δ-Bindung

Die δ-Bindung ist neben der σ-Bindung und der π-Bindung eine Art der kovalenten chemischen Bindung. δ-Bindungen werden gebildet, wenn d-Orbitale zweier Atome überlappen und ein gemeinsames Molekülorbital bilden.

Geschichte

Die Bezeichnung δ-Bindung geht auf Robert Mulliken zurück, der 1931 bei der Entwicklung der Molekülorbitaltheorie Bezeichnungen für die Bindungen analog zu den beteiligten Orbitalen wählte.[1] Die erste Verbindung mit δ-Bindung fand 1965 Frank Albert Cotton mit dem Kaliumoctachlorodirhenat.[2]

Vorkommen

δ-Bindung sind deutlich seltener als σ- oder π-Bindungen und kommen nur in Metallverbindungen vor, in denen d-Orbitale an der Bindung beteiligt sind. Verbindungen, die δ-Bindungen ausbilden, besitzen eine Vierfach- oder Fünffachbindung[3] mit einer σ-, zwei π- und einer beziehungsweise zwei δ-Bindungen. Unter anderem bilden Verbindungen der Elemente Rhenium, Molybdän und Chrom δ-Bindungen.[4]

Orbitale der δ-Bindung

Atome besitzen fünf d-Orbitale, die als dxy, dxz, dyz dx²-y² und d-Orbital bezeichnet werden. Im Fall des [Re2Cl8]2--Ions ist dx²-y² zusammen mit den s- und p-Orbitalen für die Bindungen zum Chlor verantwortlich. Die beiden d-Orbitale bilden eine σ-Bindung, die dxz und dyz-Orbitale π-Bindungen. Es bleiben die dxy-Orbitale, die seitlich überlappen und eine δ-Bindung bilden. Wie die einzelnen d-Orbitale besitzt auch das entstehende Molekülorbital zwei Knotenebenen.[5][4]

Einzelnachweise

  1. William B. Jensen: The Origin of the Sigma, Pi, Delta Notation for Chemical Bonds. In: Journal of Chemical Education. 2013, Band 90, Nummer 6, S. 802–803, doi:10.1021/ed200298h.
  2. F. Albert Cotton, C. Harris: The Crystal and Molecular Structure of Dipotassium Octachlorodirhenate(III) Dihydrate, K2[Re2Cl8]2H2O. In: Inorganic Chemistry. 1965, Band 4, Nummer 3, S. 330–333 doi:10.1021/ic50025a015.
  3. Sylvester Ndambuki, Tom Ziegler: Analysis of the Putative Cr–Cr Quintuple Bond in Ar′CrCrAr′ (Ar′ = C6H3-2,6(C6H3-2,6-Pri2)2) Based on the Combined Natural Orbitals for Chemical Valence and Extended Transition State Method. In: Inorganic Chemistry. 2012, Band 51, Nummer 14, S. 7794–7800 doi:10.1021/ic300824u.
  4. a b James Huheey, Ellen Keiter, Richard Keiter: Anorganische Chemie Prinzipien von Struktur und Reaktivität. 5. Auflage, de Gruyter, 2014, ISBN 978-3-11-030795-5, S. 1037–1041.
  5. Larry R. Falvello, Bruce M. Foxman, C.A. Murillo: Fitting the Pieces of the Puzzle: The δ Bond. In: Inorganic Chemistry. 2014, Band 53, Nummer 18, S. 9441–9456 doi:10.1021/ic500119h.