Þjóðólfr ór Hvini

Þjóðólfr ór Hvini (Thjodolfr or Hvini, Thjodolf von Hvin), auch Þjóðólfr enn Hvínverski genannt, war ein norwegischer Skalde, der um Anfang des 10. Jahrhunderts (vermutlich 885–920) zur Regierungszeit des Harald Schönhaar lebte und als Autor tätig war.

Person

Zur Person und Leben des Þjóðólfr liegen nur die spärlichen Informationen vor, die der Isländer Snorri Sturluson in seinem Werk zur skaldischen Dichtersprache, der Skáldskaparmál, und im Prolog zur Heimskringla übermittelt hat.

Zeitlich lässt Þjóðólfr sich zudem dadurch taxieren, da seine Dichtungen Parallelen (Schilddichtung) in der Stoffbehandlung zum Skalden Bragi Boddason aufweisen.

Ein Spottgedicht auf König Harald (Et digt om Harald hårfagre, næppe ægte) gilt als ein zusätzliches Indiz, wobei dessen Echtheit unklar ist.

Werke

Bedeutung hat sein literarisches Werk durch:

In diesen Dichtungen, besonders im Haustlǫng, zeigt sich die anspruchsvolle norwegische Kunstdichtung im Hofton des Dróttkvætt bereits zur Mitte des 9. Jahrhunderts voll entwickelt. Daher vermutet Jan de Vries am Beispiel des Þjóðólfr und des Bragi, dass die Ursprünge dieser Form im 8. Jahrhundert datierbar sind.

  • Lausavísur
  • evtl. Spottgedicht auf Harald Schönhaar (s. o.).

Literatur

  • Edith Marold: Kenningkunst. Ein Beitrag zu einer Poetik der Skaldendichtung. In: Quellen und Forschungen zur Sprach- und Kulturgeschichte der germanischen Völker, Neue Folge 80 = 204. de Gruyter, Berlin – New York 1983. ISBN 3-11-007621-7.
  • Rudolf Simek, Hermann Pálsson: Lexikon der altnordischen Literatur (= Kröners Taschenausgabe. Band 490). Kröner, Stuttgart 1987, ISBN 3-520-49001-3.
  • Gabriel Turville-Petre: Haraldr the Hard-Ruler and his Poets. University College London, London 1968.
  • Jan de Vries: Altnordische Literaturgeschichte. In: Grundriss der germanischen Philologie 15/16. De Gruyter, Berlin – New York 1999, 3. unveränderte Auflage in einem Band mit einem Vorwort von Stefanie Würth. ISBN 3-11-016330-6.