Ōno Bakufu
Ōno Bakufu (japanisch 大野 麦風; * 1888 in Tokio; † 1976) war ein japanischer Maler und Holzschnittkünstler. Er ist insbesondere für seine detaillierten Darstellungen von Fischen bekannt, die in der Holzschnittserie Dai Nihon Gyorui Gashu (大日本魚類画集, „Große japanische Fischbilder-Sammlung“) veröffentlicht wurden. Diese Serie zählt zu den bekanntesten und meistgeschätzten Werken moderner japanischer Farbholzschnitte.[1]
Leben
Ōno Bakufu begann seine künstlerische Laufbahn als Maler und etablierte sich zunächst in diesem Bereich. Seine Holzschnitte entstanden in enger Zusammenarbeit mit professionellen Holzschneidern und Druckern und basierten auf seinen eigenen Gemälden. Die Drucke wurden vom Verlag Kyoto Hanga-in herausgegeben, der für eine konservative Publikationspraxis bekannt war und traditionelle japanische Drucktechniken mit begrenzten modernen Einflüssen verband. Stilistisch lässt sich Bakufu weder eindeutig der shin hanga- noch der sōsaku hanga-Bewegung zuordnen. Während Künstler der sōsaku hanga-Richtung ihre Drucke in allen Arbeitsschritten selbst ausführten, arbeitete Bakufu nach dem traditionellen Atelierprinzip mit spezialisierten Handwerkern zusammen. Seine Werke zeichnen sich durch naturgetreue Darstellung, feine Linienführung und einen ausgeprägten Sinn für Komposition aus. Neben den Fischdarstellungen schuf Bakufu auch Landschaften und Naturmotive, die seine Ausbildung und sein Können als Maler widerspiegeln. Ōno Bakufus Arbeiten wurden insbesondere im In- und Ausland von Sammlern japanischer Holzschnitte geschätzt und zählen heute zu wichtigen Beispielen für die Verbindung klassischer Druckkunst mit moderner Naturdarstellung im Japan des 20. Jahrhunderts. Ōno Bakufu verstarb 1976.[2]
Werk
Das künstlerische Schaffen von Ōno Bakufu lässt sich grob in drei Phasen unterteilen: die frühe Phase der westlich beeinflussten Malerei, die Übergangsphase zur japanischen Malerei und schließlich die Zeit der Holzschnitte. In der ersten Phase malte er Ölgemälde im westlichen Stil. Im Laufe des Übergangs wandte er sich der japanischen Malerei (Nihonga) zu. In seiner Holzschnittphase schuf er insbesondere die Serie Dai Nihon Gyorui Gashū, eine farbige Holzschnittsammlung mit Fischmotiven, die mehrfach überdruckte farbige Holzschnitte enthält. Die Arbeiten zeigen eine ungewöhnliche Kombination aus naturwissenschaftlich genauer Beobachtung der Fische und kunstvoller, dekorativer Gestaltung. So reiste er laut Ausstellungsbegleittexten sogar mit einem U-Boot vor der Küste von Wakaura, um die Ökologie der Fische aufmerksam zu studieren. Neben Fischmotiven fertigte er im fortgeschrittenen Alter auch Landschafts-, Tier- bzw. Kleintierdarstellungen sowie botanische Motive an. Seine Holzschnitte erschienen unter anderem im Verlag Kyoto Hanga-in.[3]
Ein bedeutendes Einzelwerk ist der farbige Holzschnitt Flying Fish aus der Serie Familiar Fishes of Nippon (1935–1938), der sich im Museum of Fine Arts Houston befindet. Ōno gilt heute als herausragender Vertreter der modernen japanischen Druckgrafik mit einem Schwerpunkt auf naturbezogenen Sujets.[3]
Literatur
- Kendall H. Brown: Impressions of Japan: Print Interactions East and West. In: Christine Javid (Hrsg.): Color Woodcut International. Japan, Britain, and America in the Early Twentieth Century. Chazen Museum of Art, Madison WI 2006.
- Kendall H. Brown, Hollis Goodall-Cristante: Shin-Hanga. New Prints in Modern Japan. Los Angeles County Museum of Art, Los Angeles CA 1996.
- Helen Merritt, Nanako Yamada: Guide to Modern Japanese Woodblock Prints. 1900–1975. University of Hawaii Press, Honolulu HI 1995.
- Junzo Kato: The Early Creative Print Movement in Japan. Kodansha International, Tokyo, 1979.
- Masatoshi Tanabe (Hrsg.): 大野麦風展覧会 = Ono Bakufu-Exhibition. Shinhanga Japan, Kyoto, 2023.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Ohno Bakufu – Fish and Landscape Prints. Abgerufen am 1. November 2025.
- ↑ Bakufu Ohno – Artwork and Bio of the Japanese Printmaker – Artlex. Abgerufen am 1. November 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ a b 大野麥風展 「大日本魚類画集」と博物画にみる魚たち 展覧会. Abgerufen am 1. November 2025.