Émile-René Ménard
Émile-René Ménard (* 15. April 1862 in Paris; † 13. Januar 1930 ebenda) war ein französischer Maler des Symbolismus. Er wurde vor allem durch seine idealisierten Landschaftsdarstellungen mit allegorischen und mythologischen Figuren bekannt.[1]
Leben
Émile-René Ménard wurde als Sohn des Malers und Kunsthistorikers René-Joseph Ménard geboren. Er wuchs in Barbizon in einem intellektuell und künstlerisch anregenden Umfeld auf. In der Nähe wirkten zu jener Zeit bedeutende Vertreter der Schule von Barbizon, die seine Begeisterung für die Natur und die griechische Antike früh weckten. Seine künstlerische Ausbildung begann er als Dekorateur bei Pierre Victor Galland. Anschließend studierte er im Atelier von Henri Lehmann in Paris und wurde 1880 Schüler von Paul-Jacques-Aimé Baudry, Adolphe William Bouguereau und Tony Robert-Fleury an der Académie Julian. Um 1895 schloss er sich der von Charles Cottet gegründeten Künstlergruppe La Bande Noire an. Ab Ende der 1890er Jahre unternahm Ménard zahlreiche Studienreisen in den Mittelmeerraum, nach Italien – insbesondere Sizilien –, nach Griechenland sowie nach Nordafrika. Er wurde 1900 zum Ritter und 1910 zum Offizier der Ehrenlegion ernannt und war Mitglied des Institut de France. 1911 zog er nach Varengeville-sur-Mer in der Normandie. Ménard starb am 13. Januar 1930 in Paris.[1]
Werk
Émile-René Ménard begann seine Laufbahn mit biblischen und mythologischen Motiven, wandte sich in den 1890er Jahren jedoch idealisierten Landschaftsbildern zu. Diese waren oftmals in Öl oder Pastell ausgeführt und stellten Szenen dar, die einer entrückten Antike nachempfunden waren. In ihnen treten zumeist weibliche Gestalten wie Nymphen in einer zeitlosen, mythischen Atmosphäre auf. Charakteristisch für diese Werke sind eine melancholisch-mystische Stimmung, wolkenverhangene Himmel und eine subtile Lichtregie. Zu seinen bekannten Arbeiten zählen Danse de nymphes (Beauvais, Musée départemental de l’Oise), Baigneuse au bord de l’eau und Le Nuage (um 1896). Eine charakteristische Technik Ménards bestand darin, aufgetragene Farbe teilweise wieder abzukratzen, sodass der Bildträger sichtbar wurde und eine leuchtende Transparenz entstand.[1]
Ab 1900 erhielt er bedeutende öffentliche Aufträge, darunter 1906 einen Dekorationszyklus für die École des Hautes Études der Pariser Sorbonne sowie zwischen 1908 und 1913 monumentale Wanddekorationen in der Faculté de Droit in Paris. Das Diptychon L’âge d’or gilt als exemplarisch für seine idealistisch-symbolistische Bildauffassung, die in der Tradition von Pierre Puvis de Chavannes steht. Émile-René Ménard Kunst zeichnet sich durch ausgewogene Komposition, warmes Kolorit und eine Vorliebe für abendliche Lichtstimmungen aus. Dies verleiht seinen Landschaften einen goldenen Glanz. Neben Landschaften fertigte er Porträts, darunter das Bildnis seiner Mutter (Brüssel, Musées royaux des beaux-arts de Belgique), sowie ab 1911 Darstellungen der normannischen Küstenlandschaften von Varengeville-sur-Mer.[1]
Seine Werke sind in zahlreichen Museen vertreten, darunter im Musée d’Orsay in Paris (22 Werke), im Château-Musée in Dieppe, im Musée des Beaux-Arts in Gent, im Königlichen Museum für Schöne Künste in Antwerpen, im Petit Palais in Paris, im Philadelphia Art Museum, in der Galleria Nazionale d’Arte Moderna in Rom sowie im Nationalmuseum in Stockholm.[1]
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Émile-René Ménard: Aigues-Mortes. Musée d’Art de Toulon
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Émile-René Ménard: Naïades au bord d'un lac (Crépuscule), im Salon von 1896. Musée des Beaux-Arts de Brest
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Automne nue von René Ménard, Lithografie aus L’Estampe moderne, Band I, Paris, F. Champenois
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Émile-René Ménard: Les Trois Grâces (1923)
Literatur
- Pierre Sanchez: Dictionnaire de l’École de Paris (1900–1950). L’Echelle de Jacob, Dijon, 2010.
- Gérald Schurr, Pierre Cabanne: Dictionnaire des petits maîtres de la peinture. Les Éditions de l’Amateur, Paris, 1996.
- Jean-Dominique Jumeau-Lafond: Les peintres de l’âme. Snoeck-Ducaju, Gent/Antwerpen, 1999.
- Béatrice Delarue et al.: Les peintres à Dieppe et ses environs. Yport, 2009.
- Marie-Josèphe Salmon, Jacques Galiègue: De Thomas Couture à Maurice Denis. Musée départemental de l’Oise, Beauvais/Saint-Rémy-en-l’Eau, 1994.
- Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. De Gruyter, Berlin, 2009.
- Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 11: Pinchon – Rouck. Paris, 2006.