Ålandsee
Ålandsee, auch Åländer See, schwedisch Ålands hav, ist ein Meeresgebiet im nördlichen Teil der Ostsee, das sich zwischen der schwedischen Küste im Westen, dem finnischen Festland im Osten und den Åland-Inseln im Süden erstreckt. Diese Position verleiht ihr eine besondere hydrographische Bedeutung als Hauptverbindungsweg zwischen der Eigentlichen Ostsee (Baltic Proper) und dem Bottnischen Meerbusen.[1]
Geographie
Die im Juni 2014 vereinbarte nautische Einteilung der Baltic Sea Hydrologic Commission (BSHC)[2] rechnet die Ålandsee zum Bottnischen Meerbusen. In der naturwissenschaftlich begründeten Gliederung[3] der schwedischen Vermessungsbehörde Lantmäteriet wird nur der nördliche Teil jenem zugerechnet, der Bereich südlich der Meerenge des Södra Kvarken (Südkvark) hingegen der Eigentlichen Ostsee.
Die Küsten der Ålandsee weisen Schären auf, jedoch nicht so zahlreich wie die Åländer Schären in der zwischen Åland und dem finnischen Festland liegenden Schärenmeer (Archipelsee). Zu den Schären der Ålandsee gehört die zwischen Schweden und Finnland geteilte Schäre Märket.
Topographie
Ihre Topographie wird durch eine komplexe Mischung aus tiefen Rinnen und seichten Schwellen geprägt. Die markanteste Tiefenstruktur ist das Ålandtief, das mit 301 Metern die tiefste Stelle des gesamten Gebiets darstellt und als Hauptpassage für den Wasseraustausch fungiert.[4] Nördlich schließt sich der Südkvark (schwed. Södra Kvarken) an, eine seichtere Schwelle, die den Übergang zur Bottensee bildet und den Wasseraustausch mit dem nördlichen Ostseebecken zusätzlich moduliert.[5]
Hydrographie
Hydrographisch ist die Ålandsee durch eine stabile haline Schichtung charakterisiert. Salzreicheres und damit dichteres Wasser aus der zentralen Ostsee strömt in der Tiefe ein und schiebt sich unter das weniger salzhaltige Oberflächenwasser des Bottnischen Meerbusens. Dies führt zur Ausbildung einer ausgeprägten Halokline, die den vertikalen Austausch von Sauerstoff und Nährstoffen stark einschränkt.[6] Die regionale Zirkulation wird maßgeblich durch die komplexe Topographie der zahlreichen Inseln und Schwellen gesteuert, die zu charakteristischen, oft Wirbel-dominierten Strömungsmustern führt.[7]
Ökologie
Aus ökologischer Sicht stellt die Ålandsee eine Übergangszone dar, in der sich marine und brackwasserangepasste Lebensgemeinschaften mischen. Die Schichtung und die damit verbundene limitierte Belüftung der Tiefen machen das Ålandtief anfällig für Sauerstoffmangel in den bodennahen Schichten, insbesondere in Phasen mit geringem Wasseraustausch.[8] Gleichzeitig ist die Region mit ihren zahlreichen Inseln und Schären von hohem Wert für den Naturschutz. Die Ålandsee ist nicht nur eine vitale Schifffahrtsroute, sondern ihr Gesundheitszustand ist auch ein entscheidender Indikator für die Funktionalität des gesamten nördlichen Ostsee-Ökosystems.
Verkehr
Von 1636 bis zur Einführung der Dampfschifffahrt führte die Postroute von Stockholm nach Finnland und nach der Abtretung Finnlands an Russland 1743 von dort weiter nach Sankt Petersburg über die Ålandsee und durch das Schärenmeer (Archipelsee) nach Åbo, finnisch Turku.[9] Im Winter wurden die Postboote als Schlitten über das Eis gezogen.
Seit den 1960er Jahren besteht ein Fährverkehr von Kapellskär nach Mariehamn über die Ålandsee.
Weblinks
Quellen und Referenzen
- ↑ HELCOM - Helsinki Commission, Baltic Marine Environment Protection Commission (2018): State of the Baltic Sea – Second HELCOM holistic assessment 2011-2016. Baltic Sea Environment Proceedings, Heft 155. PDF
- ↑ Website Baltic Sea Hydrographic Commission
- ↑ The Baltic Sea, Kattegat and Skagerak – sea areas and drainage basins. ( vom 3. März 2016 im Internet Archive) (PDF) In: Swedish Meteorological and Hydrological Institute, Februar 2004
- ↑ Jüri Elken, Wolfgang Matthäus (2008): Kap. A.1.1, Baltic Sea Oceanography. In: The BACC Author Team (Hrsg.): Assessment of Climate Change for the Baltic Sea Basin. Berlin und Heidelberg 2008. ISBN 978-3-540-72785-9, S. 379–386. PDF
- ↑ Matti Leppäranta, Kai Myrberg (2009): Physical Oceanography of the Baltic Sea. Springer Praxis Books. Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2009. ISBN 978-3-540-79702-9.
- ↑ Bertil Håkansson, Pekka Alenius, Lars Brydsten (1996): The physical environment in the Gulf of Bothnia. In: Ambio Special Report Nr. 8 (1996), S. 5–12.
- ↑ Kai Myrberg, Oleg Andrejev (2003): Main upwelling regions in the Baltic Sea – a statistical analysis based on three-dimensional modelling. In: Boreal Environment Research, Band 8 (2003), S. 97–112. PDF.
- ↑ Daniel J. Conley, Svante Björck, Erik Bonsdorff et al. (2009): Hypoxia-related processes in the Baltic Sea. In: Environmental Science & Technology, Band 43 (2009), Ausgabe 10, S. 3412–3420. DOI:10.1021/es802762a.
- ↑ Geschichte von Åland - 1638. In: visitaland.com
Koordinaten: 60° 11′ N, 19° 7′ O