Église du Gesù (Montreal)

Die Église du Gesù (deutsch: Jesuskirche) ist eine römisch-katholische Pfarrkirche in der kanadischen Stadt Montreal. Sie befindet sich an der Rue Bleury im Arrondissement Ville-Marie.

Geschichte

Eine erste Niederlassung des Jesuitenordens hatte in Montreal bereits in den Jahren 1642 bis 1657 bestanden. Nach der Wiederbegründung des Ordens im Jahr 1814 übertrug der Montrealer Bischof Ignace Bourget ihm 1842 die Errichtung einer Kirche und eines zugehörigen Kollegs, dessen Bau von 1846 bis 1855 nach Plänen des Jesuitenpaters Félix Martin erfolgte. Zwei Jahrzehnte später folgte die Forderung nach einem Neubau in vergrößerten Dimensionen, für die zunächst seitens des Ordens mehrere Projekte im neugotischen Stil vorgelegt wurden. Der Bau der Montrealer Jesuitenkirche erfolgte 1864 nach Plänen des irisch-amerikanischen Architekten Patrick Keely, ihre Weihe erfolgte am 10. Juli 1865 durch den Montrealer Bischof Ignace Bourget, der in Anlehnung an die Mutterkirche des Ordens, Il Gesù in Rom, einen klassischen Baustil gefordert hatte. Während das zugehörige Kolleg 1975 abgebrochen wurde, wurde die Kirche selbst unter Denkmalschutz gestellt und 1983 restauriert, sowie in der bisherigen Unterkirche ein Kulturzentrum untergebracht.[1]

Architektur

Anders als zunächst gefordert, erfolgte der Bau der Kirche nicht im Stil des italienischen Barock, sondern in dem im mittleren 19. Jahrhundert populären Rundbogenstil, der Elemente des Barock mit antiken und mittelalterlichen Stilen kombinierte.[2]

Die Montrealer Jesuitenkirche ist eine dreischiffige Querhausbasilika, bei der nur die Außenmauern in dem lokalen grauen Kalkstein errichtet sind, der Innenausbau des Mittelschiff und der Gewölbe aber als Holzkonstruktion erfolgte. Über Säulen mit kompositen Kapitellen und rundbogigen Arkaden erhebt sich ein dreizoniger Wandaufriss mit Triforium und Obergaden. Die in klassischen Bauformen gehaltene und mit einem Dreiecksgiebel schließende Fassade ist von übereckgestellten Seitentürmen eingefasst, deren geplante Freigeschosse nicht mehr zur Ausführung gekommen sind.

Ausstattung

Die Innenausmalung der Kirche erfolgte in den Jahren 1865 und 1866 in Grisailletechnik durch den aus der Düsseldorfer Malerschule stammenden Maler Daniel Müller. Das Gewölbe ist mit Szenen aus dem Leben Jesu sowie christologischen Emblemen bemalt, die Apsiskalotte zeigt die Anbetung des Lammes (Offb 5,6 ). Über dem Altar ist die Kreuzigung Christi dargestellt.

Eine der Seitenkapellen der Kirche ist dem Gedenken der Kanadischen Märtyrer aus dem Jesuitenorden gewidmet.

Orgel

Bei ihrer Fertigstellung erhielt die Montrealer Jesuitenkirche 1866 zunächst eine zweimanualige Orgel der Montrealer Orgelbauer Louis Mitchell und Charles Forté, die bereits 1884 durch ein dreimanualiges Instrument Mitchells ersetzt wurde. Die jetzige Orgel wurde 1901 als opus 146 der Orgelbaufirma Casavant Frères in Saint-Hyacinthe (Québec) erbaut und 1954 von derselben Firma um ein viertes Manual erweitert. Die Orgel besitzt seither folgende Disposition:[3]

I. Positif expressif C–c4
01. Quintaton 16′
02. Montre 08′
03. Gemshorn 08′
04. Flûte à cheminée 08′
05. Prestant 04′
06. Flûte bouchée 04′
07. Nazard 0223
08. Doublette 02′
09. Flûte 02′
10. Tierce 0135
11. Larigot 0113
12. Plein-jeu V
13. Cor anglais 16′
14. Cromorne 08′
Tremulant
II. Grand Orgue C–c4
15. Montre 16′
16. Montre 08′
17. Principal 08′′
18. Salicional 08′
19. Flûte traversière 08′
20. Bourdon 08′
21. Prestant 04′
22. Flûte 08′
23. Quinte 0223
24. Doublette 02′
25. Grande Fourniture IV
26. Fourniture V
27. Bombarde 16′
28. Trompette 08′
29. Clairon 04′
III. Récit expressif C–c4
30. Bourdon 16′
31. Principal 08′
32. Viole de Gambe 08′
33. Voix céleste 08′
34. Bourdon 08′
35. Fugura 04′
36. Flûte 04′
37. Octavin 02′
38. Sifflet 01′
39. Sesquialtera II
40. Mixture V
41. Basson 16′
42. Trompette 08′
43. Hautbois 08′
44. Voix humaine 08′
45. Clairon }
Tremulant
IV. Solo expressif C–c4
46. Bourdon 8′
47. Violoncelle 8′′
48. Flûte ouverte 4′
49. Piccolo 2′
50. Cornet III
51. Trompette harmonique 8′
52. Clairon harmonique 4′
53. Quinte 0223
Tremulant
Pédale C–g1
54. Flûte resultante 32′
55. Flûte 16′
56. Montre 16′
57. Bourdon 16′
58. Bourdon douce 16′
59. Quintaton 16′
60. Quinte 1023
61. Montre 08′
62. Flûte 08′
63. Bourdon 08′
64. Prestante 04′
65. Flûte 04′
66. Mixture IV
67. Contre-bombarde 32′
68. Bombarde 16′
69. Basson 16′
70. Trompette 08′
71. Basson 08′
72. Clairon 04′
  • Koppeln: II/I, III/I, IV/I, III/II, IV/I, IV/II, IV/III, I/P, II/P, III/P, IV/P
Suboktavkoppeln: II/I, II/II
Superoktavkoppeln: II/I, II/II

Chororgel

Neben der Hauptorgel hatte Le Gesù 1866 auch eine einmanualige Chororgel von Louis Mitchell und Charles Forté in einem Prospekt des frühen 19. Jahrhunderts erhalten. Das 1965 an das National Fine Arts Museum in Québec abgegebene Instrument konnte 1991 als Dauerleihgabe zurückerworben werden.

Clavier C–f3
1. Montre 8′
2. Bourdon 8′
3. Basse de Bourdon 8′
4. Dulciane 8′
5. Prestant 4′
6. Flûte harmonique 4′
7. Doublette 2′
8. Hautbois 8′
Pédale C–g1
9. Bourdon 16′
Commons: Église du Gesù (Montréal) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Guy Pinard: Montréal, son histoire, son architecture. Bd. 1, Montréal, Les Éditions La Presse, 1988, ISBN 2-89043-225-4, S. 47–53.
  2. Kathleen Curran: The German Rundbogenstil and Reflections on the American Round-Arched Style. In: Journal of the Society of Architectural Historians. Band 47, 1988, S. 351–373; Michael J. Lewis: Der Rundbogenstil und die Karlsruhe-Philadelphia Achse. In: Dauer und Wechsel: Festschrift für Harold Hammer-Schenk. Lukas Verlag, Berlin 2004, S. 128–138.
  3. Angaben zur Orgel auf der Website musiqueorguequebec

Koordinaten: 45° 30′ 19,5″ N, 73° 33′ 58,5″ W