Élise Huchard
Élise Huchard (* 20. Februar 1980) ist eine französische Primatologin, die in Verhaltensökologie forscht. Sie ist Forschungsdirektorin beim CNRS in Montpellier.[1]
Leben
Nach ihrem Veterinärstudium von 1998 bis 2004 und ihrer Promotion in Tiermedizin an der Universität Paul Sabatier in Toulouse absolvierte sie zwischen 2004 und 2005 einen Master in Ökologie und Evolutionsbiologie an der Universität Montpellier. Von 2005 bis 2008 promovierte sie mit einer gemeinsam am Institut des Sciences de l'Évolution de Montpellier (ISEM) und am Zoological Society of London erarbeiteten Dissertation. Von 2009 bis 2011 arbeitete sie als Postdoc im Deutschen Primatenzentrum in Göttingen und von 2012 bis 2013 am Museum of zoology der University of Cambridge.[2]
2014 wurde sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Centre d'écologie fonctionnelle et évolutive (Zentrum für funktionelle und evolutionäre Ökologie) in Montpellier eingestellt und kam zwei Jahre später zum ISEM. Heute ist sie Forschungsdirektorin am ISEM.[3]
Forschung
Élise Huchard befasst sich mit der Funktionsweise tierischer Gesellschaften anhand der Untersuchung von Arten wie Erdmännchen, Pavianen oder Mandrills. Sie hat sich mit Konflikten innerhalb und zwischen den Geschlechtern, aber auch zwischen Eltern und Kindern beschäftigt. Ihr Interesse gilt außerdem der Entwicklung der saisonalen Fortpflanzung und sozialer Hierarchien. Zusammen mit Guy Cowlishaw (Institut für Zoologie in London) und Alecia Carter (University College London) leitet sie das Tsaobis Baboon Project, das die Ökologie, Lebensgeschichte und das Verhalten mehrerer Gruppen von Bärenpavianen in Namibia untersucht. Sie arbeitet auch am Mandrillus-Projekts des ISEM, das eine Gruppe wildlebender Mandrills in Gabun beobachtet.[3]
2014 veröffentlichte sie einen Artikel in Science über die Entwicklung für Infantizid bei Säugetieren und 2016 einen Artikel in Nature über kompetitives Wachstum, die ihr internationale Anerkennung in ihrem Fachgebiet einbrachten.[4][5][6]
Im Jahr 2025 veröffentlichte sie gemeinsam mit Forschenden des Deutschen Primatenzentrums – darunter Peter M. Kappeler – und des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig eine Studie über die Machtverhältnisse bei Primaten. Die Studie trägt den Titel „The evolution of male-female dominance relations in primate societies“. Laut dieser Studie haben Menschen das Patriarchat nicht von den Tieren geerbt. Die weit verbreitete Annahme, dass bei Primaten grundsätzlich die Männchen die dominante Rolle übernehmen, wurde dadurch widerlegt.[7][8]
Preise und Auszeichnungen
- 2017: Bronzemedaille des CNRS
Einzelnachweise
- ↑ Élise Huchard Chercheuse en écologie comportementale. In: cnrs.fr.
- ↑ Ecologie Evolutive Empirique, Communication & Coopération. In: cnrs.fr.
- ↑ a b Élise Huchard. In: ISEM. Abgerufen am 3. Dezember 2025 (französisch).
- ↑ Dieter Lukas, Elise Huchard: The evolution of infanticide by males in mammalian societies. In: Science. 346. Jahrgang, Nr. 6211, 14. November 2014, S. 841–844, doi:10.1126/science.1257226 (science.org [abgerufen am 3. Dezember 2025]).
- ↑ Elise Huchard, Sinead English, Matt B. V. Bell, Nathan Thavarajah: Competitive growth in a cooperative mammal. In: Nature. 533. Jahrgang, Nr. 7604, Mai 2016, ISSN 1476-4687, S. 532–534, doi:10.1038/nature17986 (englisch, nature.com [abgerufen am 3. Dezember 2025]).
- ↑ Elise HUCHARD | Researcher | DVM, PhD | Research profile. In: ResearchGate. Archiviert vom am 3. Dezember 2024; abgerufen am 3. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Patriarchat – kein Erbe der Primaten. In: leibniz-gemeinschaft.de. 11. Juli 2025, abgerufen am 3. Dezember 2025.
- ↑ Haben Menschen das Patriarchiat von Primaten geerbt? Forscher kommen zu neuen Schlüssen. In: ndr.de. 8. Juli 2025, abgerufen am 3. Dezember 2025.