellierung mit dem Near-Earth Asteroid Thermal Model (NEATM) ergab für die beiden länglichen Komponenten Abmessungen von etwa (8,1 × 5,8) km, entsprechend einem kombinierten effektiven Durchmesser von 9,7 ± 1,2 km, sowie eine Albedo von 0,27.[7]

Photometrische Beobachtungen von (854) Frostia am Modra-Observatorium in der Slowakei aus dem Zeitraum August 2015 bis Februar 2025 wurden zu Rotationsperioden von 37,707 bis 37,81 h ausgewertet.[8]

Frostias Satellit

Der 2004 durch Auswertung von Lichtkurven entdeckte Begleiter von (854) Frostia (siehe oben) besitzt vermutlich etwa die gleiche Größe wie der Primärkörper und umkreist ihn in einem gegenseitigen Abstand von etwa 35 Kilometern mit einer Umlaufzeit von 1,572 Tagen.[9]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. J. R. Masiero, A. K. Mainzer, T. Grav, J. M. Bauer, R. M. Cutri, J. Dailey, P. R. M. Eisenhardt, R. S. McMillan, T. B. Spahr, M. F. Skrutskie, D. Tholen, R. G. Walker, E. L. Wright, E. DeBaun, D. Elsbury, T. Gautier IV, S. Gomillion, A. Wilkins: Main Belt Asteroids with WISE/NEOWISE. I. Preliminary Albedos and Diameters. In: The Astrophysical Journal. Band 741, Nr. 2, 2011, S. 1–20, doi:10.1088/0004-637X/741/2/68 (PDF; 73,0 MB).
  2. A. Alvarez-Candal, R. Duffard, D. Lazzaro, T. Michtchenko: The inner region of the asteroid Main Belt: a spectroscopic and dynamic analysis. In: Astronomy & Astrophysics. Band 459, Nr. 3, 2006, S. 969–976, doi:10.1051/0004-6361:20065518 (PDF; 5,13 MB).
  3. M. Birlan, D. A. Nedelcu, P. Descamps, J. Berthier, F. Marchis, S. Merouane, M. Popescu: Spectral properties of (854) Frostia, (1333) Cevenola and (3623) Chaplin. In: Monthly Notices of the Royal Astronomical Society. Band 415, Nr. 1, 2011, S. 587–595, doi:10.1111/j.1365-2966.2011.18740.x (PDF; 4,44 MB).
  4. D. W. E. Green: IAUC 8389: S/2004 S 1, S/2004 S 2; (854); 2004dj. IAU Central Bureau for Astronomical Telegrams, 16. August 2004, abgerufen am 2. Januar 2026 (englisch).
  5. R. Behrend, L. Bernasconi, R. Roy, A. Klotz, F. Colas, P. Antonini, R. Aoun, K. Augustesen, E. Barbotin, N. Berger, H. Berrouachdi, E. Brochard, A. Cazenave, C. Cavadore, J. Coloma, V. Cotrez, S. Deconihout, C. Demeautis, J. Dorseuil, G. Dubos, R. Durkee, E. Frappa, F. Hormuth, T. Itkonen, C. Jacques, L. Kurtze, A. Laffont, M. Lavayssière, J. Lecacheux, A. Leroy, F. Manzini, G. Masi, D. Matter, R. Michelsen, J. Nomen, A. Oksanen, P. Pääkkönen, A. Peyrot, E. Pimentel, D. Pray, C. Rinner, S. Sanchez, K. Sonnenberg, S. Sposetti, D. Starkey, R. Stoss, J.-P. Teng, M. Vignand, N. Waelchli: Four new binary minor planets: (854) Frostia, (1089) Tama, (1313) Berna, (4492) Debussy. In: Astronomy & Astrophysics. Band 446, Nr. 3, 2006, S. 1177–1184, doi:10.1051/0004-6361:20053709 (PDF; 741 kB).
  6. B. Carry: Density of Asteroids. In: Planetary and Space Science. Band 73, Nr. 1, 2012, S. 98–118, doi:10.1016/j.pss.2012.03.009 (arXiv-Preprint: PDF; 5,41 MB).
  7. F. Marchis, J. E. Enriquez, J. P. Emery, M. Mueller, M. Baek, J. Pollock, M. Assafin, R. Vieira Martins, J. Berthier, F. Vachier, D. P. Cruikshank, L. F. Lim, D. E. Reichart, K. M. Ivarsen, J. B. Haislip, A. P. LaCluyze: Multiple asteroid systems: Dimensions and thermal properties from Spitzer Space Telescope and ground-based observations. In: Icarus. Band 221, Nr. 2, 2012, S. 1130–1161, doi:10.1016/j.icarus.2012.09.013.
  8. A. Galád, E. Podlewska-Gaca, J. Világi, Š. Gajdoš, Ľ. Polčic, D. Oszkiewicz, A. Kryszczyńska, D. Grzegorzek: A Photometric Survey of over 200 V-type Asteroids and Their Phase-curve Analysis. In: The Astrophysical Journal Supplement Series. Band 282, Nr. 1, 2025, S. 1–13, doi:10.3847/1538-4365/ae226f (PDF; 1,77 MB).
  9. W. R. Johnston: (854) Frostia. In: Asteroids with Satellites Database – Johnston’s Archive. 21. September 2014, abgerufen am 2. Januar 2026 (englisch).